Gesundheit

Stress der Eltern verändert das Erbgut der Kinder

Ein Studie der Tulane Universität in New Orleans zeigt, dass Stress unser Erbgut verändern kann. Bei Kinder, die harte Schicksale erleiden mussten, sind bestimmte Chromosomen nicht vollständig ausgebildet. Die Kinder haben demnach eine kürzere Lebenserwartung.

Der Stress, der die Eltern plagt, hat einen Einfluss auf die genetische Entwicklung ihrer Kinder. (Foto: Flickr/ Carmen Rodriguez)

Der Stress, der die Eltern plagt, hat einen Einfluss auf die genetische Entwicklung ihrer Kinder. (Foto: Flickr/ Carmen Rodriguez)

Die psychische Belastung kann einem nicht nur den Tag vermiesen, sondern sogar das Erbgut. Das will die Studie von Stracy Drury von der Tulane University/New Orleans aufzeigen. Für ihre Analyse wurde genetisches Material von insgesamt 80 Kindern untersucht. Die Teilnehmer waren zwischen fünf und 15 Jahren alt und stammen alle aus New Orleans. Außerdem wurden ihren Eltern befragt und die Zustände zu Hause analysiert. Gravierende Erlebnisse wurden ebenfalls notiert.

Drury kommt nach einem Bericht der Fachzeitschrift Pediatrics zu dem Ergebnis, dass stressige Erfahrungen sich direkt auf die Chromosomen von Kindern auswirken. Entscheidend ist dabei der Blick auf das Ende der Chromosomen. Denn ihre Forschung hat ergeben, dass die Telomere in diesem Fall schlecht ausgebildet sind. Die bislang nur sprichwörtlichen seelischen Narben konnten also erstmals auch im Labor dargestellt werden. Telomere sind die Ende der Chromosomen, die aus wiederholender DNA und assoziierten Proteinen bestehen.

Laut aktuellem Stand der Wissenschaft sind gerade diese Teile in unserem Erbgut dafür verantwortlich, wie schnell unser Körper altert. Sind die Telomere vernarbt, setzt der Alterungsprozess offenbar früher und schneller ein. Eine kürzere Lebenserwartung im Vergleich zu Menschen ohne veränderte Telomeren ist also scheinbar garantiert.

Wie giftig Stress für den Körper sein kann, ist damit wissenschaftlich untersucht worden. Als Ursache für die psychische Anspannung wurden diverse Faktoren ausgemacht. Dabei muss es sich nicht immer nur um Streit zwischen den Eltern gehandelt haben – auch wenn dies natürlich ebenfalls eine Rolle spielen kann. Besonders Erlebnisse, die mit Gewalt verbunden waren, hatten den größten Einfluss auf die DNA-Vernarbung der Kinder. Ob die Kinder selbst geschlagen wurden oder miterleben mussten, wie Familienangehörige unter Gewalt litten, spielt dabei keine Rolle. Häusliche Gewalt kann somit noch drastischere Auswirkungen haben als bislang vermutet.

Da die Studie in New Orleans stattfand, kann man ahnen, dass alle Kinder, die vor 2005 geboren wurden, bereits ein schreckliches Ereignis erlebt haben: den Hurrikan Katrina. Dabei sind vor neun Jahren rund 1.800 Menschen ums Leben bekommen. In New Orleans lagen zeitweise bis zu 80 Prozent der Stadt unter Wasser. Insofern haben auch Naturgewalten die Macht, unsere DNA zu manipulieren. Doch auch als Erwachsener ist man vor derartig nachhaltigen Katastrophen nicht gefeit. Die Studie hat nur Kinder untersucht. Es gibt also bislang noch keine Informationen, ab welchem Alter Stress die DNA nicht mehr verändern kann.

Auch wenn der Volksmund diese Binsenweisheit gerne verwendet – was einen nicht umbringt, macht demnach doch nicht unbedingt härter. Für Eltern bedeutet das aber natürlich nicht, ihre Kinder in Watte zu packen. Dennoch ist das Ergebnis der Studie ein Weckruf an alle Familien. Insbesondere Gewalt sollte auf jeden Fall vermieden werden. Es geht hierbei jedoch in erster Linie um physische Taten, nicht etwa um in Computerspielen auftretende Gewalt. Wer Egoshooter spielt, hat vielleicht auch Stress, allerdings läuft dies auf spielerische Weise ab. Zudem kann man dabei jederzeit den Computer oder die Konsole ausschalten. Bei häuslicher Gewalt lässt sich nicht einfach der Stecker ziehen.

Kinder sind also lebenslang von den Ereignissen beim Heranwachsen betroffen. Kaum überraschend kann dies auch im positiven Sinne geschehen. Die Analyse hat ergeben, dass Mütter mit höherer Bildung ihren Kindern wertvolle Lebensjahre schenken können. Der genaue Grund dafür ist noch nicht näher erforscht. Tatsächlich waren die Telomere der Kinder von gebildeten Müttern vergleichsweise länger als der Durchschnitt. Allerdings mit der überraschenden Einschränkung: Dies gilt nur für Jungen unter zehn Jahren. Auch hierzu stehen wissenschaftliche Erklärungen noch aus.

Es gilt festzuhalten, dass der biologische Einschlag auf die kindliche DNA erheblich sein kann. Wer seinem Kind etwas Gutes tun will, nimmt es bei stressigen Situationen aus der Schusslinie und versucht ach Möglichkeit zu verhindern, dass der eigene Nachwuchs derartige Erfahrungen überhaupt machen muss. Natürlich sollte dies selbstverständlich sein. Wenn aber nur einem Kind durch diese Nachricht geholfen wird, hat die Studie bereits ihren Sinn erfüllt.

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