Wirtschaft

Milliardenrücklagen fangen Fehlbetrag der Krankenkassen vorerst auf

Die gesetzlichen Krankenkassen bekommen die Überalterung zu spüren: Erstmals seit Jahren haben die Kassen im ersten Quartal wieder Verluste gemacht. Die Kassen erwarten, dass die Zeiten der Überschüsse vorbei sind.

Das Quartalsdefizit der gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von 317 Millionen Euro wird zunächst von den noch vorhandenen Rücklagen von über 30 Milliarden Euro aufgefangen. Dieses Polster wird jedoch abschmelzen, wenn die Krankenkassen nicht besser wirtschaften. Denn Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den Kassen den Bundeszuschuss um 2,5 Milliarden Euro gekürzt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet mit einem Minus von 1,7 Milliarden Euro für das laufende Jahr. Für 2015 seien es sogar 6,1 Milliarden, berichtet das Handelsblatt.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat ein Minus von über 217 Millionen Euro für das erste Quartal des laufenden Jahres verbucht. Der Barmer GEK fehlten 91 Millionen Euro. Es handelt sich um das erste Defizit der gesetzlichen Krankenkassen seit 2008. Die Versicherer erzielten im vergangenen Jahr noch einen Überschuss in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Die Hauptursache für den Fehlbetrag sind die hohen Prämienausschüttungen an die Versicherten. Auch die Änderungen zum Risikostrukturausgleich (RSA) führen zu Verlusten. Der RSA soll verhindern, dass einige Kassen nur deshalb besonders hohe Beitragssätze aufweisen, weil sie überdurchschnittlich viele alte, kranke Versicherte haben. Hohe Behandlungskosten kurz vor dem Tod eines Patienten werden nun stärker berücksichtigt. Das verursacht vor allem bei der TK höhere Kosten.

Aber nicht alle Krankenkassen haben zu Beginn des Jahres Verlust gemacht. Die Ortskrankenkassen konnten Überschüsse in Höhe von 149 Millionen Euro vermelden.

Nach der Beitragsreform zur Finanzierung der Krankenkassen können diese künftig wieder einen individuellen Zusatzbeitrag erheben. Das birgt die Gefahr, dass chronisch Kranke künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Denn schon jetzt müssen sie oft bis zu zwei Prozent ihres Einkommens an Zuzahlungen aufbringen.

Die Krankenkassen beschuldigen zudem die Kliniken der Falschabrechnung. Mehr als jede zweite geprüfte Rechnung sei fehlerhaft, sagten Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei sei ein Schaden von 2,3 Milliarden Euro entstanden. Die Krankenhäuser weisen die Vorwürfe als überzogen zurück.

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