Wirtschaft

Existenz logopädischer Praxen massiv gefährdet

Viele logopädische Praxen in Deutschland stehen vor einem finanziellen Fiasko. Der Bundesverband für Logopädie fordert eine Aufstockung der Vergütung von den Krankenkassen. In ostdeutschen Praxen ist die Lage besonders prekär. Inflationsbereinigt sind die Preise für logopädische Leistungen niedriger als vor 10 Jahren.

Die Stimme ist bei allen Menschen ein bedeutendes Persönlichkeitsmerkmal. Für diejenigen, die in ihrem Beruf viel sprechen müssen, ist sie darüber hinaus ein wichtiges Arbeitsmittel. (Foto:Flickr/ HDValentin)

Die Stimme ist bei allen Menschen ein bedeutendes Persönlichkeitsmerkmal. Für diejenigen, die in ihrem Beruf viel sprechen müssen, ist sie darüber hinaus ein wichtiges Arbeitsmittel. (Foto:Flickr/ HDValentin)

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie fordert eine bessere Vergütung logopädischer Leistungen. „Die Logopädinnen und Logopäden in Deutschland brauchen die Unterstützung der Politik, um gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen endlich eine faire, bundesweit einheitliche Vergütung logopädischer Leistungen durchzusetzen“, sagte Verbandspräsidentin Christiane Hoffschildt anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl) in Berlin.

„An der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler logopädischer Praxen trägt die Politik eine Mitverantwortung, weil sie die Preisverhandlungen für unsere Leistungen immer noch an die Entwicklung der Grundlohnsumme bindet, die in den letzten Jahren überwiegend unterhalb der Inflationsrate lag“, so Hoffschildt im Vorfeld des 43. dbl-Kongresses, der vom 19.-21. Juni 2014 im Convention Center Berlin stattfand. „Die Orientierung an der Grundlohnsumme muss umgehend abgeschafft werden, damit wir endlich ohne gesetzliche Deckelung mit den gesetzlichen Krankenkassen verhandeln können“, so die dbl-Präsidentin.

Auf die besonders problematische wirtschaftliche Situation logopädischer Praxen in den ostdeutschen Bundesländern wies die zweite Vorsitzende des Berliner Landesverbandes, Frauke Kern, hin. „Für eine 45-minütige Einzeltherapie zahlen die Primärkassen selbstständigen Logopäden in den ostdeutschen Bundesländern teilweise weniger als 29 Euro. Diese Vergütung liegt im Schnitt etwa 25 Prozent unter Westniveau. Bei den Verhandlungen nutzen einige Kassen ihre dominante Position aus und lehnen angemessene Preisabschlüsse unter Berufung auf die Grundlohnsummen-Anbindung ab. Im Ergebnis fallen die Preise für logopädische Leistungen in Ostdeutschland immer weiter zurück“, so Kern. „Auf dieser Grundlage sind unsere Praxen nicht dauerhaft auf hohem Qualitätsniveau zu führen“, betonte die selbstständige Logopädin.

Auch in den westlichen Bundesländern führt die Grundlohnsummen-Anbindung zu kritischen Situationen in vielen logopädischen Praxen. „Die Preise für logopädische Leistungen sind heute inflationsbereinigt insgesamt niedriger als vor zehn Jahren“, mahnte dbl-Präsidentin Christiane Hoffschildt.

Logopäden berichten, dass immer mehr Patienten mit degenerativen Erkrankungen in ihre Praxen kämen. „Von vielen Patienten mit beginnender Demenz und ihren Angehörigen wird die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit als großes Problem empfunden“, sagte Thomas Brauer vom dbl. „Deshalb ist die Beratung von Patienten und Angehörigen über die Folgen der Krankheit hinsichtlich des zukünftigen Miteinanders besonders wichtig. Als diejenige Berufsgruppe, die einen besonders intensiven Kontakt zum Patienten hat, sind hier die Logopäden gefordert“, so Brauer.

Am Anfang der Erkrankung können Logopäden mit Übungsbehandlungen wie intensiven Wortfindungsübungen, Übungen zum Sprachverständnis oder zur besseren Konzentration helfen. Bei fortschreitender Erkrankung sind eher kompensatorische Methoden gefordert. Angehörige und Betroffene können lernen, trotz eingeschränkter kommunikativer Fähigkeiten erfolgreich miteinander zu sprechen.

 

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  1. Ich bin stark dafür und hoffe, dass sich die Politik bald der Probleme der Logopäden annimmt.

    Es kann nicht angehen, dass sich dieses Problem nun schon so viele Jahre zieht.

    LG

    Clemens