Innovation

Hilft Telemedizin gegen den Ärztemangel?

Telemedizinische Projekte können einen Weg darstellen, Ärztemangel in unterbesetzten Regionen auszugleichen und die Patientenbetreuung zu verbessern. Dabei müssen die Prinzipien der Präsenzmedizin eingehalten werden. Die DGIM-Kommission Telemedizin veröffentlicht jetzt Leitsätze, um die Qualität bei der Implementierung telemedizinischer Angebote sicherzustellen

In Skandinavien bereits weit verbreitet, steckt die Telemedizin in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Dabei könnte sie dabei helfen, den Ärztemangel in ländlichen Regionen zu beenden. (Foto: Flickr/bodytel)

In Skandinavien bereits weit verbreitet, steckt die Telemedizin in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Dabei könnte sie dabei helfen, den Ärztemangel in ländlichen Regionen zu beenden. (Foto: Flickr/bodytel)

Während Ferndiagnosen und digitale Patientenbetreuung im dünn besiedelten Skandinavien, der Schweiz oder Großbritannien bereits üblich sind, sind telemedizinische Methoden in Deutschland noch umstritten. „Viele wichtige Fragen zu den Aspekten Qualitätssicherung und Datenschutz sind in unserem dezentral medizinisch versorgten Land noch nicht ausreichend geklärt“, sagt Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin aus Kiel. „Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Krankenkassen müssen in diesen Punkten gemeinsame Absprachen treffen, um die Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.“

Denn auch hierzulande leben inzwischen viele Patienten so weit von ihrem Arzt entfernt, dass sie ihn nicht regelmäßig aufsuchen können. Bei telemedizinisch betreuten Patienten werden Vital- und Selbstkontrolldaten wie zum Beispiel EKG, Blutdruck- und Blutzuckerwerte an den Arzt übertragen. Sind die Werte auffällig, kontaktiert der Arzt seinen Patienten, um ihn fachlich zu beraten. Auch Kliniken nutzen die Technik, um zum Beispiel digitale Röntgenbilder aus der Ferne befunden zu lassen oder um in Videokonferenzen zusammenzuarbeiten.

Die „Kommission Telemedizin“, bestehend aus 13 Experten verschiedener Schwerpunkte der Inneren Medizin und angrenzender Fachgebiete wie Allgemeinmedizin, Urologie, Neurologie und Pharmakologie, soll mehr Expertise in die Debatte bringen. Das Gremium wertete jetzt telemedizinische Studien und Modellprojekte systematisch aus und entwickelte anhand derer die Leitsätze. „Sie sollen verlässliche Rahmenbedingungen für die Anwendung von Telemedizin schaffen“, betont der Vorsitzende der Kommission, Diethelm Tschöpe vom Herz- und Diabeteszentrum NRW. Danach müssen Kriterien wie etwa Nutzen, Akzeptanz oder Transparenz gesichert sein.

Telemedizin kann zur Vermeidung akuter Komplikationen und zur Verbesserung von Behandlungsqualität und Kosteneffizienz beitragen. Und sie kann in Teilen den Ärztemangel in Deutschland kompensieren. „Doch selbst wenn unsere Kriterien erfüllt sind, hängt die Überführung in die Regelversorgung von der Erstattungsfähigkeit ab“, meint Tschöpe. Bundesärztekammer (BÄK) und Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) müssten Pfade definieren, nach denen Telemedizin auch erstattbar werde. „Besonders wichtig ist uns bei alledem jedoch, dass die Fernbetreuung den gleichen ethischen und rechtlichen Prinzipien unterliegt wie die Behandlung durch den Arzt in der Praxis und somit vor allem dem Wohl des Patienten dient.“

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