Wirtschaft

Neues Honorarsystem für Ärzte spart Krankenkassen Geld

Die Techniker Krankenkasse schlägt vor, das Honorarsystem für Ärzte zu reformieren. Ein neues Vergütungssystem soll Fixkosten und variable Kosten trennen und so eine Kostenexplosion verhindern. Zudem will die TK eine Konvergenz der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung vorantreiben.

Wenn es nach einzelnen Krankenkassen geht, werden Ärzte künftig nach einzelnen Leistungen vergütet. Eine zusätzliche Trennung von Fix- und variablen Ausgaben soll kostensenkend wirken. (Foto: Flickr/Dennis Skley)

Wenn es nach einzelnen Krankenkassen geht, werden Ärzte künftig nach einzelnen Leistungen vergütet. Eine zusätzliche Trennung von Fix- und variablen Ausgaben soll kostensenkend wirken. (Foto: Flickr/Dennis Skley)

Rund 30 Milliarden Euro zahlen die Krankenkassen jedes Jahr für die niedergelassenen Ärzte in Deutschland. Die Gelder werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen unter den 150.000 Ärzten verteilt, was immer wieder Anlass für Unfrieden gibt – zwischen Kassen und Ärzten ebenso wie innerhalb der Ärzteschaft. Und trotz der vielen Milliarden erleben auch Patienten unzufriedene Ärzte und haben Schwierigkeiten, zeitnah an Behandlungstermine zu kommen. Für die Techniker Krankenkasse (TK) ist dies kein zukunftsfähiger Zustand. Sie hat daher das Berliner IGES Institut beauftragt, Reformvorschläge zu entwickeln.

Ein neues Vergütungssystem soll für Abhilfe sorgen: „Wir wollen Patienten zu einer besseren Versorgung und Ärzten zu mehr Zufriedenheit verhelfen. Deshalb können wir uns eine Einzelleistungsvergütung gut vorstellen. Sie muss natürlich so gestaltet sein, dass die Ausgabenentwicklung dennoch beherrschbar bleibt“, so Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des TK-Vorstands.

Das Vergütungssystem sieht eine Trennung der Vergütung in Fixkosten und variable Kosten vor. Die einzelnen Leistungen werden definiert und mit einem Preis versehen, der vor jedem Quartal bekannt ist und nicht nachträglich reduziert wird. Die variablen Kosten, in denen auch der „Arztlohn“ enthalten ist, werden für alle erbrachten Leistungen vergütet, die Fixkosten (z.B. Praxisausstattung) nur so lange, bis sie gedeckt sind. Damit sinkt der Anreiz unnötiger Mengenausweitung. Gleichzeitig erhöht sich die Planbarkeit und Transparenz für die Ärzte.

„Patienten profitieren von dem vorgelegten Modell der Einzelleistungsvergütung, denn ihre Ärzte können sie zielgerichteter und bedarfsgerechter behandeln. Das nützt dem gesamten Gesundheitssystem, weil Über- und Unterversorgung entfallen“, so Karsten Neumann, Geschäftsführer des IGES Instituts. „Gefördert wird zudem die sprechende Medizin, denn der Druck, technische Geräte einzusetzen, entfällt.“ Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass eine Einzelleistungsvergütung mit geeigneten Begrenzungsinstrumenten nicht zu einer Kostenexplosion in der ambulanten Versorgung führte, so Neumann. „In der Studie haben wir in Modellrechnungen festgestellt, dass die zu erwartende Ausgabensteigerung einmalig bei 5,4 bis 5,9 Prozent liegen würde. Zum Vergleich: Seit 2008 lag die Steigerungsrate im Jahresmittel bei 3,7 Prozent.“

Ballast erscheint dies vertretbar: „Wir hätten es mit einer einmaligen Steigerung zu tun, die sich durch einen Zuwachsverzicht im Folgejahr sogar vollständig kompensieren ließe – zumal das neue Modell viele Vorteile für Patienten, Ärzte und Kassen brächte.“ Er sieht noch weitere Vorteile in einem solchen System: „Perspektivisch werden wir eine Konvergenz der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung erleben. Dass ein einheitliches Vergütungssystem in einem einheitlichen Versicherungsmarkt grundsätzlich möglich ist, haben wir bereits im vergangenen Jahr in einer Studie gezeigt. Das vorliegende IGES-Modell würde eine Konvergenz der Systeme weiter erleichtern.“

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