Kosten

Hilferuf der Universitätskliniken: Hochschulmedizinische Leistung wird nicht honoriert

Zwei Drittel der Unikliniken erwarten 2014 ein Minus. Schuld seien die Krankenkassen und ein enormer Investitionsstau

Die Deutsche Hochschulmedizin hat eine Aktionswoche gegen das wachsende Ungleichgewicht von Spitzenleistungen und immer schlechterer Vergütung gestartet. Unter dem Motto„Wir leisten mehr: Die Deutsche Hochschulmedizin“ wollen die Unimediziner kurz vor dem Endspurt der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform Politik und Öffentlichkeit auf die besondere Bedeutung der Uniklinika und Fakultäten hinweisen. Gleichzeitig soll auf die dramatische finanzielle Situation vieler hochschulmedizinischer Einrichtungen aufmerksam gemacht werden.

Die Entwicklung zeigt das Finanzierungsproblem der Hochschulkliniken. (Grafik: uniklinika.de)

Die Entwicklung zeigt das Finanzierungsproblem der Hochschulkliniken. (Grafik: uniklinika.de)

Demnach sind die Zahlen alarmierend: Das Gesamtdefizit für die Jahre 2012 und 2013 liegt bei über einer Viertelmilliarde Euro. Für das Jahr 2014 erwarten 61 Prozent der Uniklinika (19 Häuser) ein Defizit. Nur noch fünf Häuser rechnen mit einem positiven Jahresergebnis.

Dafür haben die Kliniken drei Hauptursachen ausgemacht: sSteigende Kosten für Personal, Medikamente und Energie, rückläufige Investitionszuschüsse der meisten Länder
und unzureichende Kompensation für die Mehrleistung der Unikliniken.

Unzureichende Finanzierung ist allerdings kein alleiniges Problem der Unikliniken: Fast alle Krankenhäuser leiden unter Finanzierungproblemen. Doch die Unimediziner seien von den strukturellen Defiziten besonders betroffen, weil sie mehr leisten müssten als ein normales Krankenhaus, so die Argumentation.

Die Universitätsmedizin ist zuständig für die Medizinerausbildung, internationale Forschung und die Versorgung komplexer Erkrankungen. Zusätzlich stellen Hochschulambulanzen vielerorts die ambulante Krankenversorgung sicher, obwohl sie gesetzlich nur zur Behandlung von Patienten im Rahmen von Forschung und Lehre verantwortlich sind. Hinzu kommen die ärztliche Weiterbildung, 24/7-Notfallversorgung und die Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen.

Der Verband der Universitätsklinika kritisiert: Alle diese Leistungen werden in der Regel nicht ausreichend vergütet.

Fällig wäre demnach eines Systemzuschlag, der als eigenständige Finanzierungssäule die Leistungen der Universitätsmedizin in besonderer Weise gewichtet. Die Politik hingegen wolle über die vier Einzelthemen Hochschulambulanzen, Extremkosten, Notfallversorgung und Zentrenzuschläge die Finanzierung der Hochschulmedizin sichern.

Der Verband der Universitätsklinika und der Medizinische Fakultätentag (MFT) betonen daher, sich bei der Ausgestaltung von Einzellösungen aktiv einbringen zu wollen. „Egal, ob Systemzuschlag oder Veränderungen im Detail: Jede Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie geeignet ist, die Finanzierung der Hochschulmedizin langfristig zu sichern.“, so der Verband in einer Mitteilung zum Start der Aktionswoche.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *