Pharmaindustrie

Pharmafirmen nehmen Strafzahlungen für Marketing-Vorteile in Kauf

Strafzahlungen von nationalen und internationalen Kontrollbehörden gehören fest zum Geschäftsmodell der Pharmaindustrie. Die Millionenstrafen sind oft nur ein Bruchteil dessen, was sich mit einer ausgeklügelten Marketing-Strategie und einem Medikament vorher verdienen lässt. Einer Studie zufolge wiegen allein die Gewinne aus 2012 die Strafzahlungen aus zwei Jahrzehnten wieder auf.

Mit illegalen Marketing-Strategien platzieren sich Pharmafirmen vor der Konkurrenz. Dabei nehmen sie Strafzahlungen in Milliardenhöhe in Kauf. Einer Studie zufolge überwiegen die Vorteile die Nachteile durch die Strafzahlungen. Diese zahlen die Pharmafirmen praktisch aus der Portokasse.

Die Pharmafirmen verschweigen Nebenwirkungen ihrer Medikamente, um den Marktwert der Produkte nicht zu gefährden. So kassieren sie zunächst Milliarden an Einnahmen, bevor herauskommt, dass manche Medikamente einen hohen Schaden anrichten können. Im US-Bundesstaat Louisiana wurden die Konzerne Eli Lilly und Takeda zur Zahlung von über 9 Milliarden Dollar verurteilt. Die Strafe wurde fällig, weil ein Insulin-Sensitizer möglicherweise Blasenkarzinome auslöst. Die entsprechenden Risiken seien von den Konzernen verschwiegen worden, urteilte eine Jury einem Bericht von DocCheck zufolge.

Der Pharmakonzern Pfizer musste 2009 eine Summe von 2,3 Milliarden Dollar aufbringen, weil er die Vermarktungsbeschränkung für bestimmte Medikamente nicht beachtete. . Ein Jahr später wurde AstraZeneca vorgeworfen, ein Medikament für psychotische Erkrankungen vermarktet und die Patienten in die Irre geführt zu haben. Die Strafe: 520 Millionen Dollar. GlaxoSmithKline wurde das Marketing des Präparats Rosiglitazon zum Verhängnis und kostete den britischen Pharmariesen rund 3 Milliarden Euro. Der Konzern Abbot musste gar 5,5 Milliarden Dollar zahlen, weil er Ärzte auf Kongressen dazu brachte, die eigenen Medikamente wohlwollend zu erwähnen.

Hohe Geldstrafen haben jedoch so gut wie gar keine negativen Auswirkungen auf die milliardenschweren Pharmafirmen. Aus Pharmaperspektive rechnet es sich sogar, eine Strafe in Kauf zu nehmen, wenn durch unerlaubte Marketing-Strategien der Umsatz mit einem Medikament gesteigert wird.

Sidney M. Wolfe von der Health Research Group Public Citizen, Washington DC, rechnet vor, dass die die Gewinne aus 2012 rein rechnerisch Strafen aus mehr als zwei Jahrzehnten wieder aufwiegen. Die Firmen leiden seiner Meinung nach an einem „pathologischen Mangel an Unternehmensintegrität“. Höhere Strafen und mehr Transparenz bei der Vergabe von Geldmitteln sind Möglichkeiten, diesem Geschäftsmodell der Pharmafirmen entgegen zu wirken.

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