In memoriam: Prof. Dr. Manfred Straßburg

Prof. em. Dr. Manfred Straßburg, ehemaliger Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und…

Am 30. August 1930 in Bremen geboren, begann Manfred Straßburg das Studium der Zahnheilkunde in Göttingen, das er eben da 1954 mit dem Staatsexamen und der Promotion abschloss. Nach einjähriger Assistentenzeit in der Konservierenden Abteilung des Universitätsinstitutes in Göttingen ging er 1955 zu Prof. Dr. Dr. G. Steinhardt an die Kieferklinik in Bremen, wo er seine fundierte kieferchirurgische Ausbildung erhielt und die zahnärztliche Abteilung dieser Klinik leitete. 1959 erfolgte der Wechsel an die neu gegründete Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar, wo er sich 1962 habilitierte. Für seine Habilitationsschrift "Zahnverlust und Trigeminusganglion" erhielt Manfred Straßburg 1963 den Miller-Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. 1963 erfolgte dann die für sein weiteres akademische Wirken und Gestalten richtungsweisende Umhabilitation an die damalige Medizinische Akademie in Düsseldorf, wo er zunächst Oberarzt der Poliklinisch-Chirurgischen Abteilung und später leitender Oberarzt der Abteilung für Zahnerhaltung und Parodontologie war. 1967 wurde Manfred Straßburg zum apl. Professor und 1969 zum Wissenschaftlichen Abteilungsvorsteher und Professor der Abteilung ernannt. Es folgten 1971 Rufe auf Ordinariate für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Frankfurt/Main, an der RWTH Aachen sowie an der Universität Düsseldorf. M. Straßburg blieb in Düsseldorf und wurde 1972 zum ordentlichen Professor berufen unter gleichzeitiger Ernennung zum Direktor der Poliklinik und Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (Westdeutsche Kieferklinik). Im Zuge eines Lehrstuhlwechsels übernahm M. Straßburg nach der Emeritierung von Prof. Dr. Dr. C-H. Fischer 1977 die neu benannte Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Parodontologie, die nach der von ihm eingeleiteten Verselbstständigung der Poliklinik für Parodontologie in Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme umbenannt wurde und die er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1996 leitete. Prof. Dr. Manfred Straßburg war ein national und international bedeutender und höchst anerkannter Wissenschaftler und Hochschullehrer. Über 33 Jahre hat er entscheidend die Geschicke der Westdeutschen Kieferklinik und auch der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf mit geprägt und sich um die Entwicklung dieser Institutionen sowie der Zahnmedizin insgesamt verdient gemacht. So war er 1980/1981 Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Düsseldorf und erhielt 1982 die Ehrenmedaille der Universität. Von 1989 bis 1995 gehörte er dem Klinischen Vorstand der Medizinischen Einrichtungen der Universität an. Er war Mitbegründer der Akademie Praxis und Wissenschaft in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), von 1974 bis 1981 ihr stellvertretender Vorsitzender und von 1985 bis 1994 erneut Mitglied des Direktoriums; von 1975 bis 1990 Mitglied des Vorstandes der DGZMK und von 1981 bis 1985 Präsident der Gesellschaft. Von 1991 bis 2003 war M. Straßburg Mitglied des Kuratoriums der Stiftung "Hufeland-Preis" und von 1992 bis 2006 Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes-Forschungsgesellschaft. Aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste wurde M. Straßburg 1986 mit der goldenen Ehrennadel der DGZMK und 1990 mit der Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft in Gold ausgezeichnet. 1991 folgten die Ernennungen zum Ehrenmitglied der DGZMK sowie der Akademie Praxis und Wissenschaft. Seine Verbundenheit mit der Zahnärzteschaft und den berufständischen Organisationen fanden in der Verleihung der Verdienstmedaille in Gold der Zahnärztekammer Nordrhein ihre Anerkennung. 1997 wurden Prof. Dr. M. Straßburg das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2002 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Das besondere wissenschaftliche Interesse von Manfred Straßburg galt von Anfang an der oralen Pathologie, der Vorfelddiagnostik akuter Leukämien im Erwachsenenalter, insbesondere den Mundschleimhauterkrankungen sowie der Mundhöhle als "Spiegel" systemischer Erkrankungen, einem interdisziplinären Gebiet, auf dem er sich eine international anerkannte Spitzenstellung erwarb. Nicht vergessen ist das seit 1991 in 3. Auflage erschienene und in mehrere Sprachen übersetzte Werk " Farbatlas und Lehrbuch der Mundschleimhauterkrankungen". Der Straßburg/Knolle ist auch heute noch Grundlage der Examensvorbereitungen der Studierenden für das Fach Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. In Zusammenarbeit mit dem Center for Human Computer Studies der Universität Upsala/Schweden erstellte er mit dem Bildmaterial des Farbatlas eine interaktive CD-ROM zur diagnostischen und therapeutischen Entscheidungsfindung in der zahnärztlichen Praxis. Prof. Straßburg war ein äußerst engagierter Hochschullehrer und begnadeter Rhetoriker. Sein weitschauendes und kritisch abwägendes Urteil wurde allgemein geschätzt und gesucht. Stets hat er seine Meinung offen vertreten und diese Einstellung auch von anderen erwartet. Kritische Situationen hat er - in welcher Funktion und in welcher Institution auch immer - durch sein politisches Gespür, sein Verhandlungsgeschick, seine Schlagfertigkeit und nicht selten auch durch eine befreiende humorvolle Entgegnung gemeistert. Seine geschliffene, teilweise auch sarkastische, aber niemals verletzende Formulierkunst und seine Eloquenz machten das Zuhören und die Diskussion mit ihm zu einem Genuss. Über Jahrzehnte hat er es verstanden, in seinen Vorlesungen und Fortbildungen fundiertes Fachwissen lebendig und geistreich zu vermitteln. So hatte er immer einen vollen Hörsaal mit interessierten und aufmerksamen Studenten. Die Zahnmedizin und die Hochschule ließen Manfred Straßburg nie los, und im höheren Alter hatte er auch die Zeit, sich seinen Hobbys zu widmen. Dazu gehörte das Sammeln von Aphorismen, die er 2010 - und zudem 2013 in überarbeiteter Auflage - als "Mannis Lieblingssammlung" publizierte und an seine Freunde verschenkte. Wir haben einen großen Hochschullehrer sowie einen bedeutenden, warmherzigen und humorvollen Menschen verloren. Seine Schüler, Weggefährten und Freunde werden Manfred Straßburg in ehrender Erinnerung bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und insbesondere seiner Frau Marion, die stets an seiner Seite war.
Prof. Dr. A. Herforth, Düsseldorf

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