Gesundheit

Forscher will Joghurt gegen Parkinson entwickeln

Max-Planck-Forscher identifizieren Stoffe, die den Abbau von Nervenzellen bremsen und sogar verhindern können. Die Entdeckung gilt als Schlüssel für neue Therapien gegen Parkinson. Ein mit dem Stoff D-Laktat angereicherter Joghurt könnte in Zukunft effektiven Schutz gegen Parkinson bieten.

Kann Parkinson künftig durch die regelmäßige Einnahme eines Desserts verhindert werden? (Foto: Flickr/ Jörg Schreier)

Kann Parkinson künftig durch die regelmäßige Einnahme eines Desserts verhindert werden? (Foto: Flickr/ Jörg Schreier)

Bei Parkinson stellen Nervenzellen in der Subtantia nigra, einem Kernkomplex im Bereich des Mittelhirns, die Arbeit ihrer Mitochondrien ein. Dadurch sterben die Zellen ab. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik zeigen jetzt, wie D-Laktat und Glykolat diesen Prozess aufhalten und ihm und sogar vorbeugend entgegenwirken können.

Diese beiden Produkte des Gens DJ-1 haben die Forscher in kranke menschliche Zellen in der Petrischale und in Zellen von Fadenwürmern gegeben, deren Mitochondrien bereits inaktiv waren. Das Ergebnis: Der Abbau der Nervenzellen wurde gestoppt, alle Zellen wurden wieder gesund.

„Wie genau die beiden Stoffe den heilenden und vorbeugenden Effekt erzielen, wissen wir bisher nicht. Deshalb wollen wir als nächstes die molekularen Mechanismen genau erforschen“, sagt Kurzchalia. Und er hat noch weitere Pläne: Er kann sich vorstellen, einen Joghurt auf den Markt zu bringen, der mit D-Laktat angereichert ist und als Parkinson-Prophylaxe dienen kann: „Das schmeckt sogar gut!“ Auf jeden Fall hat er sich die Entdeckung patentieren lassen.

Auch negative Auswirkungen auf Mitochondrien in Nervenzellen durch das Unkrautbekämpfungsmittel Paraquat, das als Auslöser von Parkinson bekannt ist, konnten die beiden Stoffe verhindern. Sowohl Glykol- als auch Milchsäure kommen ganz natürlich in Joghurt oder unreifen Früchten vor. Möglicherweise könnten Produkte wie mit D-Laktat angereicherter Joghurt vor einem Ausbruch von Parkinson schützen.

Das Gen DJ-1 hatten sowohl Teymuras Kurzchalia als auch Tony Hyman, die beide am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik forschen, schon länger im Blick. Ursprünglich wurde es als ein krebsverursachendes Onkogen gehandelt. 2003 zeigten dann Forschungen, dass es vor allem bei Parkinson eine Rolle spielt.

Neueste Untersuchungen haben DJ-1 der Familie der Glyxolasen zugeordnet, die man bisher ausschließlich für Entgifter-Gene hielt: Man nahm an, dass diese Gene aggressive Aldehydgruppen, die in Mitochondrien als Abfall entstehen, in neutrale Verbindungen umwandeln und damit unschädlich machen. Die Dresdner Forscher zeigen jetzt, dass DJ-1 zudem auch für die Produktion von D-Laktat und Glykolat unabdingbar ist und somit dafür sorgt, dass Mitochondrien ihre Leistungsfähigkeit beibehalten können.

Sind Nervenzellen angegriffen und im Absterben begriffen – etwa durch das Herbizid Paraquat oder wenn das Gen DJ-1 nicht richtig funktioniert – so sind D-Laktat und Glukolat die Rettung: Sie verringern die toxische Wirkung des Unkrautbekämpfungsmittels, stellen die Funktionalität der Zellkraftwerke wieder her und sichern so das Überleben der Nervenzellen.

Ein Rückgang der Aktivität von Mitochondrien ist bei vielen Krankheiten das Problem, nicht nur bei Parkinson. Insofern könnten die Glykolase-Produkte, die das Dresdner Team näher charakterisiert hat, generell eine wichtige Rolle dabei spielen, Zellen vor ihrem Tod zu schützen.

Kommentare

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  1. Hallo,
    für mich stellt sich de praktische Frage…

    1. Neben Bulgara Joghurt kommt doch jeder linksdrehende Jogurt in
    Frage. Oder?.
    2. Die Anreicherung mit D-Laktat. Wo liegt das Problem?
    3. Fehlt der Mut zu einemn ‚Livetest? Gefahren erkenne ich nicht.

    Ein Betrofffener mit der Bereitschaft auf Zusammenarbeit..