Epidemie

Gesundheitssysteme in Afrika stehen kurz vor dem Kollaps

In Sierra Leone und Liberia gerät die Ebola-Epidemie außer Kontrolle. Die medizinische Versorgung droht zusammenzubrechen. Hilfsorganisationen bitten um Spenden. Auch die Bundesregierung solle ihre Ausgaben erhöhen, um zur Kontrolle der Krise beizutragen.

Der Ebola-Virus bringt die Gesundheitssysteme Afrikas an ihre Grenzen. (Foto: Flickr/NIAID)

Der Ebola-Virus bringt die Gesundheitssysteme Afrikas an ihre Grenzen. (Foto: Flickr/NIAID)

Angesichts des drohenden Zusammenbruchs des liberianischen Gesundheitssystems durch die Ebola-Epidemie weist die Kinderhilfsorganisation World Vision auf die gefährliche Überlastung weiterer Staaten hin. In den betroffenen Ländern seien Krankenhäuser und Gesundheitsstationen zunehmend nicht mehr in der Lage, die gesundheitliche Grundversorgung für die Bevölkerung zu leisten. Dringend seien Investitionen notwendig, um die geschwächten Systeme vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Die liberianische Regierung hatte eingeräumt, dass die Gesundheitseinrichtungen des Landes der Ebola-Epidemie nicht mehr gewachsen seien. Jüngste Berichte aus Sierra Leone und Liberia zeugen davon, dass Ebola die ohnehin schlecht ausgestatteten Krankenhäuser und Gesundheitsstationen an ihre Grenzen gebracht hat. In der Folge ist medizinische Hilfe für viele Menschen nicht mehr verfügbar. Aus Angst sich anzustecken, verzichten immer mehr Schwangere darauf, medizinische Hilfe aufzusuchen. Viele bringen ihre Babys vermehrt ohne Hebammen zuhause zur Welt. Gibt es Komplikationen, kann ihnen nicht fachgerecht geholfen werden, die Zahl der tödlich verlaufenden Geburten steigt.

Andere Krankheiten als Ebola werden immer weniger behandelt, weil die Kapazitäten fehlen – Opfer sind vor allem Kinder. „Hunderte von Kindern bleiben im Moment unterversorgt und sterben – vor allem an eigentlich leicht behandelbaren Krankheiten wie Malaria, Typhus und Lungenentzündung“, berichtet die Kinderärztin Sara Hommel, die derzeit in Freetown, Sierra Leones Hauptstadt, arbeitet.

World Vision fordert die deutsche Bundesregierung und die Regierungen der betroffenen Länder angesichts dieser Entwicklungen dringend dazu auf, die Gesundheitssysteme massiv zu stärken. „Es erstaunt wenig, dass die Ebola-Epidemie ganze Gesundheitssysteme ins Schwanken gebracht hat. In vielen Ländern wird schon seit Jahren massiv an der gesundheitlichen Grundversorgung gespart, vor allem in den ländlichen Gebieten muss man von einer chronischen Unterversorgung sprechen. Dabei hatten sich schon 2001 alle afrikanischen Staaten verpflichtet, mindestens 15 Prozent ihres Staatshaushaltes in die Gesundheitsversorgung zu investieren. Heute haben gerade einmal sieben Länder dieses Versprechen umgesetzt“, sagt Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision Deutschland.

„Auch Deutschland bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, was die Gesundheitsfinanzierung armer Länder angeht. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den Geberländern seit nunmehr einem Jahrzehnt, 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die internationale Gesundheit zu investieren. Deutschland müsste seine Beiträge aber verdreifachen, um diesen Wert zu erreichen“, so Meier.

In manchen armen Ländern leisten nicht-staatliche Akteure wie Kirchen oder Hilfsorganisationen bis zu 40 Prozent der Gesundheitsversorgung. Gesundheitssysteme könnten so nicht nachhaltig betrieben werden, so World Vision. Die Kernverantwortung eines Staates für Gesundheitsversorgung seiner Bürger liege bei der Regierung.

Die Organisation unterstützt in Sierra Leone seit Ausbruch der Epidemie die Aufklärung der Bevölkerung. World Vision-Mitarbeiter informieren die Bevölkerung in ländlichen Gebieten über Vorbeugungsmaßnahmen. Vorurteile gegenüber Erkrankten, Überlebenden und ihren Angehörigen müssten abgebaut werden.

Nach Angaben der WHO haben sich seit März in den drei am schwersten betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone fast 4.300 Menschen mit Ebola angesteckt. Nahezu 2.300 von ihnen starben.

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