Pflege

Höhere Pflegebeiträge entlasten Angehörige und stärken Heime

Die Pflegereform kostet viel Geld. Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern werden in zwei Stufen angehoben. Doch das ist erst der Anfang. Bis 2030 könnten die Kosten explodieren. Die Bundesregierung stärkt daher Pflegeeinrichtungen mit mehr Personal und entlastet Angehörige. Ein Vorsorgefonds soll die geburtenstarken Jahrgänge absichern.

Das belastet pflegende Angehörige, mehrfachnennungen möglich: (Grafik/Quelle: Pflegestudie der Techniker Krankenkasse 2014)

Das belastet pflegende Angehörige, mehrfachnennungen möglich: (Grafik/Quelle: Pflegestudie der Techniker Krankenkasse 2014)

Fast jeder Deutsche ist unmittelbar vom Thema Pflege betroffen. Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) hat Pflegebedürftige oder Pflegende in seinem privaten Umfeld. Zwei von zehn Befragten (22 Prozent) kümmern sich sogar selbst regelmäßig um nahestehende Pflegebedürftige, die in einem Heim leben, und jeder Sechste (16 Prozent) pflegt jemanden bei sich Zuhause oder hat dies in den vergangenen fünf Jahren getan, das ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkasse.

Die Bundesregierung hat eine Pflegereform beschlossen, die in zwei Teilen umgesetzt wird und zahlreiche kleine und große Änderungen bei der Finanzierung und Durchführung der Pflege in Deutschland enthält. Das kostet zunächst einmal Geld. Zum ersten Januar steigen die Beiträge zur Pflegereform für Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils um 0,3 Prozent. Das soll 3,6 Milliarden Euro in die Pflegekasse bringen. Die Mittel werden für die ambulante Pflege, für die Heimpflege und für einen neuen Vorsorgefonds verwendet.

Bis 2030 soll sich die Zahl der Pflegefälle in von 2,6 auf 3,5 Millionen Menschen erhöhen. Das belastet auch die Angehörigen. Generell sind es mit zunehmendem Alter insgesamt deutlich mehr, die direkt in die Pflege oder regelmäßige Betreuung von Nahestehenden involviert sind. Ab Mitte 40 besucht und unterstützt mindestens jeder Vierte regelmäßig Pflegebedürftige – in den meisten Fällen vermutlich die eigenen Eltern. Ab Mitte 60 steigt der Wert derer, die im eigenen Haus Angehörige pflegen, auf 27 Prozent – dann wohl überwiegend den eigenen Partner.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Kosten parallel dazu steigen. Deswegen sollen die Beiträge in einem zweiten Schritt per Gesetz noch einmal um 0,2 Prozentpunkte angehoben werden, was 2,4 Milliarden Euro bringt. Statt der drei Pflegestufen soll es dann fünf geben, um besser auf die individuellen Bedürfnisse der Pflegefälle eingehen zu können, wie das Bundesministerium für Gesundheit mitteilt.

Doch mit den Beitragserhöhungen sollen sich auch die Leistungen des Sektors erhöhen. Die Auszahlungen an Betroffen steigen um vier Prozent. Die Zahl der Betreuungskräfte in Pflegeheimen wird von 25.000 auf 45.000 steigen. Die Beschäftigten in Pflegeheimen sollen nach Tariflohn bezahlt und Niedriglöhne damit endlich beseitigt werden. Die Bezahlung nach Tarif darf dabei nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden. Die Krankenhäuser erhalten weiterhin eine Finanzhilfe im Umfang von 500 Millionen Euro.

Haushaltshilfen und ehrenamtliche Pfleger erhalten ein zusätzliches Betreuungsgeld von 104 Euro im Monat, für Demenzkranke gibt es sogar bis zu 208 Euro. Der Zuschuss für medizinisch notwendige Umbauten wird auf 4.000 Euro erhöht. Wer Angehörige selbst pflegt, ist enormen psychischen und finanziellen Belastungen ausgesetzt. Zur Entlastung besteht für sie die Möglichkeit, Tages-, Kurzzeit- und Nachtpflege stärker in Anspruch zu nehmen. Außerdem kann eine Auszeit vom Job für bis zu zehn Tage genommen werden.

Das Einkommen der Angehörigen spielt hierbei eine besondere Rolle: Je geringer das Einkommen, desto eher wird zuhause gepflegt. Bei den Geringverdienenden sind es 21 Prozent, die einen Nahestehenden in den eigenen vier Wänden pflegen, von den Gutverdienenden tun dies lediglich neun Prozent. Zudem ist die Pflege zuhause in ländlichen Regionen mit 18 Prozent stärker verbreitet als in Großstädten mit elf Prozent.

Der Vorsorgefonds soll dafür sorgen, dass die Beiträge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht explodieren. Bis 2035 kommen die geburtenstarken Jahre ins Pflegealter. Ein Drittel der Einnahmen aus der Beitragserhöhung fließen in den neuen Fonds.

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