Wirtschaft

Schließung unrentabler Kliniken ist zu teuer

Viele kleine Krankenhäuser bleiben am Markt, weil die Kosten für eine Schließung zu hoch sind. Das führt dazu, dass die Betreiber dauerhaft Verluste einfahren. Das erhöht wiederum die Insolvenzgefahr. Die häufigsten Ursachen der Schließung von Krankenhäusern sind dauerhafte Belegungsprobleme.

Vielen verlustreiche Kliniken gelingt der Marktaustritt nicht ohne Aderlass. (Foto: Flickr/ Lennart Tange)

Vielen verlustreiche Kliniken gelingt der Marktaustritt nicht ohne Aderlass. (Foto: Flickr/ Lennart Tange)

Wenn ein verlustmachendes Krankenhaus vor der Schließung steht, dann kostet das den Betreiber zwischen 0,8 und 2,5 Jahresbudgets. „Daraus resultiert nach Auffassung der Marktteilnehmer selbst aber auch nach der Einschätzung der Wissenschaft eine Strukturkrise im Krankenhausmarkt“, heißt es in einem Gutachten, das im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes erstellt wurde. Dieser Umstand führe nämlich dazu, dass viele Marktteilnehmer von einer Schließung absehen und dauerhaft hohe Verluste erwirtschaften, von einer Insolvenz bedroht sind und keine optimale Versorgung mehr erbringen würden.

Die Länder gewähren Kliniken, die vor der Schließung stehen, Förderungen zwischen 400.000 und drei Millionen Euro. Die Marktaustrittsbarrieren lägen aber deutlich darüber, so die Autoren des Gutachtens. Obwohl alle Landeskrankenhausgesetze die „Erleichterung der Schließung von Krankenhäusern“ vorsehen, sei nur für fünf der seit 2003 geschlossenen Krankenhäuser eine Schließungsförderung vereinbart worden.

Der Untersuchungszeitraum der Studie „Darstellung und Typologie der Marktaustritte von Krankenhäusern Deutschland 2003 – 2013“ reicht von der Einführung der Fallpauschalen 2003 bis 2013. Seit 2003 werden die Leistungen der Kliniken pro Einzelfall mit den Krankenkassen abgerechnet.

Das Bundesamt für Statistik errechnet für diesen Zeitraum eine Zahl von 204 geschlossenen Krankenhäusern. Der Studie zufolge „sind jedoch von diesen insgesamt 204 nicht mehr in der Statistik geführten Krankenhäusern nur 74 oder gut 36 Prozent auf vollständige Marktaustritte zurückzuführen“. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurden vor allem kleinere Kliniken mit nicht mehr als 70 Betten geschlossen. Einen Trend zu einer vermehrten Schließung von Krankenhäusern konnten die Autoren der Studie nicht feststellen.

Die häufigste Ursache von Marktaustritten seien langfristige Belegungsprobleme, die zu einer wirtschaftlichen Schieflage führen. Landesplanerische Erwägungen über die Bedarfsnotwendigkeit von Krankenhäusern spielen keine wesentliche Rolle.

Etwa „70 Prozent aller Marktaustritte fanden in städtischen Kreisen und kreisfreien Großstädten sowie ländlichen Kreisen mit Verdichtungsansätzen statt. Nur rund ein Viertel aller Marktaustritte betraf dünn besiedelte ländliche Kreise.“

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