Gesundheitssystem

Kliniken stellen fehlerhafte Rechnungen an Krankenkassen aus

Mehr als jede zweite Krankenhausrechnung, die Krankenkassen prüfen, ist fehlerhaft. Dabei kommt es zu hohen Rückzahlungsforderungen an die Kliniken. Diese sind jedoch finanziell schwach aufgestellt und weigern sich, die Forderungen im vollen Umfang zurück zu zahlen. Nun muss ein Schiedsgericht entscheiden, wie nach Prüfungen künftig verfahren werden soll.

Zusatzmedikamente rufen Prüfungen der Krankenhausrechnungen auf den Plan. Was dabei ans Licht kommt, bringt die Kliniken in Bedrängnis. (Foto: Flickr/IGMETALLJUNGENDREGENSBURG)

Zusatzmedikamente rufen Prüfungen der Krankenhausrechnungen auf den Plan. Was dabei ans Licht kommt, bringt die Kliniken in Bedrängnis. (Foto: Flickr/IGMETALLJUNGENDREGENSBURG)

Die Krankenkassen prüfen die Krankenhausabrechnungen in einem zweistufigen Verfahren. Dabei werden die Abrechnungen in einem ersten Schritt auf Anzeichen möglicher Fehler durchgesehen. Dies können z. B. zu lange Liegezeiten bei einer leichten Erkrankung sein. In einem zweiten Schritt werden bundesweit rund elf bis zwölf Prozent aller Abrechnungen einer genauen Prüfung unterzogen. Für das Jahr 2012 hat sich gezeigt, dass bundesweit 52,99 Prozent der genau geprüften Krankenhausabrechnungen nicht richtig waren. Im ersten Halbjahr 2013 waren nach vorläufigen Zahlen 52,77 Prozent der genau geprüften Rechnungen fehlerhaft.

Das Sozialgesetzbuch schreibt vor, dass die Krankenkassen die Krankenhausabrechnungen prüfen müssen. Wenn eine Krankenkasse ihrer gesetzlichen Prüfpflicht nachkommt und eine geprüfte Krankenhausrechnung richtig ist, dann muss die Krankenkasse dem Krankenhaus eine „Aufwandspauschale“ in Höhe von 300 Euro zahlen. Wenn die Prüfung aber ergibt, dass die Rechnung falsch war und zugunsten der Krankenkasse korrigiert werden muss, dann passiert nichts. Das Krankenhaus muss nur den zu viel erhaltenen Betrag zurückzahlen.

Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, so der GKV-Spitzenverband in einem Statement. Er fordert eine Strafzahlung für Falschabrechnungen, so wie es im richtigen Leben auch eine Strafe gibt, wenn man ohne Fahrkarte erwischt wird. Mindestens muss ein Gleichgewicht hergestellt werden und bei den Krankenhäusern ebenso eine Sanktionierung erfolgen. Der Krankenkassen-Verband geht davon aus, dass dadurch die Qualität der Krankenhausabrechnungen deutlich besser würde und Beitragsgelder gespart werden könnten.

Eine Krankenhausrechnung wird zum Beispiel wegen der Gabe eines bestimmten Zusatzmedikamentes überprüft. Dabei wird festgestellt, dass es nicht nur die Medikamentengabe nicht gab, sondern dass zusätzlich auch noch Beatmungsstunden abgerechnet wurden, die es ebenfalls nicht gab. Die Krankenkassen sind der Meinung, dass dann beide Fehler korrigiert werden müssten und die Klinik alles Geld, was sie zu viel bekommen hat, zurückzahlen muss.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht das anders: Sie ist der Meinung, da der Grund der Prüfung nur die nicht vorhandene Medikamentengabe war, muss die Klinik nur das dafür zu viel erhaltene Geld zurückbezahlen. Das Geld für die zu viel abgerechneten Beatmungsstunden hingegen sollte die Klinik behalten können – obwohl es diese Beatmungsstunden tatsächlich nie gegeben und die Abrechnung falsch ist.

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) auf ein klares Verfahren für die Abrechnungsprüfungen verständigen. Bislang führten die Verhandlungen zu keinem Erfolg. Nun muss die Schiedsstelle eine Lösung bringen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. … es werden nur 100 Prozent aller Krankenhausrechnungen geprüft, davon gehen 90% ohne weitere Prüfung durch, weil sie nicht zu beanstanden sind. Von den verbleibenden 10% ist die Hälfte falsch, also 5%. Neunzig Prozent der Rechnungen gehen demnach als „ordentlich“ durch.

  2. Das Beispiel unterstellt dem Krankenhaus Betrug oder zumindest grobe Fahrlässigkeit. Wenn Leistungen abgerechnet werden, die nicht erbracht wurden und im Krankenhaus merkt es keiner, bevor die Rechnung raus geht, dann ist das strafbar.

    Wenn aber mehr Beatmungsstunden abgerechnet werden, als tatsächlich erbracht, weil die falsche Ziffer erfasst wurde, dann wäre das was anderes.

  3. Erstens ist das DRG-system so kompliziert, dass auch mit besten Absichten unterschiedliche Abrechnungen für denselben Fall möglich sind. Der MDK versucht meiner Erfahrung nach praktisch immer die für die Krankenkasse günstigste, das heißt billigste Lösung zu finden.
    Sehr häufig wird in den Krümeln gesucht, um nur die Zahlung der 300 € zu vermeiden.
    Vieles wäre im kollegialen Gespräch zu klären – das wird vom MDK aber abgelehnt.
    Die Bearbeitung der Abrechnung kostet uns Ärzte immense Zeit, die wir nicht am Patienten verbringen können.
    Diese System ist meiner Ansicht nach krank und muss dringend reformiert und vereinfacht werden.

  4. Das Verhalten der Krankenkassen ist wohl ein Witz.Wie im genannten Fall Beatmungsstunden abzurechnen, die nicht gegeben wurden ist Betrug und sollte auch so geahndet werden, d.h. nicht nur das volle Geld zurück zahlen, sondern auch den Rechnungersteller zur juristischen Verantwortung ziehen, sprich wegen Betruges anzeigen.

  5. Zu NvD:
    Es gäbe eine Möglichkeit korrekte Abrechnungen zu forcieren wenn man nach 17b zweimal im Jahr ein Prüfung nach Zufall durchführen würde, nicht durch Sofware nach finanziellen Aspkten vorgeprüft.
    Diese Ergebniss pauschal auf alle Fälle übertragen könnte der Schuss aber auch nach hinten losgehen da bisher keiner die Abrechnungen prüft, in dem äußerst interprätationsfähigem sowie hochkompliziertem System, bei denen sich die Kliniken selbst beschissen haben.
    Wir haben immer wieder Fälle die nach Prüfung teurer werden.

    Zu drstiehl:
    Natürlich ist das System selbst krank vor allem wenn solche Behauptungen immer wieder aufgetellt werden obwohl man genau weiß dass ein Großteil der heutigen Anfragen sich lediglich auf die Verweildauern beziehen. Dort von 5 Überliegertagen 2 zu streichen darf nicht dazu führen den Kliniken falsche Abrechnung zu unterstellen
    Da wird eher über die Dokumentation, die eh schon überboren ist, ganz gezielt durch Interpretationsfähigkeit genau genommen die Indikationsfrage gestellt.
    Wie oft gibt man nur um Ruhe zu haben den einen oder anderen Tag her? Dann aber wird das Falschabrechnung genannt, das ist völlig hanebüchen und läuft eher auf Verweigerung einer Bezahlung von erbrachter Leistung hinaus.