Ebola

Mediziner: Es wird keine Ebola-Epidemie in Europa geben

Mit jedem neuen Fall in Europa und den USA wächst die Angst vor einer Ebola-Epidemie in Europa. Panikmache und die Einsicht der hochzivilisierten Gesellschaft, dass man sich nicht jede Sicherheit kaufen kann, sind die Triebfeder dieser Angst. In Europa ist „eine Verbreitung quasi ausgeschlossen“, so Martin Sprenger von der Uni Graz. Selbst, wenn eine Epidemie Europa bedrohen würde, wäre es wohl nicht Ebola.

Das Virus wird den europäischen Kontinent nicht für sich einnehmen, glauben Mediziner. (Foto: Flickr/NIAID)

Das Virus wird den europäischen Kontinent nicht für sich einnehmen, glauben Mediziner. (Foto: Flickr/NIAID)

Die Zahl der an Ebola-Erkrankten ist nach Angaben der WHO auf über 8.300 Menschen gestiegen. Sieben Länder sind bisher betroffen, darunter die USA und Spanien. Über 4.000 Menschen sind bereits daran gestorben. Vor allem nach den ersten gemeldeten Erkrankungen in den USA und in Spanien fürchten die Menschen hierzulande, auch in Europa könnte Ebola sich zu einer Epidemie entwickeln.

Die stetige Ausweitung der Einsatzkräfte in den betroffenen afrikanischen Staaten tut ein Übriges für die Verunsicherung der Menschen in Europa. „Der hochzivilisierte Mensch verliert mehr und mehr das Vertrauen in seine eigene Gesundheit und auch die Einsicht, dass es Schicksalsschläge gibt, denen man hilflos ausgeliefert ist“, sagt der Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands, Christian Euler, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Er will sich Sicherheit kaufen, aber das geht nicht“, so Euler. Und dennoch: „Ich glaube nicht an eine Ebola-Epidemie in Europa. Wo Hunger zum Alltag gehöre und die Lebenserwartung insgesamt unvorstellbar niedrig sei, „schauen Epidemien anders aus als in Europa“, sagt Euler.

Ähnlich sieht es auch Martin Sprenger vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Uni Graz. „Ebola ist für Europa und andere Regionen mit funktionierenden Gesundheitssystemen kein Problem“, so Sprenger. „Ebola ist weit weniger infektiös als allgemein bekannt“, die Fälle könnten gut isoliert und hoffentlich auch bald gut behandelt werden. „Und damit ist eine Ausbreitung quasi ausgeschlossen“, so Sprenger zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Man werde es in Europa immer nur mit Einzelfällen zu tun haben, „nie mit einer Epidemie“. Sprenger zufolge ist eine Epidemie in Europa grundsätzlich keine Gefahr. Und falls es dennoch zu einer Epidemie kommen sollte, wäre Ebola sogar eine der unwahrscheinlichsten.

Die Panikmache in den Medien und die täglich lauter werdenden Rufe nach Unterstützung von Seiten der Politik lassen Ebola jedoch zu einer waschechten Bedrohung auch für Europa erscheinen. Die Bedrohung ist bereits so groß, dass es nicht mehr genügt, Ärzte und Medizin in die betroffenen Länder zu entsenden. Militärische Präsens wird mittlerweile im Kampf gegen Ebola favorisiert. Jim Kim, der Präsident der Weltbank, sprach vergangene Woche davon, dass die internationale Gemeinschaft in ihrer Reaktion auf das Ebola-Virus „kläglich gescheitert“ sei.

Neben den USA erwägt nun auch die EU, militärisch in Afrika in Aktion zu treten. In einem internen Papier der Botschafter der EU-Länder ist die Rede von einer Evakuierung von EU-Bürgern und der „Durchführung militärischer Operationen, um zur Aufrechterhaltung der Sicherheit (…) beizutragen“, zitiert der EUObserver das interne Papier.

Und Außenminister Steinmeier machte Ende September deutlich:

„Wir wollen, gemeinsam mit unseren französischen Freunden, in der Region eine internationale logistische Basis einrichten, um die Verteilung von Hilfsgütern vor Ort zu unterstützen. Dazu sollen Transportflugzeuge der Bundeswehr eine humanitäre Luftbrücke schaffen und mit bis zu 100 Soldatinnen und Soldaten die Logistikkette aufbauen und betreiben.“

Die Panikmache eignet sich aber auch, um den Bürger daran zu gewöhnen, dass sich der Staat immer mehr einmischen kann. Fiebermessungen bei Reisenden aus westafrikanischen Ebolagebieten werden von den US-Bürgern aus Angst hingenommen. Mehr als die Hälfte der US-Bürger würden sogar einen Stopp von Flügen aus Ebola-Gebieten in die USA gutheißen, wie eine Umfrage der NBC zeigt. In Großbritannien gab es jüngst sogar eine achtstündige Notfallübung – simuliert wurde ein Ebola-Ausbruch.

In Deutschland hat man sich bisher nicht für eine Fiebermessung bei Reisenden entschieden. Die Erfahrungen mit SARS hätten gezeigt, „dass der Nutzen dieser Maßnahme sehr zweifelhaft ist, da theoretisch schon die Einnahme eines einfachen fiebersenkenden Arzneimittels genügt, um einen erkrankten Passagier für die Temperaturkontrolle unauffällig zu machen“, so der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. „Auch aufgrund der Inkubationszeit von 21 Tagen ist die Chance, einen mit Ebola infizierten Passagier mittels Thermoscreening zu entdecken, extrem gering“, sagte Ralph Beisel vom ADV.“ In diesem Zeitraum zeigen die Betroffenen nach Auskunft von Medizinern keine Symptome.“ Man sei aber auch so gut vorbereitet. Der Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen  für Deutschland fünf Flughäfen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit so genannte Kernkapazitäten vorhalten: Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und zukünftig Berlin (BER).

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