Wirtschaft

Ärzte unzufrieden: Die Praxis ist keine Altersvorsorge mehr

Wirtschaftlicher Druck, Zeitmangel und fehlende finanzielle Planungssicherheit belasten die Ärzte in Deutschland. Fast jeder vierte Haus- und Facharzt will seine Praxis abgeben, sie hat die Funktion der Altersvorsorge für die Mediziner verloren.

Patienten müssen für einen Arztpatient die Zeit mitbringen, die den Ärzten bei der Behandlung fehlt.  (Foto: Flickr/ weidegruen)

Patienten müssen für einen Arztpatient die Zeit mitbringen, die den Ärzten bei der Behandlung fehlt. (Foto: Flickr/ weidegruen)

„Meine Arbeit macht mir Spaß“ sagen 93 Prozent der niedergelassenen Hausärzte, 95 Prozent der Fachärzte und 99 Prozent der Psychotherapeuten stimmen dieser Aussage zu. Doch die positive Grundstimmung hat eine finanzielle Kehrseite: „39 Prozent der Praxisärzte sind unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, 46 Prozent beklagen eine fehlende finanzielle Planungssicherheit“, stellte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes fest. Das sind die Ergebnisse aus dem Ärztemonitor 2014, den das Meinungsforschungsinstitut infas im Auftrag der KBV und des NAV-Virchow-Bundes durchgeführt hat.

„Obwohl niedergelassene Ärzte das Rückgrat der ambulanten Versorgung sind, fühlen sie sich aber im Stich gelassen. Bei einer persönlichen Arbeitsbelastung von durchschnittlich 54 Arbeitsstunden bei täglich 45 behandelten Patienten fehlt 66 Prozent der Befragten ausreichend Zeit für den Patienten“, so Heinrich.

Dies und die ständig steigende Bürokratie sowie der wirtschaftliche Druck verschlechterten die Stimmung und führten dazu, dass 67 Prozent der Praxisärzte sich wünschen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. „Dies entspricht einerseits gesellschaftlichen Tendenzen, ist aber andererseits auch das Ergebnis der politischen Rahmenbedingungen für die Niedergelassenen“, erklärte Heinrich: „Die ,Generation Selbstausbeutungʻ gehört in Kürze der Vergangenheit an.“

Jeder vierte Haus- und Facharzt plant, in den kommenden fünf Jahren die Praxis abzugeben. Viele finden aber keinen Nachfolger. Auch deswegen sagen rund 75 Prozent, dass die Praxis ihre Funktion als Altersvorsorge verloren hat.

Der KBV-Chef stellte dazu fest: „Das ist ein Skandal. Es darf nicht sein, dass eine freie Berufsgruppe, die erst in eine sehr lange Ausbildung, dann in Aufbau und Unterhalt einer Praxis investiert, die Arbeitsplätze sichert und die eine extrem wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt, am Ende ihres Arbeitslebens nicht abgesichert ist.“

Mehr als 10.000 Niedergelassene haben von Februar bis Mai 2014 an den telefonischen Interviews teilgenommen. Damit ist der Ärztemonitor die umfangreichste Repräsentativbefragung von niedergelassenen Medizinern.

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