Kosten

Kassenärzte: „Entlassungs-Rezept“ für Apotheken ist nicht wirtschaftlich

Der KBV lehnt es ab, Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt mit einem Rezept in die Apotheke zu schicken. Es sei wirtschaftlicher und praktikabler, wenn die Patienten ihre Medikation für drei Tage direkt aus dem Krankenhaus mitnehmen könnten

Werden die Apotheken künftig bei der Beschaffung der Medikamente für einen Patienten nach dem Klinikaufenthalt übergangen? (Foto: Flickr/trombone65)

Werden die Apotheken künftig bei der Beschaffung der Medikamente für einen Patienten nach dem Klinikaufenthalt übergangen? (Foto: Flickr/trombone65)

Apotheke und Ärzte streiten sich über die Vergabe der Medikation nach einer Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus. Die Apotheker fordern, die Patienten nach der Entlassung mit einem Entlassungsrezept in die Apotheke zu schicken. Dem widerspricht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Ein einheitliches Entlassrezept, wie es die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) auf dem Deutschen Apothekertag gefordert hat, lehnt KBV-Vorstand Regina Feldmann ab: „Es ist nicht praktikabel, die Patienten unmittelbar nach ihrer Krankenhausentlassung mit dem Wirkstoffrezept in die nächstgelegene Apotheke zu schicken.“

Die KBV fordert stattdessen eine Übergangsmedikation durch das Krankenhaus. „Die Klinik gibt dem Patienten die Medikamente für mindestens drei Tage mit und überbrückt damit Wochenenden und Feiertage. Gleichzeitig übermittelt sie unmittelbar dem behandelnden niedergelassenen Arzt schriftlich oder elektronisch die verschriebenen Wirkstoffe. Dieser stellt dann ein Folgerezept aus“, erklärt Feldmann.

Für die Entlassmedikation müsse zudem genauso wie im ambulanten Bereich die Arzneimittel-Richtlinie gelten. „Damit wird gewährleistet, dass die Entlassmedikation nach den gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen und damit so wirtschaftlich erfolgt, wie dies für die Arzneimittelversorgung in der ambulanten Versorgung der Fall ist. Gerade letzteres wird durch den Vorschlag der Apotheker nicht sichergestellt“, so Feldmann.

In der täglichen Praxis leiden viele Patienten derzeit darunter, dass sie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zunächst einen niedergelassenen Arzt aufsuchen müssen, um sich auf der Grundlage des mitgegebenen Krankenhausarztbriefes eine Verordnung ausstellen zu lassen. Dies bereitet vor allem ab Freitagmittag und bei eingeschränkter Mobilität Schwierigkeiten. Diese Probleme sind bekannt und im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung als lösungsbedürftig beschrieben worden.

Der ABDA hatte daher ein einheitliches, standardisiertes Entlassrezept auf Wirkstoffbasis vorgeschlagen. Dieses Entlassrezept solle von Krankenhausärzten ausgestellt und in öffentlichen Apotheken eingelöst werden. Die Apotheken bieten durch die organisierten Nacht- und Notdienste flächendeckend eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung an sieben Tagen pro Woche. Die Patienten könnten mit einem Entlassrezept direkt nach der Krankenhausentlassung lückenlos mit Arzneimittel versorgt werden.

Das einheitliche Entlassrezept bietet auch für niedergelassene Ärzte Vorteile: Durch die Verordnung kleiner Packungsgrößen (N1-Packung) durch den Krankenhausarzt haben niedergelassene Ärzte die Möglichkeit, die im Krankenhaus begonnene Therapie ohne Zeitdruck auf wirtschaftlichere Arzneimittel umzustellen. Schmidt: „Zwingend erforderlich wäre, dass die nicht von niedergelassenen Ärzten verordneten Arzneimittel nicht ihrem Arzneimittelbudget zugerechnet werden.“

 

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *