Wirtschaft

Deutsche wollen mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem

Die Deutschen vertrauen dem Gesundheitssystem, halten es aber für reformbedürftig. Die Mehrheit ist für mehr Wettbewerb bei den Krankenkassen. Besonders wichtig sind einer Umfrage zufolge Innovationen: Nur ein Drittel der Befragten glaubt daran, dass alle Patienten in Zukunft noch mit neuesten Techniken behandelt werden können.

Nur ein Drittel der Bundesbürger glaubt daran, dass auch künftig alle Patienten mit der neuesten Technik behandelt werden können. Schon jetzt entscheidet oft das Budget des Arztes, ob eine Behandlung oder ein bildgebendes Verfahren – wie hier beim MRT – durchgeführt wird. (Foto: Flickr/digital cat)

Nur ein Drittel der Bundesbürger glaubt daran, dass auch künftig alle Patienten mit der neuesten Technik behandelt werden können. Schon jetzt entscheidet oft das Budget des Arztes, ob eine Behandlung oder ein bildgebendes Verfahren – wie hier beim MRT – durchgeführt wird. (Foto: Flickr/digital cat)

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (52 Prozent) ist für mehr Wettbewerb auf allen Ebenen des Gesundheitssystems. Privat Versicherte sehen sogar noch einen größeren Reformbedarf als gesetzlich Versicherte.  Obwohl drei von vier Menschen in Deutschland mit dem Gesundheitssystem zufrieden sind, sehen 90 Prozent einen Reformbedarf. Zwei Drittel der Deutschen glauben daran, dass das Gesundheitssystem auch in Zukunft seinen Aufgaben gewachsen bleibt. Das sind doppelt so viele wie noch 2006. Pessimistisch sind Deutsche im Alter von 25 bis 50 Jahren. Die Skepsis nimmt mit wachsendem Bildungsgrad und mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu.

Viele fürchten um Finanzierbarkeit, Leistungsumfang und Versorgungsqualität. 85 Prozent der Deutschen rechnen damit, dass die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Zukunft steigen werden. Zudem geht mehr als die Hälfte (54 Prozent) davon aus, dass der Leistungsumfang in Zukunft eingeschränkt werden muss, und knapp jeder Zweite fürchtet eine sinkende medizinische Versorgungsqualität (47 Prozent). Hier sind die Menschen auf dem Land deutlich pessimistischer als Menschen in der Großstadt.

Nur jeder dritte Deutsche geht davon aus, dass auch in Zukunft noch alle Patienten nach neuesten medizinischen Erkenntnissen und mit neuesten Techniken behandelt werden können. Dabei ist gerade dies den Menschen besonders wichtig, wie der Meinungspuls der Techniker Krankenkasse zeigt: Zwei Drittel würden sogar höhere Beiträge in Kauf nehmen, um weiter am medizinischen Fortschritt teilhaben zu können. Ambulante Versorgung: Städter zufriedener als Landbevölkerung

Fast jeder Zweite in Deutschland ist zufrieden mit dem Netz an Haus- und Fachärzten, das ihm in seiner Umgebung zur Verfügung steht. Klar erkennbar ist dabei ein Stadt-Land-Gefälle: In größeren Städten und Ballungsräumen ist die Zufriedenheit mit 60 Prozent sehr viel größer als auf dem Land (40 Prozent).

Mit ihrem letzten Arztbesuch waren sieben von zehn Befragten zufrieden. Fast alle Patienten wollen auf Augenhöhe mit ihm reden. Voll und ganz aufgeklärt fühlte sich bei seiner letzten ernsteren medizinischen Behandlung – egal ob beim Arzt oder im Krankenhaus – nur jeder Dritte Patient (36 Prozent). Dabei wollen die Menschen mitentscheiden. „Nur vier von zehn Befragten geben an, dass ihr Arzt als Fachmann ihnen die Entscheidung abnehmen soll – Männer mit 45 Prozent deutlich häufiger als Frauen mit 33 Prozent“, so Güllner.

Die Bereitschaft, sich mit der Absicherung für den Pflegefall zu befassen, steigt mit dem Alter. Von den jungen Erwachsenen hat dies bisher nur jeder Fünfte getan, ab Mitte 60 sind es immerhin 65 Prozent. Selbst in der älteren Generation hat jeder Dritte noch nicht darüber nachgedacht.

Die monatlichen Kosten für einen Pflegeplatz in der höchsten Pflegestufe 3 betragen im Bundesdurchschnitt aktuell 3.300 Euro. Der Pauschalbetrag aus der gesetzlichen Pflegeversicherung für diese Pflegestufe beträgt 1.550 Euro. Weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Gesamtkosten ist gedeckt. Jeder dritte befragte Bundesbürger unterschätzt allerdings die Pflegekosten, gleichzeitig rechnet jeder Vierte mit einem größeren Zuschuss der Pflegekasse.

62 Prozent räumen ein, noch nicht genug für die Vorsorge getan zu haben. Sieben von zehn führen Kostengründe an, für 45 Prozent war die Pflegeabsicherung bislang kein Thema. Vier von zehn vertrauen darauf, dass Angehörige oder Freunde im Pflegefall helfen werden, und drei von zehn gehen davon aus, dass der Staat im Notfall finanziell einspringen wird. Und schließlich leitet viele das Prinzip Hoffnung: 22 Prozent derer, die sich ihrer mangelnden Absicherung bewusst sind, halten es für unwahrscheinlich, ein Pflegefall zu werden. Zu dieser Verdrängungsleistung tendieren Männer mit 25 Prozent etwas häufiger als Frauen (20 Prozent).

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