Gesundheitsmarkt

Deutsche würden innovative Gesundheits-Angebote privat bezahlen

Neue Gesundheits-Angebote von branchenfremden Unternehmen finden großen Anklang bei der Bevölkerung. Die Post hat einen Service, bei dem der Briefträger bei älteren Menschen einmal täglich nach dem Rechten sieht. Fast die Hälfte aller Bürger würden für solche Dienstleistungen privat bezahlen.

Viele Bürger wollen für Routine-Untersuchungen nicht mehr unbedingt in die Praxis kommen. (Foto: Flickr/heipei)

Viele Bürger wollen für Routine-Untersuchungen nicht mehr unbedingt in die Praxis kommen. (Foto: Flickr/heipei)

Viele Bundesbürger wären bereit, für innovative Gesundheitsleistungen branchenfremder Unternehmen Geld auszugeben. Dabei geht es nicht nur um die Smartwatch, die den Puls misst oder die Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel bestimmen kann. Voraussetzung ist, dass die Qualität stimmt, ergibt die Studie „Healthcare & Pharma New Entrants“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Dazu wurden 1.000 Erwachsene befragt.

„Fast jeder zweite Deutsche ist offen für die Angebote der neuen Marktteilnehmer“, sagt Michael Burkhart, Leiter Gesundheitswesen und Pharma bei PwC. „Die einzige Voraussetzung: gleiche Qualität.“ Folglich werde der so genannte zweite Gesundheitsmarkt – also alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die Gesundheit – von den Verbrauchern bereits überwiegend angenommen.

Als besonders interessant bewerten die Befragten Angebote, die besseren Schutz im Notfall bieten: Das E-Call-System im Auto, das nach einem Unfall automatisch den Rettungswagen ruft, belegt Platz eins unter den Produkten und Dienstleistungen, die zur Auswahl standen. 87 Prozent halten diese technische Innovation für „eher sinnvoll“ oder sogar „sehr sinnvoll“. An zweiter Stelle rangiert mit einer Akzeptanz von 74 Prozent die „Post persönlich“: Der Briefträger sieht dabei auf Wunsch bei älteren Menschen einmal täglich nach dem Rechten. Präventive Lösungen hingegen, wie zum Beispiel eine App, die die Hörfähigkeit testet, finden wenig Anklang.

43 Prozent der Bundesbürger sind bereit, medizinische Dienste und Produkte aus eigener Tasche zu bezahlen, wenn sie damit gesundheitlichen Leistungen schneller und unkomplizierter in Anspruch nehmen könnten. So halten 67 Prozent der Befragten eine App für attraktiv, mit der man einen Termin in einer Praxis buchen kann, um Wartezeiten zu vermeiden.

Auch würden viele befürworten, wenn Impfungen, Gesundheitschecks oder einfache Behandlungen – beispielsweise ein Vereisungsspray gegen Warzen aufzutragen – auch außerhalb von Arztpraxen möglich wären. 88 Prozent würden das am liebsten zu Hause in Anspruch nehmen. Auch Sanitätshäuser wären für 83 Prozent als Anlaufpunkt denkbar. Drogerien und Fitness-Studios kommen dagegen nur für etwa die Hälfte der Befragten in Betracht. Für mehr als 80 Prozent kommt nicht in Frage, für Gesundheitsleistungen Einkaufszentren, Supermärkte oder Friseursalons aufzusuchen.

Den eigenen Gesundheitszustand kontrollieren zu können, nennen viele ebenfalls als Grund, sich neue Produkte anzuschaffen: Ein Armband, das Vitalwerte misst, spricht 71 Prozent der Befragten an. Dennoch belegen Produkte wie die Kontaktlinse für Diabetiker, die den Blutzucker anzeigt (51 Prozent), oder das iPhone mit Zusatzgerät zum Blutdruckmessen (37 Prozent) im Ranking nur mittlere Plätze.

„Interessant ist vor allem, dass die Kosten bei solchen Überlegungen nicht im Vordergrund stehen“, sagt Michael Burkhart. „Die wenigsten der Befragten sind an solchen Angeboten interessiert, um Geld zu sparen, sondern beurteilen neue Produkte vor allem nach dem persönlichen Nutzen.“ Immerhin 41 Prozent sehen diesen Nutzen zum Beispiel in einer Onlinesprechstunde beim Hausarzt. Im Gegenzug müssen aber die Hersteller von Drohnen, die als Kurierdienst für Medikamente eingesetzt werden sollen, laut der PwC-Studie noch werben: 63 Prozent der Befragten halten diese Form von Lieferservice für sinnlos.

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