Ernährung

Keine Zeit: Deutschland verzichtet auf Frühstück

Im europäischen Vergleich verzichten die Deutschen am meisten auf ihr Frühstück. Der Grund: Zeitmangel. Nur 41 Prozent aller Familien mit Kindern legen Wert auf ein gemeinsames Frühstück unter der Woche. Ernährungsexperten verweisen auf fehlende Energie für den Tag und den Verlust der sozialen Komponente.

Für das Frühstück sollte man Zeit einplanen. (Foto: Flickr/Niels Heidenreich)

Für das Frühstück sollte man Zeit einplanen. (Foto: Flickr/Niels Heidenreich)

In Deutschland leben im europäischen Vergleich die meisten Frühstücksmuffel: 6 Prozent der Bevölkerung hierzulande frühstücken nicht. 11 Prozent der Befragten nehmen lediglich ein Getränk zu sich. Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Befragung des Marktforschungsinstituts metrix LAB im Auftrag von Nestlé. Für jeden Dritten sind es zeitliche Gründe, auf ein Frühstück zu verzichten. Im Gegensatz zu anderen Ländern würden die Befragten in Deutschland durchaus frühstücken, wenn sie nicht der Zeitmangel daran hindern würde.

Die Studie eruierte bereits 2011 den zeitlichen Engpass am Morgen: Demnach frühstücken nur 41 Prozent der Befragten mit Kindern im Haushalt unter der Woche gemeinsam. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Frühstück allgemein und das gemeinsame Essen im Besonderen immer mehr in den Hintergrund rücken. Damit fehlt die Grundlage für den Tagesablauf bezogen auf die Leistungsfähigkeit und die soziale Komponente“, kommentiert der Ernährungspsychologe Christoph Klotter.

43 Prozent der Befragten frühstücken, um Energie zu tanken sowie Kraft zu sammeln, und 25 Prozent legen Wert darauf, dass es gesund ist. 40 Prozent betonen den leckeren Geschmack eines Frühstücks und 20 Prozent frühstücken aus Genuss. „Um bei Frühstücksmuffeln die Akzeptanz für die morgendliche Mahlzeit zu steigern, sind Frühstücksangebote notwendig, welche diese Ansprüche erfüllen“, sagte Klotter. „Der Geschmack ist besonders wichtig. Bei Kindern überwiegt dieser Aspekt mehr als bei Erwachsenen. Denn Kinder können Faktoren wie Wohlbefinden und Gesundheit noch nicht vollumfänglich nachvollziehen“, so Klotter.

In Deutschland wird jedes fünfte Kind (22 Prozent) ohne Pausensnack in die Schule beziehungsweise den Kindergarten geschickt. Davon frühstücken 14 Prozent der Kinder ausschließlich zu Hause oder bekommen maximal Geld für den Schulkiosk oder für den Bäcker mit. Bei den übrigen 8 Prozent wird die Zwischenmahlzeit gegen einen monatlichen Geldbetrag in die Hände der Schule oder des Kindergartens gegeben, so eine Befragung der Central Krankenversicherung, die von forsa durchgeführt wurde.

Erfreulich ist, dass für Eltern, die ihren Kindern eine Frühstücksbox mit in den Kindergarten oder die Schule geben, Obst (79 Prozent) und Gemüse (52 Prozent) üblicherweise neben dem Butterbrot dazugehören. Allerdings isst überhaupt nur jedes dritte Kind seinen Pausensnack auf. So bringen 50 Prozent der Kinder häufig das Frühstücksbrot und jeweils 20 Prozent das mitgenommene Obst oder Gemüse wieder zurück. „Dafür gibt es sicher viele Gründe. Aber wir beobachten immer mehr Schulen mit einem umfangreich bestückten Kiosk, der den Pausensnackbedarf der Kinder abdeckt. Leider sind diese Angebote häufig nicht das, was man unter einer gesunden, kindgerechten Ernährung versteht. Hier sind aus unserer Sicht die Länder gefordert, ein ausgewogenes Angebot durch die Schulen einzufordern. Es sollte nicht sein, dass den Kindern im Unterricht Inhalte zur gesunden Ernährung vermittelt werden und beim Verlassen des Klassenzimmers das Gegenteil durch die Schulkioske angeboten wird“, sagt Heinz Teuscher, Vorstandsvorsitzender der Central Krankenversicherung.

Am größten ist die Vielfalt, die Kinder in Ostdeutschland in ihrer Frühstücksbox finden. Eltern geben hier nicht nur am häufigsten Obst oder Gemüse mit, sondern sorgen auch mit Joghurt, einem Ei oder Nüssen für Abwechslung. Diese Lebensmittel kommen sogar doppelt so häufig mit in die Frühstücksbox wie bei Kindern im Westen der Republik.

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