Gesundheit

Thrombose-Gefahr wird häufig übersehen

Die Zahl der Todesfälle durch ein Gefäßverschluss ist höher als bei zahlreichen anderen Krankheiten. Dennoch wissen nur wenige über die Risiken von Thrombose und Lungenembolie bescheid. Internationale und deutsche Fachgesellschaften sehen ernsten Handlungsbedarf und verlangen nach Aufklärung.

Einer aktuellen Umfrage zufolge haben 50 Prozent der Befragten den Begriff Lungenembolie noch nie gehört. (Foto: Flickr/Thomas Kohler)

Einer aktuellen Umfrage zufolge haben 50 Prozent der Befragten den Begriff Lungenembolie noch nie gehört. (Foto: Flickr/Thomas Kohler)

Das Wissen um die Thrombose (verstopftes Blutgefäß) und die Lungenembolie, eine der gefährlichsten Folgekomplikationen der Thrombose, ist in der Bevölkerung extrem niedrig: Einer aktuellen Umfrage zufolge haben 50 Prozent der Befragten den Begriff Lungenembolie noch nie gehört. Doch allein in Deutschland sterben jährlich rund 100.000 Menschen an einem Gefäßverschluss aufgrund von thrombotischen Erkrankungen, medizinisch als venöse Thromboembolie (VTE) bezeichnet. Europaweit sind es über 500.000 – mehr als durch Verkehrsunfälle, AIDS, Brust- und Prostatakrebs zusammen.

Bei einer Thrombose bildet sich in einem gesunden oder vorgeschädigten Blutgefäß – meist einer Vene – ein Blutgerinnsel (Thrombus), welches das Gefäß verengt oder verstopft. Thrombosen treten manchmal als gut sicht- und tastbare, aber auch schmerzhafte Venenentzündungen auf. Sitzen sie tiefer im Körper, spricht man von einer tiefen Bein- oder Beckenthrombose. Noch gefürchteter als die venöse Thrombose selbst, sind ihre möglichen Komplikationen. Wird ein Thrombus mit dem Blutstrom in weitere Körperbereiche fortgeschwemmt, besteht die Gefahr, dass er die Blutgefäße in der Lunge blockiert. Dieses Ereignis, von den Auswirkungen mit einem Herzinfarkt vergleichbar, wird auch Lungenembolie genannt und verläuft häufig tödlich.

Eine venöse Thromboembolie ist nicht nur ein persönliches Schicksal – auch für die weltweiten Gesundheitssysteme hat die Erkrankung erhebliche Auswirkungen. So liegen beispielsweise die Behandlungskosten der durch tiefe Beinvenenthrombosen verursachten Lungenembolien europaweit bei rund drei Milliarden Euro im Jahr.

Völlig unvorbereitet traf das Schicksal Thrombose die bekannte Sängerin, Schauspielerin und Autorin Nina Omilian. Müdigkeit, Rückenschmerzen, ein Gefühl von Steifheit: diffus und schleichend begannen die Beschwerden der Sängerin Nina Omilian im Oktober 2013. Über Wochen wurden die Schmerzen immer stärker, bis sie sich schließlich in der Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses vorstellte. Die Diagnose wurde in der Computertomographie gestellt: eine Thrombose der Vena cava, der unteren Hohlvene, die durch ein großes Blutgerinnsel komplett verschlossen war. „Die Diagnose ,Gerinnsel in der Hohlvene‘ nahm ich zunächst ohne großen Schock hin. Ich war völlig sicher, dass ein Irrtum vorlag. Ich bin jung, ich reite gerne und treibe viel Sport – ich war so gar kein Thrombosekandidat“, so die 38-Jährige. „Die venöse Thromboembolie zählt zu den häufigsten und potenziell tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann jeden treffen, in jedem Alter, zu jeder Zeit,“ schlägt Bauersachs daher anlässlich des ersten Welt-Thrombose-Tages Alarm. Doch trotz des bedrohlichen Risikos sind das Bewusstsein und das Wissen um die Erkrankung in der Gesellschaft gering.

„Der Welt-Thrombose-Tag soll Öffentlichkeit, Ärzte und Entscheidungsträger im Gesundheitssystem über die Erkrankung, ihre Entstehung, die Risikofaktoren, die Symptome und Vorbeugungsmaßnahmen informieren“, sagt Venenspezialistin Jutta Schimmelpfennig, Burgebrach/Bamberg, Mitglied der DGP. „Die Menschen sollen die Risikofaktoren und die Symptome kennen, um im Notfall sofort ärztliche Hilfe zu suchen“, ergänzt Robert Klamroth, Berlin, Sprecher der Kommission Hämophilie der GTH. Der erste Welt-Thrombose-Tag soll auch darüber informieren, dass Thrombosen und eine Lungenembolie durch moderne Diagnose- und Vorbeugungsmaßnahmen frühzeitig erkannt, behandelt und verhindert werden können. „Die Krankheitshäufigkeit und die Sterblichkeit durch VTE könnten erheblich reduziert werden. Gezielte Aufklärung und Thromboseprophylaxe sind daher die wichtigsten Maßnahmen, um die Patientensicherheit zu verbessern. Als Fachgesellschaften sehen wir uns in der Verantwortung, durch den Dialog zum Thema langfristig zu einer Reduktion künftiger Erkrankungen beizutragen“, erklärt abschließend Bauersachs.

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