Gesundheitssystem

Gesundheitswesen: Zum Jahreswechsel wird vieles teurer

Höhere Versicherungsbeiträge, Wegfall der Prämien, elektronische Gesundheitskarte. Zahlreiche Änderungen und neue Gesetze treten per Januar in Kraft. Für die meisten Versicherten wird es teurer. Das Elterngeld wird erweitert und Krankenhäuser besser ausgestattet.

Bundesgesundheitsminister Gröhe hat im vergangenen halben Jahre zahlreiche Reformen auf den Weg gebracht. (Foto: Flickr/ Michael Panse)

Bundesgesundheitsminister Gröhe hat im vergangenen halben Jahre zahlreiche Reformen auf den Weg gebracht. (Foto: Flickr/ Michael Panse)

Das Gesundheitswesen ist auch zum Jahreswechsel zahlreichen Veränderungen und Reformen unterworfen. Millionen Versicherte müssen sich auf Neuerungen einstellen. Die umfassendste Änderung gibt es bei den Versicherungsbeiträgen. Für gut 50 Millionen zahlende Kassenversicherte wird es Zusatzbeiträge geben. Zum 1.1.2015 sinkt zwar der einheitliche Beitragssatz für Kassenversicherte von 15,5 auf 14,6 Prozent. Doch diesen können und werden die Krankenkassen durch individuelle prozentuale Zusatzbeiträge aufstocken. Wie hoch die Zusatzbeiträge der rund 130 Kassen sein werden, ist noch abzuwarten. Erst vereinzelt haben Krankenkassen Zusatzbeiträge zwischen 0,3 und 0,9 Prozent bekannt gegeben. Das Gros der Kassen wird erst in der zweiten Dezemberhälfte die Sätze für 2015 veröffentlichen.

Der pauschale einkommensunabhängige Zusatzbeitrag entfällt. Unterm Strich wird die Neuregelung im Vergleich zu 2014 für viele Versicherte eine kurzfristige Preissenkung bedeuten, berichtet das Verbraucherportal 1A.

Es gibt auch neue Krankenkassenbeiträge für Studenten: Bisher haben Studenten – sofern sie aufgrund des Alters oder des Einkommens nicht familienversichert waren – einen festen Kassenbeitrag bezahlt. Dieser sinkt 2015 analog zum allgemeinen Beitragssatz leicht. Doch die Ersparnis wird durch Zusatzbeiträge je nach Kasse ganz oder teilweise aufgebraucht.

Der bisherige bürokratische Sozialausgleich, der bis Ende 2014 Geringverdiener vor zu hohen pauschalen Zusatzbeiträgen schützen sollte, entfällt zum 1. Januar. Über die neue einkommensabhängige Gestaltung der Zusatzbeiträge sollen Personen automatisch geringer belastet werden.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Krankenkassen so gut gewirtschaftet, dass sie Prämien an die Versicherten ausschütten konnten, quasi als Pendent zum pauschalen Zusatzbeitrag. Mit dessen Abschaffung wird es auch keine pauschalen Prämien mehr ab 2015 geben, selbst wenn die Kassen gut wirtschaften.

Auch die Pflegeversicherung wird teurer: Um 0,3 Prozentpunkte steigt der Beitragssatz 2015 auf 2,35 Prozent (Kinderlose 2,6 Prozent) des versicherungspflichtigen Einkommens. Bis Ende 2017 ist nochmal eine Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte vorgesehen.

Der Einführung eines Pflegevorsorgefonds soll es möglich machen, Rücklagen für später anzusparen, wenn durch die demografische Entwicklung mehr Pflegebedürftige in Deutschland leben. Gespeist wird der Fonds aus Versichertenbeiträgen.

Durch die Pflegereform werden die Sätze für Pflegegeld erhöht, Pflegebedürftige erhalten höhere Zuwendungen für Sachleistungen und für Pflegehilfsmittel sowie für den barrierefreien Umbau von Wohnraum. Angestellte erhalten einen Anspruch auf eine bezahlte, sozialversicherte Freistellung von der Arbeit für die Dauer von bis zu 10 Tagen zur Pflege von Angehörigen. Das soll eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und eine Stärkung der kostengünstigen häuslichen Pflege gegenüber der teuren stationären Pflege bringen.

Ab 2015 gilt nur noch die elektronische Gesundheitskarte bei einem Arztbesuch. Die bisherige Übergangszeit, in der neben der neuen „eGK“ auch die alte Versichertenkarte galt, ist dann vorbei.

Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze führt für Besserverdienende zu höheren Beitragszahlungen sowie zu einem erschwerten Wechsel in die private Krankenversicherung

Krankenhäuser sollen eine bessere Ausstattung erhalten. Im Zuge der Krankenhausreform soll ab 2015 mehr Geld für Krankenhäuser fließen, damit die Ausstattung verbessert und Krankenhauspersonal aufgestockt und entlastet werden kann. Zudem wird ab Juli 2015 wird ein „Institut zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“ aufgebaut. Dies soll die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessern.

Eltern können ab 2015 länger Elterngeld beziehen, wenn Mutter und Vater mindestens vier Monate gleichzeitig Teilzeit arbeiten. Das „Elterngeld Plus“ soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken und Vätern bessere Möglichkeiten geben, sich an der Erziehung des Nachwuchses zu beteiligen. Die Regelungen gelten für Geburten ab dem 1. Juli 2015.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wird teurer. Durch das Lebensversicherungsreformgesetz sinkt ab Januar der Höchstrechnungszins, was einige Versicherungen, wie die BU, voraussichtlich etwas verteuert. Außerdem wird es schwieriger, eine BU zu bekommen. Versicherte sollten sich noch 2014 mit dem Thema auseinandersetzen.

Krankenkassen müssen Geburtshelferinnen, die nur wenige Geburten begleiten, finanziell stärker unterstützen. Damit wird sichergestellt, dass diese durch die Beiträge zur Berufshaftpflicht nicht überfordert werden. Die bisherige Übergangsregelung wird zum 1.7.2015 durch einen dauerhaften „Sicherstellungszuschlag“ ersetzt.

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