Diagnose

Deutschland braucht mehr mobile Diagnostik

Mobile Systeme ermöglichen schnell und überall Diagnosen. Doch Deutschland hinkt auf dem Markt den USA hinterher. Marktteilnehmer fordern den Abbau von bürokratischen Hürden und die Förderung mittelständischer Unternehmen.

Die Medizintechnik in Krankenwagen muss modernisiert werden. (Foto: Flickr/mabl.photography)

Die Medizintechnik in Krankenwagen muss modernisiert werden. (Foto: Flickr/mabl.photography)

Lebensrettende Therapien medizinischer Notfälle erfordern zuallererst eine schnelle und sichere Diagnostik. Oft vergeht wertvolle Zeit für den Patienten, z. B. bis zur Identifizierung des Erregers oder der Diagnose eines Schlaganfalls und der damit verbundenen unmittelbaren therapeutischen Konsequenz.

Mobile Diagnostiksysteme, die als In-vitro-Diagnostika (IVD) direkt vor Ort (Point of Care) eingesetzt werden, eröffnen hier völlig neue Perspektiven. Ob außerhalb des Krankenhauses, z. B. im Rettungswagen, oder in der Notfallambulanz können dringend benötigte diagnostische Werte sofort ermittelt werden, um umgehend lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.

Im Gegensatz zu ausländischen Gesundheitsmärkten wie den USA werden Point-of-Care-Testing (POCT)-Systeme in Deutschland noch nicht umfassend eingesetzt. Hierfür sind vor allem technologische und regulatorische Hürden verantwortlich.

Vor diesem Hintergrund haben Experten der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DEK) und der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) die erste Deutsche Normungs-Roadmap „Mobile Diagnostiksysteme“ erarbeitet.

Sie bietet auf Basis einer Analyse technischer und gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie des Status quo geltender Normen eine Orientierungshilfe für die Entwicklung und den Einsatz zukünftiger mobiler Diagnostiksysteme. Die Expertenempfehlungen beziehen sich auf verschiedene Aspekte aller beteiligten Interessengruppen: von der Entwicklung über die sichere Anwendung bis zur Qualitätssicherung der analytischen Ergebnisse.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen den Großteil der medizintechnischen Industrie und stehen zugleich vor der Schwierigkeit, vor allem regulatorische Hürden vor dem Inverkehrbringen innovativer mobiler Diagnostiksysteme zu überwinden. Die Expertengruppe der Deutschen Normungs-Roadmap fordert deshalb eine Unterstützung der Betriebe durch zukünftige Normungsarbeit und intelligente Fördermaßnahmen.

Dies ist umso wichtiger, da die deutsche Medizintechnikbranche zwar über eine gute Innovationsposition in dem milliardenschweren globalen POCT-Wachstumsmarkt verfügt, aber mit Blick auf die Umsetzung des vorhandenen Know-hows in marktfähige Produkte hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Dabei können mobile Diagnostiksysteme am Point-of-Care Leben retten und sie repräsentieren einen wichtigen Teil des Technologiestandortes Deutschland.

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