Ärztemangel

Junge Mediziner wollen nicht Landarzt werden

Junge Ärzte ziehen nicht gern aufs Land. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Verdienstmöglichkeiten und das vermeintlich aufregendere Leben in Ballungszentren sind Faktoren, die es Jungmedizinern schwer machen, in eine fremde Gegend zu ziehen. Durch Angebote der Weiterbildung zum Facharzt soll dieser Mißstand gemildert werden.

Die Landkreis-Initiative stadtlandpraxis macht es sich zur Aufgabe, den Ärztemangel auf dem Land zu bekämpfen und vermittelt junge Assistenzärzte in ländliche Praxen. Auch in der Nähe von Metropolen ist der Arztmangel oft akut. Dabei dürfen Ärzte mittlerweile in der Großstadt wohnen bleiben, wenn sie dafür auf dem Land praktizieren.

Dennoch ist die Vermittlung alles andere als leicht. Denn neben den beruflichen Rahmenbedingungen müssen auch die Lebensentwürfe der Ärzte mit dem Leben auf dem Land zusammenpassen. Bei der 31-jährigen Ärztin Dorothee Meyer hat es geklappt: „Für uns als Familie ist das die ideale Lösung: Wir leben gern im Grünen auf dem Land und haben die Großstadt Hamburg doch ganz in der Nähe.“

Meyer setzt ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Hausarztpraxis von Jörg Fischer und Lilli Blaut in Hollenstedt fort. Auch ihr Partner hat in der Region eine Stelle als Assistenzarzt gefunden. „Durch die Großstadtnähe haben wir hier gute Bedingungen für eine optimale medizinische Versorgung unserer Patienten“, ergänzt Fischer. „Und durch die ländliche Struktur kennen wir unsere Patienten sehr gut und können sie ganzheitlich betreuen.“

Fischer sieht in der gegenwärtigen Situation in seiner Praxis auch die Bestätigung eines Trends – und zwar weg vom Praxischef hin zum angestellten Arzt, berichtet die Ärztezeitung. „Ich lege in meiner Praxis den Schwerpunkt auf Teamarbeit, steuere das Praxis-Management aber als Unternehmer bewusst allein. Angesichts der hohen medizinischen Anforderungen ist der traditionelle Landarzt als Einzelkämpfer nicht mehr zeitgemäß.“ Bei jungen Frauen und Familien ist die Sicherheit und Flexibilität dieses Modells attraktiv.

Kurz nachdem Meyer sich bei der Initiative gemeldet hatte, bekam sie ganze sechs Angebote von Hausärzten. Doch nur wenige wagen den Sprung aufs Land. Viele Nachwuchsmediziner werden nach dem Studium von großen Klinikkonzernen umworben.

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