Wirtschaft

Arzneimittelkommission kritisiert Preispolitik der Pharmafirmen

Pharmafirmen umgehen die Neubewertung der Arzneimittel, indem sie die Preise für neue Produkte im ersten Jahr höher ansetzen. Setzt die Preisbewertung schließlich ein, haben sich Entwicklungs- und Investitionskosten meist schon amortisiert. Die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft kritisiert diese Vorgehensweise.

Wie kommt der Preis von Medikamenten zustande? (Foto: Flickr/ psyberartist)

Wie kommt der Preis von Medikamenten zustande? (Foto: Flickr/ psyberartist)

Die von der Pharmaindustrie festgesetzten Arzneimittelpreise seien zu hoch, kritisiert der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig. Das gelte insbesondere im ersten Jahr nach der Zulassung eines neuen Medikamentes. In der Zeit können Pharmakonzerne Preise noch festlegen. Die vom GKV-Spitzenverband und den Herstellern im Rahmen des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) ausgehandelten Erstattungsbeiträge greifen erst ab dem zweiten Jahr.

Das deutlichste Beispiel für überzogene Preise lieferte die Firma Gilead. Für das Hepatitis-C Medikament Sovaldi verlangte das Unternehmen 700 Euro pro Tablette. „Dem Unternehmen geht es offensichtlich auch darum, möglichst viel Geld mit einer unseriösen Preispolitik aus unserem Sozialversicherungssystem herauszupressen“, kritisierte Ludwig in einem Bericht des Ärzteblattes. Ludwig geht davon aus, dass Gilead auf diese Weise im ersten Halbjahr über sechs Milliarden Dollar Umsatz erzielt habe. Die Entwicklung des Medikamentes habe 200 Millionen Dollar gekostet. Für die Firma, die den Wirkstoff entwickelt, gab Gilead elf Milliarden Dollar aus.

Nach der Rechnung hätte sich die Investition bereits zum Jahresende amortisiert. Im kommenden Jahr schließlich würde der korrigierte Marktpreis etwas niedriger ausfallen, dafür aber zu hundert Prozent zum Gewinn von Gilead beitragen.

Die AkdÄ hat Stellungnahmen zu 15 neuen Arzneimitteln abgegeben. Eine Bewertung sei nur unter großem zeitlichem Aufwand möglich, da die Arbeit der Arzneimittelkommission ehrenamtlich erfolgt. Die Transparenz der Preisgestaltung durch die Pharmakonzerne lässt zu wünschen übrig. Auch in der Arzneimittelkommission kann es zu Interessenkonflikten kommen, weil einige Mitglieder auch für Pharmaunternehmen tätig sind. Daher werden alle Honorare der Mitglieder offengelegt. Unsere Entscheidung, Interessenkonflikte und Honorare offenzulegen, halten wir für sehr wichtig“, erklärte Ludwig. Transparenz sei unverzichtbar für das Vertrauen der Patienten und die Seriosität medizinischer Informationen.

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