Krankenversicherung

Hälfte der privaten Versicherer erhöht Preise zum Januar 2015

Bei 22 Versicherungen müssen sich Neukunden auf erhöhten Preise einstellen. Aber auch Bestandskunden sind betroffen. Die privaten Krankenversicherer erhöhen nacheinander im Zeitraum von 5 Monaten die Preise. So soll die Wechselbereitschaft der Kunden eingeschränkt werden.

Höhere Ausgaben haben höhere Beiträge zur Folge. (Grafik: 1A Verbraucherzentrale)

Höhere Ausgaben haben höhere Beiträge zur Folge. (Grafik: 1A Verbraucherzentrale)

Regelmäßig zum Jahreswechsel bekommen viele der insgesamt fast neun Millionen Privatversicherten Post über Beitragsanpassungen ihrer privaten Krankenversicherung (PKV). Die „Hochkonjunktur“ der Beitragsanpassungen hat gerade erst begonnen. Erhöhungen sind bislang vor allem für Neukunden, vereinzelt auch für Bestandskunden bekannt. Der Zeitrahmen, wann Anpassungen in Kraft treten, zieht sich von Januar bis Mai 2015, berichtet das Verbraucherportal 1A.

Zum klassischen Zeitpunkt am 1. Januar hat für 2015 bereits gut die Hälfte der privaten Krankenversicherungen höhere Beiträge in einigen Tarifen angekündigt, allerdings überwiegend für Neukunden. Das betrifft Tarife des Münchener Verein, Deutschen Ring, der Central, Arag, uniVersa, Signal, Barmenia, Allianz, Nürnberger, Continentale, Inter, LKH, LVM, Württembergische, Bayerischen Beamtenkrankenkasse, Mecklenburgischen, Provinzial und der UKV. Geplant, aber formal noch ungenehmigt sind Beitragsanpassungen der Axa, Gothaer, R+V und der Halleschen. In anderen Tarifen sind zudem Beitragssenkungen zu erwarten sowie teilweise stabile Beiträge bis Dezember 2015. Insgesamt bewegen sich die Beitragsanpassungen für Neukunden durchschnittlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich, wobei es jedoch Ausreißer sowohl nach oben als auch nach unten von knapp 30 Prozent gibt. Die HanseMerkur ist bislang das einzige Unternehmen, das Beiträge ausschließlich nach unten korrigiert.

Bestandskunden müssen bei der Continentale, der Barmenia, der Axa, der Süddeutschen und der Allianz mit steigenden Beiträgen rechnen. Allerdings sind auch hier nur bestimmte Tarife und Altersgruppen betroffen. Beitragssenkungen und -garantien gibt es ebenfalls. Offen ist allerdings, wie stark die Preisanpassungen ausfallen. Erfahrungsgemäß werden noch bis Mitte Dezember vereinzelt weitere private Krankenversicherungen Beitragsanpassungen bekannt geben. Eine weitere Welle der Beitragsanpassungen folgt dann voraussichtlich ab März 2015.

Die meisten Kunden haben bei der Beitragserhöhung aufgrund des Sonderkündigungsrechts den Impuls, einen neuen Versicherer zu suchen. Doch gerade langjährig Versicherte und Ältere sollten zuerst einen anderen Schritt prüfen, wie Albert Gottelt, Chefredakteur des 1A Verbraucherportal, ausführt: „Der interne Tarifwechsel bei der eigenen Versicherung ist am besten geeignet, Beiträge ohne Leitungseinbußen zu senken und bereits erworbene Rechte wie Gesundheitszustand und Alterungsrückstellungen beizubehalten.“

Albert Gottelt weiter: „Während noch bis vor ein paar Jahren überwiegend zum 1. Januar die Anpassungen erfolgten und dementsprechend die große Wechselwelle im Oktober und November davor stattfand, hat sich diese Situation seit rund zwei bis drei Jahren etwas verändert. Wir beobachten, dass die privaten Krankenversicherungen die Beitragserhöhungen immer häufiger über mehrere Monate verteilen, meist von Januar bis April/Mai.“ Einige Tarife und Berufsgruppen erhalten die Beitragsanpassungen eher als andere und somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das entzerrt die Wechselaktivität seitens der Kunden und erreicht in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die Aufmerksamkeit wie ein Zeitpunkt für alle Versicherten. Dies dürfte Kalkül seitens der Versicherungen sein, denn der Fokus auf einen Zeitpunkt hatte in der Vergangenheit oft zu Kritik an immer weiter steigenden Beiträgen, negativer Berichterstattung und schließlich zu unzufriedenen Kunden und weniger Neuzugängen geführt.

Andererseits sind die privaten Krankenversicherungen in den letzten zwei Jahren, seit Einführung der Unisex-Tarife Ende 2012, mit geringeren Beitragssteigerungen ausgekommen. Ein wichtiger Grund ist, dass die neuen Tarife von Beginn an vergleichsweise hochpreisig kalkuliert, aber auch mit Leistungsverbesserungen ausgestattet wurden. Eine weitere begrüßenswerte Entwicklung laut Gottelt: „Extrem günstige Tarife, die mit abgespeckten Leistungen zuerst neue Kunden locken sollten, dann aber verstärkt von Preissteigerungen betroffen waren, haben viele Versicherungen aus ihrem Portfolio gestrichen.“
Infografik Beitragsanpassung-Beitragserhöhung PKV - komplett

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *