Gesundheitswirtschaft

Hausarztzentrierte Versorgung vermeidet 4.500 Klinikaufenthalte

Eine wissenschaftliche Studie zum Hausarztvertrag bestätigt, dass durch die Hausarztzentrierte Versorgung die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduziert werden kann. In Baden-Württemberg wurden zudem 250 hüftgelenkgsnahe Frakturen weniger gezählt.

Die Hausarztzentrierte Versorgung soll dabei helfen, den Hausarztberuf zu stärken und Krankenhauseinlieferungen zu vermeiden. (Foto: obs/Deutscher Hausärzteverband, MEDI Verbund, AOK Baden-Württemberg)

Die Hausarztzentrierte Versorgung soll dabei helfen, den Hausarztberuf zu stärken und Krankenhauseinlieferungen zu vermeiden. (Foto: obs/Deutscher Hausärzteverband, MEDI Verbund, AOK Baden-Württemberg)

Patienten in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg sind besser betreut. Die neuesten wissenschaftlichen Studienergebnisse der Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg belegen, dass die intensivere Behandlung durch den Hausarzt in Baden-Württemberg hilft, mehr als 4.500 Krankenhauseinweisungen in der HZV pro Jahr zu vermeiden.

Der Vertrag im Südwesten ist damit die Umsetzung des politischen Willens, eine patientenorientierte Versorgungsgestaltung zu erreichen. In ihrem Bericht bestätigen die Wissenschaftler, dass besonders chronisch Kranke und ältere Menschen von der HZV in Baden-Württemberg profitieren, beispielsweise indem schwierige Krankheitsverläufe erst gar nicht eintreten: Durch den Hausarztvertrag konnten alleine 250 Hüftgelenksfrakturen im Jahr vermieden werden.

Die HZV ist für mehr als 1,25 Millionen Versicherte und über 3.800 Hausärzte in Baden-Württemberg fest etabliert und nachweislich akzeptiert. Die Arbeit der mittlerweile über 1.500 arztentlastenden Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) wirkt sich für Ärzte und Patienten gleichermaßen positiv aus. „Die HZV setzt in der ärztlichen Versorgung auf den Teamgedanken und hat den Tanker Gesundheitswesen langsam, aber sicher auf einen neuen, vielversprechenden Kurs gebracht“, so der Leiter der Studie, Ferdinand M. Gerlach, MPH, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Was im herkömmlichen System kaum existiert, heißt in der Südwest-HZV „wissenschaftlicher Beleg“. Dieser bestätigt für die nunmehr evaluierten Jahre 2011 und 2012 9.000 vermiedene Klinikeinweisungen. „Dieses Ergebnis ist nicht zufällig“, so Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg. „Es ist die Folge der viel intensiveren Beziehung zwischen HZV-Arzt und Patient.“ So hätten HZV-Patienten durchschnittlich pro Jahr drei Hausarztkontakte mehr als die Versicherten in der Regelversorgung (dies entspricht 15 Prozent), überflüssige Behandlungen nähmen ab (unkoordinierte Facharztkontakte liegen um mehr als 20 Prozent unter der Regelversorgung) und es würden um ein Drittel weniger Medikamente verschrieben.

Die konsequentere Arzneimittelsteuerung wirke sich aus: „Die Pharmatherapiekosten im ambulanten Bereich waren für die HZV-Versicherten pro Jahr und Patient schon ohne Rabattberücksichtigung über 100 Euro geringer als in der Regelversorgung“, so Szecsenyi weiter.

Ferdinand Gerlach ergänzt: „Eine stabile, kontinuierliche, auf eine langfristige Arzt-Patienten-Beziehung angelegte hausärztliche Versorgung der Versicherten wird nachweislich gestärkt. Die HZV-Patienten nehmen diese Veränderungen positiv wahr und schätzen es, dass auch die Informationen aus Facharztbehandlungen beim Hausarzt zusammenlaufen. HZV-Praxen betreiben ein konsequentes Patientencoaching und entwickeln sich so zur Teampraxis.“

Die AOK investierte allein 2013 insgesamt über 300 Millionen Euro in den Hausarztvertrag. „Dass überflüssige Kosten vermieden und Falschversorgung abgebaut wird, ist das eine. Nicht vergessen sollten wir das andere, nämlich die Neujustierung des Systems“ so der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann. „Hier wird der Beweis geliefert, dass bessere Patientenversorgung und Wirtschaftlichkeit – richtig gemacht – zwei Seiten einer Medaille sind.“

Eine wesentliche Grundlage des Erfolgs der HZV sei, dass sie in Baden-Württemberg zu mehr Berufszufriedenheit für den Hausarzt führe und ihm bessere Perspektiven biete, betont Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg. „Sie erfahren Wertschätzung, Berufsbestätigung sowie eine finanzielle Aufwertung. HZV-Praxen bieten bessere Rahmenbedingungen für die freiberufliche Tätigkeit und verbessern die Einnahmesituation. Dies trägt dazu bei, die hausärztliche Profession auch für jüngere Ärzte interessant zu machen, insbesondere auch was den Nachwuchs in ländlichen Gebieten anbelangt.“

Die gesundheitspolitische Ziele, die sich die Politik aktuell auf die Fahnen geschrieben habe, wie die Stärkung der Hausarztrolle, hohe Qualitätsorientierung und eine bessere Vernetzung, seien in der HZV Baden-Württemberg bereits Wirklichkeit, so Hermann.

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