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Krank zu Haus: Smartphones reduzieren Arztbesuche

Die Digitalisierung der Gesellschaft und die Personalisierung der Medizintechnik ermöglichen ganz neue Versorgungsmodelle. So könnte ein großer Teil aller Routineuntersuchung künftig vollautomatisch von zu Hause aus erfolgen. Den Startschuss dafür liefern Life-Science-Unternehmen, die zusammen mit privaten und öffentlichen Investoren Innovationen auf dem Gesundheitsmarkt platzieren wollen.

Bald nicht mehr wegzudenken: Medizintechnik im Wohnzimmer. (Grafik: Healthcare and Life Sciences Predictions 2020 A bold future?/Deloitte Report)

Bald nicht mehr wegzudenken: Medizintechnik im Wohnzimmer. (Grafik: Healthcare and Life Sciences Predictions 2020 A bold future?/Deloitte Report)

Das Smartphone wird sich in naher Zukunft zur Schnittstelle zwischen Arzt und Patient entwickeln. Der Behandlungsraum wird sich zunehmend in die privaten vier Wände verlagern, nur noch Notfälle müssen dann stationär behandelt werden, so eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte. Der Informationsaustausch zwischen Arzt und Patient wird dann überwiegend über digitale Medien wie Smartphones, Tablets und Wearables laufen.

Auf die Patienten kommt bei diesem Paradigmenwechsel eine gesteigerte Verantwortung zu. Sie müssen in der Lage sein, ihre Vitalwerte alleine zu messen, die Wearables – also am Körper angebrachte, elektronische Messinstrumente – richtig einzusetzen und die Daten an ihren Arzt zu übermitteln. So werden Arztpraxen und Krankenkassen auf Kosten der Patienten entlastet. Häufige Arztbesuche sind dann nicht mehr notwendig.

In Kombination mit neuen Diagnoseverfahren könnten Wearables auch dabei helfen, Krankheiten wesentlich früher zu erkennen, als dies bislang der Fall sei, prognostiziert die Unternehmensberatung in ihrem Bericht „Healthcare and Sciences Preditions 2020“. Denkbar sind dabei nicht nur an den Körper angebrachte Messinstrumente, sondern auch Mikroelektronik, die über Tabletten in den Organismus aufgenommen wird und dort eigenständig nach dem Rechten sieht. Google arbeitet bereits an einer solchen Technologie.

„Wearables sind ein gutes Beispiel für erweiterte, maßgeschneiderte Services“, sagte Gregor-Konstantin Elbel von Deloitte der Ärztezeitung. „Die automatisierte Sammlung medizinischer Daten erhöht die Lebensqualität, was Patienten zu schätzen wissen, sofern Datenschutzregelungen eingehalten werden.“

Doch es gibt auch Bedenken seitens der Patienten in Bezug auf datenschutzrechtliche Probleme. Der Umgang mit Gesundheitsdaten ist heikel. Sicherheitslücken gibt es überall. So ist zum Beispiel die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte begleitet von zahlreichen Pannen. Das die Karte umgebende Telematiksystem ist noch nicht einmal einsatzbereit. Zahlreiche Krankenversicherte verweigern die Abwicklung ihrer Daten über die neue Karte.

Doch parallel zur staatlich verordneten elektronischen Datenverwaltung von Krankenakten entsteht ein Markt für Life-Science-Unternehmen, die mit eigenen maßgeschneiderten Produkten Patienten anlocken und ihnen den Weg in eine neue Dimension der medizinischen Versorgung ebnen könnten.

 

 

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