Pharma

Astra-Übernahme durch Pfizer ist vorerst gescheitert

Die bisher größte Übernahme in der Pharma-Branche ist vorerst gescheitert. Der US-Konzern Pfizer will kein neues Übernahmeangebot für den britischen Rivalen AstraZeneca vorlegen. Die Briten hatten auch das aufgestockte Angebot von rund 118 Milliarden Dollar abgelehnt.

Mit der Astra-Übernahme wäre Pfizer zum weltgrößten Pharma-Konzern aufgestiegen. (Foto: Flickr/trantro)

Mit der Astra-Übernahme wäre Pfizer zum weltgrößten Pharma-Konzern aufgestiegen. (Foto: Flickr/trantro)

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat seine Pläne, den britischen Konkurrenten AstraZeneca zu übernehmen, vorerst aufgegeben. Mit 69,4 Milliarden Pfund wäre es die bisher größte Unternehmensübernahme gewesen. Doch der Vorstand von AstraZeneca hatte das Angebot von 55 Pfund pro Aktie abgelehnt.

Nach britischem Recht müssen die beiden Unternehmen nun mindestens drei Monate warten, bis sie die Übernahmeverhandlungen wieder aufnehmen können. Pfizer hofft, dass die Aktionäre von AstraZeneca der Konzernführung Druck machen, damit diese an den Verhandlungstisch zurückkehrt. AstraZeneca hingegen könnte selbst einen größeren Zukauf anstreben, um den großen Rivalen Pfizer abzuwehren.

Pfizer hat sich nicht dazu geäußert, ob es die Übernahme des in London angesiedelten Rivalen erneut anstreben wird. Damit die Gespräche in drei Monaten erneut starten können, müsste AstraZeneca eine entsprechende Einladung aussprechen. Pfizer selbst muss sechs Monate mit einem neuen Angebot warten.

Beide Unternehmen hatten die mögliche Übernahme mit hohen Erwartungen verbunden. AstraZeneca hatte Verkäufe von 45 Milliarden Dollar bis 2023 vorhergesagt, ein Anstieg um 75 Prozent zum letzten Jahr. Das Unternehmen hat massiv auf eine neue Klasse von Medikamenten gesetzt, die das Immunsystem des Körpers verwenden, um Tumore anzugreifen. Pfizer zeigte Interesse an diesen experimentellen Arzneien.

Wenn es dem Viagra-Hersteller Pfizer nicht gelingt, AstraZeneca an den Verhandlungstisch zurückzuholen, drohen dem Konzern weniger Geschäfte und langsameres Wachstum. Es gibt wenige große Übernahmeziele wie AstraZeneca, mit denen der US-Konzern durch die Verlegung seiner Adresse massiv Steuern sparen, seine Kosten senken und viel versprechende neue Medikamente erhalten könnte.

Pfizer erhält möglicherweise die Unterstützung der großen Aktionäre von AstraZeneca. Investoren mit Anteilen von 16 Prozent an Astra haben Interesse an neuen Verhandlungen bekundet. Nur 7 Prozent der Aktionäre haben sich gegen den Deal ausgesprochen, berichtete Bloomberg. BlackRock, mit 8 Prozent der größte Anteilseigner, unterstützt erneute Gespräche.

Um eine Übernahme durch den großen Rivalen Pfizer abzuwehren, könnte die Konzernführung von AstraZeneca selbst ein Unternehmen hinzukaufen. Dies würde jedoch Äußerungen von Konzernchef Pascal Soriot widersprechen, dass AstraZeneca allein groß genug ist, sagt der Analyst Fabian Wenner von Kepler Cheuvreux.

Soriots Optimismus im Hinblick auf AstraZenecas Umsatz rührt daher, dass das Unternehmen über eine Liste mit 71 experimentellen Medikamenten verfügt, die der Behandlung von Krankheiten wie Diabetes und Lungenkrebs Einsatz finden könnten. Sie könnten Umsätze von bis zu 63 Milliarden Dollar pro Jahr einbringen.

Zudem setzt AstraZeneca auf seine Asthma- und Atemmedikamente, auf den Blutverdünner Brilinta und die Diabetesmedikamente, die das Unternehmen von Bristol-Myers gekauft hat. Diese Medikamente sollen 20 Milliarden Dollar bis 2023 bringen.

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