Ernährung

Ernährungsumstellung: Olivenöl kann Herzgesundheit verbessern

Der Verzehr von Olivenöl verbessert die Herzgesundheit drastisch – besonders bei Menschen, die normalerweise nicht nach der Mittelmeerdiät leben. Die neuartige Proteomanalyse eröffnet wertvolle Möglichkeiten der Lebensmitteltestung. Mit der Analyse steigt der Anreiz, seine Ernährung umzustellen und messbare Erfolge zu erzielen.

Wer bisher noch kein Olivenöl zu sich genommen hat, könnte von einer Ernährungsumstellung profitieren. (Foto: Flickr/ France Bon Appétit)

Wer bisher noch kein Olivenöl zu sich genommen hat, könnte von einer Ernährungsumstellung profitieren. (Foto: Flickr/ France Bon Appétit)

Olivenöl verbessert die Herzgesundheit. Wissenschaftler der Universitäten Glasgow und Lissabon sowie des deutschen Unternehmens Mosaiques Diagnostics haben in einer gemeinsamen Studie den Effekt von Olivenöl, Basis der sogenannten Mittelmeerdiät, auf die Herzgesundheit von Nicht-Konsumenten erforscht.

Die Studie, publiziert im American Journal of Clinical Nutrition, wurde veranlasst, um den Effekt von Phenolen (natürliche Bestandteile in Pflanzen wie Oliven) auf die Herzgesundheit zu untersuchen. Laut US-amerikanischer Lebensmittelbehörde FDA und der Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA sind Phenole nebst einfach ungesättigten Fettsäuren verantwortlich für den zellschützenden Effekt von Olivenöl.

Die Wissenschaftler untersuchten 63 gesunde Studienteilnehmer, die in zwei Gruppen unterteilt und gebeten wurden, sechs Wochen lang Olivenöl (20 Milliliter pro Tag, entweder reich oder nicht reich an Phenolen) zu konsumieren. Ein spezielles Merkmal der Studie war die Zielgruppe: Gesunde Individuen, die nicht regelmäßig Olivenöl zu sich nehmen. Das Forschungsteam wendete eine neue Technologie für die Diagnostik an, um die Wirkung der Ölbestandteile auf die Gesundheit zu studieren: Urinproben wurden auf eine Reihe von Peptiden, die kürzere Aminosäureketten haben als Proteine, untersucht. Diese Peptide waren bereits als Biomarker für Krankheiten wie Koronare Herzkrankheit (CAD), Chronische Nierenkrankheit (CKD) und Diabetes identifiziert.

Diese spezielle Herangehensweise, in der Forschung Proteomics genannt, besteht in der Identifikation von bestimmten veränderten Proteinmustern, die auf eine frühe Manifestierung von Krankheiten aufmerksam machen, lange bevor Symptome auftauchen. Die Ergebnisse der Studie zeigten in beiden Gruppen eine Verbesserung der Scores (Messwerte) für die Koronare Herzkrankheit, welche bei den Herzerkrankungen die häufigste Form ist. Die Urin-Proteom-Analyse, zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten weist in diesem Fall einem Score von 1 – der schlimmste Fall von Koronarer Herzkrankheit – bis minus 1, gesunde Arterien, auf. Studienteilnehmer, die das Olivenöl mit wenigen Phenolen zu sich genommen hatten, verzeichneten einen Rückgang des CAD-Scores von minus 0.5 bis minus 0.8, während in der Gruppe mit dem hohen Anteil an Phenolen ein Rückgang von minus 0.6 bis minus 0.8. gemessen wurde.

„Wir fanden heraus, dass ungeachtet des Bestandteils an Phenolen ein positiver Effekt bei den Messwerten für Koronare Herzkrankheit nachgewiesen werden konnte. In der Studienpopulation schien jede Art von Olivenöl, ob veredelt oder nicht, einen großen Nutzen zu haben. Die Fettsäuren sind möglicherweise die Hauptbeitragenden des beobachteten Effekts“, sagte Emilie Combet von der Medizinischen Fakultät der Universität Glasgow. „Unsere Studie war eine Ergänzungsstudie. Wenn die Menschen in Nordeuropa und den USA ihr Fett teilweise durch Olivenöl ersetzen würden, könnte das einen sogar noch größeren Effekt auf die Reduzierung des Risikos für eine Herzerkrankung haben als der gemessene. Die Proteomstrategie ist sehr wirkungsvoll, wenn es um gesundheitliche Veränderungen im Körper geht, lange bevor Symptome auftauchen. Wir setzen unsere Zusammenarbeit mit der Universität Lissabon fort, um die Studien auszubauen. Die Kooperation mit Portugal ist von unschätzbarem Wert.“

Bill Mullen vom Institut für kardiovaskuläre und medizinische Wissenschaft der Universität Glasgow sagte: „Wenn wir die frühen Fingerabdrücke von Krankheiten identifizieren können, bevor diese sich festsetzen können, sind wir auch in der Lage sie zu behandeln, bevor sie kostenverursachende medizinische Eingriffe notwendig machen.“ Des Weiteren hob Mullen hervor: „Es ist das erste Mal, dass diese Technologie auf eine die Ernährung betreffende Fragestellung angewandt wurde, um der Frage auf den Grund zu gehen, welche Nahrungsbestandteile wirklich der Gesundheit nützen.“ Tragfähige Beweise dafür zu liefern, dass jemand seine Ernährung ändern und damit einen messbaren Effekt auf seine Gesundheit produzieren kann, sei in der Vergangenheit ziemlich schwer gewesen. Keiner der hergebrachten Marker für die Koronare Herzkrankheit habe sich in der Studie verändert. Das sei ein Grund, warum es bisher so schwer war, Menschen dafür zu gewinnen, ihre Ernährungsweise zu ändern: Sie sahen keinen Effekt. „Wir konnten nun zum ersten Mal zeigen, wie die Urin-Proteom-Analyse erfolgreich eingesetzt werden kann, um einen gesundheitlichen Effekt der Ernährung in einer kleinen Studienpopulation bereits nach sechs Wochen zu messen. Wir meinen, dass Proteome gesundheitliche Verbesserungen durch eine Veränderung der Ernährungsweise abschätzen können und damit ein Ansporn für Menschen sein können, ihren Lebensstil zu ändern. Proteome stellen außerdem eine Möglichkeit dar, sogenannte gesunde Lebensmittel zu testen, die dann besser gekennzeichnet werden können, um eine informierte Kundenentscheidung zu treffen. Herkömmliche Messungen von Markern wie Cholesterol können nur darüber Aufschluss geben, ob jemand das Risiko hat, eine Krankheit zu entwickeln, nicht ob man die Krankheit tatsächlich hat oder nicht. Die Urin-Proteom-Analyse kann vielmehr feststellen, ob jemand in einem sehr frühen Stadium erkrankt ist, bevor Symptome auftreten. Weitere Untersuchungen nach Lebensstilveränderungen oder Medikamentengabe können dann den Effekt der Behandlung aufzeigen“, sagte Harald Mischak, CSO der Mosaiques Diagnostics GmbH.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass die Tests vom jeweiligen Gesundheitssystem eingesetzt werden, um Menschen auf sehr frühe Anzeichen einer ganzen Bandbreite von Erkrankungen in einer einzigen Urinprobe zu untersuchen.

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