Wirtschaft

Qualität und Pflege verändern den deutschen Gesundheitsmarkt

Internet, Qualitätsmanagement und die angestrebte Pflegereform sind die den Gesundheitsmarkt beherrschenden Themen. Die strukturellen Veränderungen zeigen sich besonders durch den Einzug der Internet-Riesen Apple und Google. Teilnehmer auf dem zehnten Gesundheitswirtschaftskongress forderten mehr politische Unterstützung für Kliniken im Bereich der Pflege. Bei der Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung sollten die Patienten stärker mit einbezogen werden.

Der Gesundheitsmarkt verändert sich für Ärzte, Patienten und Kliniken. (Foto: Flickr/ PresseBox.de flickr)

Der Gesundheitsmarkt verändert sich für Ärzte, Patienten und Kliniken. (Foto: Flickr/ PresseBox.de flickr)

In den vergangenen Jahren hat sich der Gesundheitsmarkt dramatisch verändert. Maßgeblich dazu beigetragen haben die Entwicklungen in der Informationstechnologie. „Die Internetmedizin boomt“, stellte Gesundheitsunternehmer und Kongresspräsident Heinz Lohmann zum Auftakt des zehnten Gesundheitswirtschaftskongresses in Hamburg fest. Das sei ein neuer starker Trend und noch ganz am Anfang. Wer in den letzten Wochen verfolgt habe, wie sich Apple und Google, die Giganten der Internetbranche, hier engagierten, ahne sicherlich, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich in den vor uns liegenden Jahren auf diesem Feld böten. Lohmann wörtlich: „Mehr und mehr werden jetzt auch von traditionellen Playern der Gesundheitswirtschaft die Chancen solcher Projekte erkannt.“

Der zweite Kongresspräsident, Senator a. D. Ulf Fink, begrüßte auf dem Kongress die Bereitschaft der Gesundheitspolitik, das Thema Qualität in der Medizin aufzugreifen. Das sei angesichts der immer deutlicher artikulierten Wünsche der Patienten überfällig. Ihn freue besonders, dass jetzt endlich ein Präventionsgesetz beschlossen werden solle. Damit würden jahrelange Debatten im parlamentarischen Raum hoffentlich bald zum Abschluss kommen.

Die durch mehr Transparenz insbesondere in den digitalen Medien gewährte Erkenntnis, dass es bei Gesundheitsleistungen teilweise erhebliche Qualitätsunterschiede gibt, ist ein starker Treiber für neue Produkte und Dienstleistungen auf dem zweiten Gesundheitsmarkt. Die traditionellen Gesundheitsanbieter haben auf dem Feld der Internetmedizin noch erhebliche Defizite. Sie müssen schleunigst Anschluss gewinnen, indem sie sich für die von den Menschen stark angenommenen Produkte interessieren und sie in ihre Leistungsportfolios einbringen.

Die Politik greift die Qualitätsdebatte zunehmend auf. Allerdings sei Vorsicht geboten. Qualität ist nur, was beim Patienten ankommt. Lohmann betrachtet die geplante Pflegepersonalregelung äußerst skeptisch. „Da offenkundig beabsichtigt ist, innerhalb des DRG-Abrechnungssystems den Krankenhäusern die Zahl der zu beschäftigenden Krankenpflegekräfte auf den Stationen vorzuschreiben, werden die Kliniken aufgrund des auch in Zukunft anhaltenden Kostendrucks gezwungen sein, an anderer Stelle, etwa bei den Ärzten, einzusparen.“ Letztlich könne sich die zunächst positiv klingende Maßnahme für die Patienten sogar negativ auswirken. Bei stark steigendem Bedarf an Gesundheitsleistungen und sehr begrenzten finanziellen Mitteln im Sozialtransfer werde es künftig nicht mehr Geld für die einzelne Leistung geben. Es komme auf den sinnvollen Einsatz knapper Ressourcen an. Deshalb müsse jetzt in moderne Prozessunterstützung investiert werden. „Wer das durch dirigistische Interventionen in das betriebliche Geschehen mittels einer Pflegequote behindert, schadet auch den Interessen der Pflegekräfte. Sie werden am Ende durch diese politische Aktion von den anstehenden Modernisierungsmaßnahmen abgehängt“, so Lohmann. Zwangsweise beschäftigtes Personal muss natürlich von Krankenhäusern dann „irgendwie“ eingesetzt werden. Pflegekräfte wollen aber nicht mit Hilfstätigkeiten über das Gelände geschickt werden, sondern die Patienten kompetent pflegen.

Zwingend notwendig sei eine breit angelegte Initiative zur Entlastung der Pflegekräfte und Ärzte von therapiefernen Tätigkeiten durch ein umfassendes Programm zur radikalen Erneuerung der veralteten Strukturen und zur konsequenten Optimierung der Prozesse. Die Politik solle die Krankenhäuser fördern, die in einen solchen Umbau investieren.

„Was die Qualität angeht, sollten wir zusammen – Gesundheitswirtschaft und Politik – die Patienten ernster nehmen. Sie wollen mehr Möglichkeiten haben mitzubestimmen. Sie sind zunehmend bereit, sich umfassend zu informieren, und tun das auch schon, unabhängig von unseren Fachdiskussionen“, so Lohmann. Der Präsident plädiert dafür, die Patienten in ihrem Bemühen zu unterstützen. Die Zeit für eine „Stiftung Gesundheitstest“ ist mehr als reif. Eine Qualitätsoffensive ohne Patienten verfehlt ihr Ziel.

Der Gesundheitswirtschaftskongress fand am 23. und 24 September 2014 in Hamburg statt. Rund 800 Teilnehmern aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft nahmen teil, darunter Gäste aus Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten.

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