Wirtschaft

Diabetes-Gefahr: Verbände fordern Kalorienbomben-Steuer

Höhere Abgaben auf zuckerhaltige Lebensmittel spülen nicht nur Steuern in die Staatskassen. Sie entlasten auch das Gesundheitssystem. Denn in Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Diabetes, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Erkrankungen ist seit 1998 um 38 Prozent gestiegen. Die Deutsche-Diabetes-Gesellschaft fordert die Politik zum Handeln auf.

Steuern auf fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel wirken sich negativ auf dessen Konsum aus. (Foto: Flickr/ Karrierebibel.de)

Steuern auf fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel wirken sich negativ auf dessen Konsum aus. (Foto: Flickr/ Karrierebibel.de)

Fast Food, Chips und Süßigkeiten könnten bald wieder stärker besteuert werden. Dieabetes-Verbände fordern höhere Abgaben auf die Kalorienbomben. Die steigende Anzahl von zuckerkranken in Deutschland ist für sie Grund zur Beunruhigung. Mehr als sechs Millionen Menschen leiden an Diabetes, teilt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) vergangene Woche in Berlin mit.

Wer zu viel Zucker und Fettstoffe zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. „Ein sinnvoller Weg könnte der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte sein“, sagte DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs der Pharmazeutischen Zeitung. „Neben dieser Zucker-Fettsteuer sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse dagegen bewusst gering besteuert werden. Für viele Lebensmittel gilt bisher ein Steuersatz von 7 Prozent.“

Bei Alcopops und Zigaretten habe sich gezeigt, dass eine hohe Besteuerung den gewünschten Effekt auf den Konsum der gesundheitsschädlichen Produkte habe, so die DDG. Nach Preissteigerungen seien diese Alkoholika weniger gefragt und der Tabakkonsum von Teenagern erheblich gesunken, ergänzte Garlichs. Gut gemeinte Appelle an die Bevölkerung, sich gesünder zu ernähren, seien dagegen nachweislich gescheitert.

„Etliche Länder haben verschiedene Formen der Zucker-Fettsteuer eingeführt (unter anderem Frankreich, Finnland, Mexiko, Ungarn). Andere Länder verbieten an Kinder gerichtete Fernsehwerbung (unter anderem Norwegen, Schweden, Quebec) oder alle Formen der Tabakwerbung, einschließlich des Sponsorings“, heißt es in einer Mitteilung des DDG.

In Deutschland erkranken hingegen pro Tag 700 Patienten an Diabetes. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter ihnen nimmt zu. Fast jeder über 70-Jährige leidet an Diabetes. Die Zahlen sind beunruhigend. Zwei Drittel der Männer und jede zweite Frau in Deutschland ist nach DDG-Angaben übergewichtig und hat ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Seit 1998 sind die Erkrankungszahlen in Deutschland um 38 Prozent gestiegen, berichtet das Robert-Koch-Institut.

Dabei werden die Symptome und das Krankheitsbild von Diabetes unterschätzt: Pro Jahr gibt es laut DDG 40.000 Amputationen, 2.000 Neuerblindungen und 2.300 neue Nierenkranke mit Dialyse durch Diabetes. Das alles verursacht auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

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