Diagnose

Migranten nehmen Diabetesberatung auf Rädern gern an

Das neue Projekt „Diabetesberatung auf Rädern“ will Hemmschwellen bei Migranten abbauen, die sich aufgrund sprachlicher Barrieren nicht trauen, zum Arzt zu gehen. Das Angebot wurde in Köln gut angenommen. Der Kleintransporter mit Sofortdiagnose-Station soll nun in weiteren Städten auf Tour gehen.

Im Kampf gegen Diabetes muss zunächst aufgeklärt werden. (Foto: www.diabetesde.org)

Im Kampf gegen Diabetes muss zunächst aufgeklärt werden. (Foto: www.diabetesde.org)

Fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Laut Schätzungen sind etwa 600.000 von ihnen an Diabetes mellitus erkrankt. Häufig verhindern kulturelle und sprachliche Barrieren notwendige regelmäßige Arztbesuche. Genau da setzt das neue Projekt „Diabetesberatung auf Rädern“ von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe an: Ein Info-Mobil geht mit der Beratung direkt in Regionen mit einem hohen Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund und baut zum Beispiel durch türkischsprechende Diabetesberaterinnen die Hemmschwelle vor einer Untersuchung ab. „Diabetesberatung auf Rädern“ startete bereits in Köln und wird unter anderem vom Bundesgesundheitsministerium gefördert

Die größte Gruppe von Menschen mit Migrationshintergrund und Diabetes in Deutschland stellen türkischstämmige Mitbürger dar. Aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren sind viele von ihnen schlechter gesundheitlich versorgt als die Gesamtbevölkerung. Dies bestätigt Düzen Tekkal, Journalistin und Autorin mit türkisch-kurdischem Migrationshintergrund, aus eigener Erfahrung: „Mein Vater hat seit einigen Jahren Diabetes Typ 2. Wegen sprachlicher Barrieren ist er sehr lange nicht zum Arzt gegangen.“ Nach der Diabetes-Diagnose und –Therapie habe sich Vieles verändert: „Meine Familie hat inzwischen ihre Ernährung umgestellt und mittlerweile ist es fast schon ein Hobby meines Vaters, sich auf Deutsch mit seinen Ärzten zu unterhalten.“ Zahlreichen anderen Betroffenen aus der ersten Einwanderergeneration falle dies jedoch nach wie vor schwer. „Hier setzt das Diabetes-Mobil mit mehrsprachiger und interkultureller Kompetenz an und geht damit aktiv auf die Menschen in ihrem Lebensumfeld zu“, sagt Nicole Mattig-Fabian, Geschäftsführerin von diabetesDE.

„Wenn Migrantinnen und Migranten nicht zur Früherkennung und Beratung gehen, muss diese zu ihnen kommen“, bekräftigt Martin Hadder, Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Deutschen Diabetes-Hilfe. „Dafür tourt unser Diabetes-Info-Mobil künftig durch ganz Deutschland.“ An Bord des zur Diabetesberatungsstelle mit Sofort-Diagnostik umgebauten Kleintransporters seien Diabetesberaterinnen im Einsatz, die sowohl Deutsch als fließend Türkisch sprechen.

„Dieses Projekt könnte Schule machen und eine Antwort auf eine Fehl- und Unterversorgung von Migrantinnen und Migranten im Gesundheitssystem sein“, sagt Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter und Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, der als Sozialpädagoge die Schirmherrschaft des Projektes übernommen hat.

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