Forschung

Fit mit 70: Sport im Alter stimuliert geistige Fähigkeit

Hirnforscher untersuchten ältere Erwachsene beim Laufbandtraining. Resultat: Sport steigert die geistige Leistungsfähigkeit durch eine bessere Durchblutung des Gehirns – die Grundvoraussetzung zur Bildung neuer Nervenzellen. Der Effekt lässt jedoch mit zunehmendem Alter nach. Die Ergebnisse bieten die Grundlage zur Erforschung von Therapien gegen Alzheimer.

Senioren, die regelmäßig joggen gehen, können dadurch auch ihre Gedächtnisleistung in Schwung halten. (Foto: Flickr/KOMUnews)

Senioren, die regelmäßig joggen gehen, können dadurch auch ihre Gedächtnisleistung in Schwung halten. (Foto: Flickr/KOMUnews)

Sport im Alter kann die Hirndurchblutung und bestimmte Gedächtnisleistungen verbessern. Das haben Magdeburger Neurowissenschaftler in einer Studie mit Frauen und Männern im Alter zwischen 60 und 77 Jahren herausgefunden. Dabei zeigte sich ein Trend: Bei jüngeren Probanden hatte regelmäßiges Laufbandtraining die Tendenz, die Hirndurchblutung und das visuelle Gedächtnis zu verbessern. Indessen konnten Versuchsteilnehmer, die älter waren als 70 Jahre, von den Laufübungen nicht profitieren.

Die Studie belegt somit auch, dass der Alterungsprozess die Wirkung des Trainings zu begrenzen scheint. Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der Universität Magdeburg und des Leibniz-Instituts für Neurobiologie Magdeburg präsentieren diese Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry. An den Untersuchungen waren zudem Wissenschaftler des Karolinska Instituts in Stockholm sowie des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung beteiligt. Die Studie erschien bereits im Magazin Nature.

Die 40 Probanden waren ihrem Alter entsprechend gesundheitlich unauffällig, zu Beginn der Studie sportlich untrainiert und wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Etwa die Hälfte der Versuchsteilnehmer trainierte für drei Monate regelmäßig auf dem Laufband. Die übrigen Testpersonen absolvierten nur Übungen zur Dehnung und Entspannung der Muskulatur. Bei sieben von neun Mitgliedern der Laufgruppe, die nicht älter waren als 70 Jahre, steigerte das Training nicht nur die körperliche Fitness, es hatte auch die Tendenz, die Durchblutung des Hippocampus zu verbessern – ein für das Gedächtnis wichtiges Hirnareal. Zugleich verbesserte sich das visuelle Erinnerungsvermögen der Versuchsteilnehmer: Bei Studienabschluss fiel es ihnen leichter, sich abstrakte Abbildungen einzuprägen als zu Beginn des Trainingsprogramms. Bei älteren Läufern und den Mitgliedern der Kontrollgruppe blieben diese Effekte weitgehend aus.

Bestandteil der Studie waren umfangreiche Tests der körperlichen Verfassung und des Erinnerungsvermögens. Außerdem wurden die Probanden mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) untersucht. Dieses Verfahren ermöglicht detaillierte Einblicke ins Innere des Gehirns.

Die Auswirkungen von Sport auf den Körper sind umfangreich erforscht, weniger jedoch die Effekte auf die geistige Fitness. Eine Steigerung der Hirndurchblutung durch körperliches Training war bislang nur bei jüngeren Personen empirisch nachgewiesen worden. Die neue Studie belegt, dass sich das alternde Gehirn diese Anpassungsfähigkeit bewahren kann, wenngleich sie mit zunehmendem Alter nachzulassen scheint. Außerdem deuten die Ergebnisse daraufhin, dass Veränderungen des Erinnerungsvermögens, die durch körperliches Training hervorgerufen werden, eng mit Änderungen der Hirndurchblutung zusammenhängen.

„Letztlich geht es uns darum, Maßnahmen zu entwickeln, die einer Demenzerkrankung wie Alzheimer gezielt entgegenwirken. Deshalb möchten wir verstehen, was körperliches Training im Gehirn bewirkt und welche neurobiologischen Mechanismen dabei in Gang gesetzt werden. Erst dann lassen sich Therapien entwickeln, die wirklich wirksam sind“, so Emrah Düzel, Standortsprecher des DZNE in Magdeburg und Direktor des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung der Universität Magdeburg.

Absicht der Forscher ist, dass im Gehirn neue Nervenzellen heranwachsen. Auf diese Weise wollen sie dem für Demenzerkrankungen typischen Absterben von Hirnzellen entgegenwirken. „Das menschliche Gehirn ist wandelbar und entwickelt sich ein Leben lang. Selbst im Gehirn eines Erwachsenen können sich neue Nervenzellen bilden“, so Düzel. „Diese Fähigkeit zur sogenannten Neurogenese möchten wir stimulieren. Noch wissen wir allerdings nicht, ob unsere Trainingsmethode die Neubildung von Nervenzellen fördert. Jedoch wissen wir aus der Grundlagenforschung, dass die Neubildung von Nervenzellen oft mit einer Verbesserung der Hirndurchblutung einhergeht.“

In Magdeburg finden noch andere Versuchsreihen statt, in denen sich Testpersonen auf eine Schnitzeljagd der besonderen Art begeben: Innerhalb einer computergenerierten Landschaft, die auf einer großen Leinwand erscheint, müssen die Probanden versteckte Objekte wiederfinden. Ihre Bewegungen in der virtuellen Welt steuern sie mit Hilfe eines Laufbands. „Diese komplexe Situation beansprucht Motorik und Orientierungssinn“, erläutert Düzel. „Neben den Muskeln ist also auch der Kopf gefordert.“

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