Pharmabranche

Astra-Übernahme durch Pfizer ist noch nicht vom Tisch

Nachdem die Führung von AstraZeneca eine Übernahme durch Pfizer abgelehnt hat, fordert ein Teil der Astra-Aktionäre nun eine Neuauflage der Gespräche. Scheitert die Übernahme, entgehen den beratenden Banken von Pfizer und AstraZeneca Gebühreneinnahmen in Höhe von 260 bis 340 Millionen Dollar.

Großaktionäre des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca fordern vom Management, der Übernahme durch Pfizer eine neue Chance zu geben. (Foto: Flicker/CarbonNYC)

Großaktionäre des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca fordern vom Management, der Übernahme durch Pfizer eine neue Chance zu geben. (Foto: Flicker/CarbonNYC)

AstraZeneca hat auch das auf über 117 Milliarden Dollar aufgestockte „endgültige“ Angebot des US-Rivalen abgelehnt. In einer Erklärung sagte der britische Konzern zudem, es gebe keine Chance auf erneute Gespräche, die zu einem verbesserten Angebot des US-Rivalen Pfizer führen könnten. Damit steht die größte Fusion in der Geschichte der Pharma-Branche voraussichtlich vor dem Aus.

Doch trotz der Ablehnung durch Astra hat Pfizer den Druck aufrechterhalten. „Das Schicksal des Deals liegt nun in den Händen der Aktionäre von AstraZeneca. Wir glauben, unser endgültiges Angebot bringt attraktiven und vollen Wert für die AstraZeneca-Aktionäre“, heißt es in einer Stellungnahme des US-Konzerns.

AstraZeneca hat seine Ablehnung der Übernahme damit begründet, dass es langfristig als unabhängiges Unternehmen besser dasteht. Es entwickle eine Reihe neuer Medikamente gegen Krebs, Asthma und Diabetes.

Großinvestoren haben die entgegengesetzten Positionen in dem Streit verfolgt, während die beiden Unternehmen um ihre Unterstützung kämpften. Sie sind hinsichtlich der Übernahme gespalten.

Der Vermögensverwalter Schroders, dem 2,1 Prozent AstraZeneca gehören, war enttäuscht von der „schnellen Ablehnung“ eines Angebots, das zu einem Anstieg des Aktienkurses um 45 Prozent geführt hatte. „Wir würden das Management von AstraZeneca dazu ermutigen, die Verhandlungen mit Pfizer neu zu beginnen.“

Der Chief Investment Officer des US-Finanzdienstleisters Fidelity, der 1,4 Prozent von Astra hält, sieht dies anders. „AstraZeneca hat das Richtige getan“, als es das Übernahmeangebot von Pfizer ablehnte, sagt Dominic Ross. Er denke nicht, dass der US-Konzern ein „angemessener Partner“ ist. „Er war durch steuerliche und finanzielle Überlegungen motiviert.“

Weitere Investoren unterstützen die Entscheidung von AstraZeneca gegen die Übernahme, darunter Investor of Sweden, der 4 Prozent hält, und der Top-30-Investor M&G. Jupiter und Schafer Cullen Capital Management hingegen haben sich der Kritik von Schroders am Vorstand angeschlossen.

Die zehn größten Aktionäre haben sich bisher nicht zu der geplatzten Übernahme geäußert, zumindest nicht öffentlich. Einer sagte der Financial Times, der Vorstand habe einen „großen Rechenfehler“ gemacht. Der größte der Top-10-Aktionäre ist BlackRock mit 7,8 Prozent. Dahinter kommen Axa mit 5,5 Prozent, Vanguard mit 4,7 Prozent und Invesco mit 3,6 Prozent.

Es ist ein Grundsatz des britischen Übernahmerechts, dass sich die Parteien an ihre öffentlich gemachten Erklärungen halten müssen. So sollen die Investoren geschützt werden, die ihre Entscheidungen zum Aktienkauf und -verkauf von den Erklärungen der Konzerne abhängig machen. Pfizer hatte sich daher die Möglichkeit ausdrücklich offengehalten, sein als „endgültig“ bezeichnetes Angebot doch noch zu erhöhen.

AstraZeneca hingegen schloss erneute Verhandlungen aus. Die Führung von AstraZeneca halt dies für einen Versuch, Verwirrung unter den Aktionären zu stiften und eine Rebellion gegen den Vorstand anzustacheln, zitiert die Financial Times mit der Sache vertraute Leute. Wenn die Gespräche mit Pfizer zum jetzigen Zeitpunkt scheitern, könnte AstraZeneca die Verhandlungen in drei Monaten auf Druck seiner Aktionäre neu eröffnen.

Durch die vorerst gescheiterte Übernahme entgehen den beratenden Banken von Pfizer und AstraZeneca Gebühreneinnahmen in Höhe von 260 bis 340 Millionen Dollar.

Bei Pfizer ist es übliche Firmenpolitik, beim Fehlschlagen eines Vorhabens überhaupt kein Honorar zu zahlen. Auch bei der gescheiterten Astra-Übernahme wird daher voraussichtlich kein Geld fließen, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. Somit gehen JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch und Guggenheim Securities wohl leer aus.

Die Banken von AstraZeneca erhalten nur 5 bis 10 Prozent der Maximal-Gebühren in Höhe von 130 Millionen Dollar, erwartet das Beratungsunternehmen Freeman. AstraZeneca wurde von Robey Warshaw, Evercore, Morgan Stanley und Goldman Sachs beraten.

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