Wirtschaft

Unternehmen zahlen drei Monatsgehälter für Rückenschmerzen pro Jahr

Einer aktuellen Studie zufolge können Rückenschmerzen zu einem bedeutenden Faktor bei den Personalkosten in Unternehmen werden. Unternehmen mit 60 Mitarbeitern zahlen pro Jahr drei Monatsgehälter aufgrund der Fehlzeiten durch Rückenschmerzen.

Wer viel sitzt oder viel Stress hat, der muss sich mehr um seinen Rücken kümmern. (Foto: Flickr/ Jasmine Kaloudis)

Wer viel sitzt oder viel Stress hat, der muss sich mehr um seinen Rücken kümmern. (Foto: Flickr/ Jasmine Kaloudis)

Deutschland hat „Rücken“. Obwohl in den Betrieben immer mehr Abläufe automatisiert werden und immer mehr Menschen an Schreibtischen arbeiten, geht fast jeder zehnte Krankschreibungstag in Deutschland auf den Rücken. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorstellte. Durchschnittlich war jede TK-versicherte Erwerbsperson – dazu gehören sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I –im Jahr 2013 genau 1,4 Tage wegen Rückenbeschwerden arbeitsunfähig. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergeben sich rund 40 Millionen Fehltage bundesweit.

Die hohen Fehlzeiten resultieren aus der großen Zahl der Betroffenen und einer sehr langen Erkrankungsdauer der Patienten: Statistisch gesehen war jede zwölfte Erwerbsperson 2013 wegen „Rücken“ arbeitsunfähig. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Eine Krankschreibung aufgrund von Rückenbeschwerden dauert im Schnitt 17,5 Tage und damit fünf Tage länger als eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit. Für einen mittelständischen Betrieb mit 60 Beschäftigten bedeutet das, dass jedes Jahr fünf Mitarbeiter zweieinhalb Wochen ausfallen und der Unternehmer drei Monatsgehälter auf das Konto ‚Rücken‘ überweist.“

Betroffen sind erwartungsgemäß Berufe, in denen schwer körperlich gearbeitet wird, wie die Berufe in der Ver- und Entsorgung (5,1 Fehltage pro Kopf aufgrund von Rückenbeschwerden), im Tiefbau (4,7 Tage) und in der Altenpflege (4,1 Tage). Aber auch durch einseitige und mangelnde Bewegung können Rückenbeschwerden entstehen wie zum Beispiel bei den Berufskraftfahrern, die es mit 4,3 Rückenfehltagen nicht nur überdurchschnittlich im Kreuz haben, sondern auch insgesamt zu den Berufen mit den höchsten Fehlzeiten gehören.

Dem Report zufolge nehmen Rückenbeschwerden im Laufe des Erwerbslebens deutlich zu. Thomas Grobe vom Aqua-Institut: „Die durchschnittlichen Fehlzeiten steigen bei Männern zwischen 15 und 64 Jahren um den Faktor zehn und bei Frauen um den Faktor 8,6.“

Das Durchschnittsalter in den Betrieben steigt deutlich. Investitionen in betriebliches und individuelles Gesundheitsmanagement werden immer wichtiger. „Hier sind Arbeitgeber, Krankenkassen und die Betroffenen gleichermaßen gefordert. Es geht darum, Arbeit gesünder zu gestalten, aber auch um einen insgesamt gesünderen Lebensstil, der auch nach Feierabend gelebt wird“, so Baas.

Rückenbeschwerden hätten in den allermeisten Fällen nicht nur eine Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren wie Bewegungsmangel, einseitige Belastung und Stress zusammen. Vielen sitzt der Stress buchstäblich im Nacken, so dass es zu Verspannungen und Rückenschmerzen kommt. Die persönliche Konstitution und Lebenssituation spiele hier eine große Rolle. Eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt, dass drei von vier Beschäftigten mit hohem Stresslevel auch Rückenbeschwerden haben.

Das Modellprojekt „Zweitmeinung Rücken“, berät Patienten vor einer eventuellen Rücken-OP und kann aufschlussreich sein. „In 80 Prozent der Fälle wurde den Patienten von der OP als Behandlungsmethode abgeraten, so dass in vielen Fällen langwierige Klinikaufenthalte vermieden werden konnten“, so Klaus Rupp, Leiter des Versorgungsmanagements bei der TK.

Erstmals wurden Krankschreibungen und Rückenbeschwerden auch auf lokaler Ebene ausgewertet. Danach haben vor allem Erwerbspersonen im Kreis Wittmund in Ostfriesland (2,9 Tage), im Landkreis Mansfeld Südharz (2,9 Tage), in Bremen (2,9 Tage), im thüringischen Nordhausen (2,9 Tage) und in Herne (2,4 Tage) „Rücken“. Einen besonders starken Rücken haben dagegen die Versicherten in Starnberg (0,5 Tage), im Landkreis München (0,7 Tage) sowie in Aschaffenburg und Dresden mit jeweils nur 0,8 rückenbedingten Fehltagen im Jahr.

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