Organspende

Organvergabe: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsches Herzzentrum

Patienten im Deutschen Herzzentrum in Berlin haben Medikamente bekommen, ohne über die Gründe ausreichend aufgeklärt worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob die Präparate den Zustand der Patienten so verändern sollten, dass sie auf der Spenderliste für ein neues Herz weiter nach vorne rücken.

Die Bereitschaft, ein Organ zu spende, steigt nur dann, wenn auch das Vertrauen in die verantwortlichen Institutionen steigt. (Foto: Flickr/ Martin Kalus)

Die Bereitschaft, ein Organ zu spende, steigt nur dann, wenn auch das Vertrauen in die verantworlichen Institutionen steigt. (Foto: Flickr/ Martin Kalus)

Das Deutsche Herzzentrum in Berlin ist unter Manipulationsverdacht im Zuge der Aufarbeitung des Organspende-Skandals geraten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung in 28 Fällen, heißt es verschiedenen Medienberichten zufolge.

Das Deutsche Herzzentrum hat indes Selbstanzeige erstattet, nachdem es intern Unregelmäßigkeiten feststellte. Berichten des Berliner Tagesspiegels zufolge sollen in den Jahren 2010 bis 2012 Patienten Medikamente bekommen haben, ohne dass ihnen hierfür ein ausreichender Grund genannt wurde.

Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass die Medikamente eingesetzt worden sein könnten, um die Patienten auf den Wartelisten für Spenderherzen vorrücken zu lassen und zu erreichen, dass sie früher bei einer Transplantation berücksichtigt werden können. Auf diese Weise könnte die Prioritätenliste in mehreren Fällen manipuliert worden sein. „Wir wissen noch nicht, ob Patienten zu Tode gekommen sind“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), bedauert den Vorfall. Die Organspende sei davon aber nicht direkt betroffen. „Wir hoffen, dass diese Manipulationsvorwürfe nicht zu einer erneuten Verunsicherung in der Bevölkerung und damit einem Rückgang der Organspende-Bereitschaft führen.”

Das Deutsche Herzzentrum wurde bereits von der Prüfungs- und Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband untersucht. Die Kommission wollte jedoch keine Information zum Stand der Ermittlungen preisgeben, da das Gesamtprüfungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

„So sehr ich schockiert bin über die Meldung, so sehr gehe ich davon aus, dass dies heute nicht mehr möglich wäre“, sagte der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen, Ethikratmitglied Eckhard Nagel einem Bericht des Ärzteblattes zufolge. Man müsse jedoch zwischen dem Skandal aus 2012 und der aktuellen Situation differenzieren. Es habe sich viel getan im Bereich der Transplantationszentren. Es seien Transplantationskonferenzen eingeführt worden sowie das Sechs-Augen-Prinzip zur Prüfung aller Daten bei der Anmeldung auf die Warteliste.

In diesem Jahr sterben voraussichtlich wieder mehr Menschen, während sie auf ein Organ warten, als im vergangenen Jahr. „In Deutschland sterben Menschen, die in Nachbarländern überleben würden“, so Nagel. Das sei mehr als bedrückend und besorgniserregend.

Ärztekammerpräsident Günther Jonitz fordert Reformen: „Derzeit erhalten vor allem jene Patienten ein neues Organ, die besonders krank sind. In Zukunft sollte die voraussichtliche Lebenserwartung eine größere Rolle spielen“, sagte er dem Focus.

Experten befürchten jedoch, dass die Nachrichten aus dem Deutschen Herzzentrum genügen, um das Vertrauen in die Institution der Organspende erneut zu erschüttern. Der Skandal kann sich stark auf die Spendebereitschaft auswirken.

Die Bundesregierung will, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal die Entscheidung trifft, ob er im Notfall Organe spenden möchte. Die Liste der Personen, die auf ein lebensrettendes Organwarten, ist lang. Die Spender interessiert es dabei nicht, dass der aktuelle Manipulations-Skandal in der Vergangenheit liegt. Solange nicht die notwendigen Institutionen geschaffen werden, die die Manipulation bei der Organspende effektiv ausschließt, wird sich die Zahl der Spender nicht dramatisch erhöhen lassen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Aber einige für den Lebertransplantationsskandal verantwortliche Mediziner sitzen doch sogar in der Ethikkommission der BAEK. Das konnte der Aufmerksamkeit eines Herrn Nagel doch kaum entgangen sein und hätte bei rechtzeitiger korrekter Aufarbeitung nun diesen Herztransplantationsskandal vielleicht schon verhindern können. Da Ärzte von der BAEK sich ein Alibi basteln konnten, fragt sich, wie viel Fehlverhalten denn noch passiert, bevor sich etwas ändert – und die Strukturen konnten dem Deutschen Ethikrat schlecht verborgen sein.

  2. Die Vereinigten Staaten gehen das Thema Organspende noch aktiver an als d6sterreich. Dabei geht es mir nicht um eine Bewertung pro oder conrta Organspende, sondern um die Auseinandersetzung mit diesem sehr persf6nlichen Thema. Viele denken, wenn sie Gegener einer Organspende sind, brauchen sie sich nicht zu kfcmmern. c4hnlich wie bei der Patientenverffcgung. .. und sind sich nicht im klaren darfcber, in welche Situationen sie u.U. ihre Angehf6rigen bringen.Herzliche Grfcdfe,Margit Winkler

    • Sehr geehrte Frau Guckland,vielleicht haben Sie ja schon mal meine Kommentare im Forum zu dieesr Serie (und anderen) gelesen. Dann kennen Sie mf6glicherweise meine Meinung zu So funktioniert . Ihren Recherche-Fleidf (und den Ihrer Kollegen) in allen Ehren, aber Ich mf6chte Ihnen nicht zunahe treten, aber recherchieren Sie doch bitte mal, wen diese (bisherige) Themenauswahl interessiert hat.

  3. Ich habe aus einer Zeitung einen Organspendeausweis bekommen. Das Problem ist aleigdlnrs, dass ich den nun immer mitnehmen mfcsste. Ich finde es da schon besser wie es in den Vereinigten Staaten von Amerika geregelt wird: Hier sind alle erstmal automatisch Spender und haben auf dem Ffchrerschein einen Aufkleber. Wer das nicht will, der macht den ab. Vielleciht we4re eine e4hnliche Regelung hier zu Landen auch ein Fortschritt.