Gesundheitssystem

Pharmaindustrie: Politik soll Pharma-Standort in Deutschland stärken

Die deutsche Pharmaindustrie fordert Reformen in der Gesundheitspolitik. Der deutsche Standort für pharmazeutische Industrie müsse gestärkt werden. Lieferengpässe bei Antibiotika und Arzneimitteln für Kinder dürfe es nicht mehr geben.

Auf der Tagung „Berliner Dialog am Mittag“ diskutierten Vertreter der Pharmaindustrie die Standort-Faktoren in Deutschland. (Foto: obs/Pro Generika e.V./Georg Lopata / axentis.de)

Auf der Tagung „Berliner Dialog am Mittag“ diskutierten Vertreter der Pharmaindustrie die Standort-Faktoren in Deutschland. (Foto: obs/Pro Generika e.V./Georg Lopata / axentis.de)

Die Innovationskraft der pharmazeutischen Industrie soll weiterhin in Deutschland erhalten bleiben. Deshalb dürfe sie nicht länger nur primär unter dem Kostengesichtspunkt betrachtet werden, lautet die Forderung des „Berliner Dialog am Mittag“ von Pro Generika, dem Verband der Generika- und Biosimilarunternehmen in Deutschland. Deutschland müsse als Standort durch verlässliche Gesundheitspolitik gestärkt werden. Es gehe vor allem auch um Qualität, Versorgungssicherheit und nicht zuletzt um Planungshorizonte für die Unternehmen. Dafür sei auch mehr Verlässlichkeit in der Gesundheitspolitik nötig.

Mit dem Start des Pharmadialogs im September hat die große Koalition damit begonnen, politische Maßnahmen zur Stärkung des Forschungs- und Produktionsstandorts Deutschland für die pharmazeutische Industrie zu entwickeln.

Im Raum Berlin-Brandenburg sei die pharmazeutische Industrie mit ihren hochqualifizierten und im Vergleich gut bezahlten Mitarbeitern der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber, sagt Oliver Heinrich, Bezirksleiter Berlin-Mark Brandenburg der IG Bergbau, Chemie und Energie. Auch ihr Beitrag für den Forschungsstandort sei beispielhaft. Gefahr sah Heinrich allerdings unter anderem darin, dass der Kostendruck auf Generikaunternehmen durch Rabattverträge immer weiter steige. Vom Pharmadialog erwartet sich der Gewerkschafter die Schaffung langfristig angelegter Rahmenbedingen. Denn diese seien für eine nachhaltige Standortsicherung unverzichtbar.

In Deutschland gebe es ein breites Arzneimittelportfolio, das den Menschen in Deutschland zur Verfügung steht, sagt Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes. Dies dürfe aber nicht über bereits bestehende Lücken hinwegtäuschen. Hierzu zählte der Apotheker die immer wieder auftretenden Lieferengpässe insbesondere bei Antibiotika ebenso wie das Fehlen spezieller Arzneimittel für Kinder. Nicht zuletzt die nur noch auf den Preis ausgerichteten Arzneimittelrabattverträge hätten dafür gesorgt, dass ein Engagement der Unternehmen auf diesem Gebiet nicht mehr honoriert werde. „Qualität hat doch aber ihren Preis“, so Becker. Einer seiner Wünsche an den Pharmadialog ist daher, dass dieser Aspekt wieder mehr Beachtung findet. Produktion und die Weiterentwicklung von Arzneimitteln müssten sich auch in Deutschland lohnen.

Gabriele Katzmarek, MdB, Expertin der SPD-Bundestagsfraktion für die Gesundheitswirtschaft erklärte, dass man heute bei weitem nicht von einer Situation des „Land unter“ sprechen könne. Allerdings seien die Verhältnisse durchaus verbesserungswürdig. So werde der volkswirtschaftliche Nutzen der Gesundheitswirtschaft noch zu wenig anerkannt und gewürdigt. Katzmarek erhofft sich vom Pharmadialog „pfiffige Ideen“ wie die Standortsicherung auch über die Finanzierung durch die Sozialversicherungssysteme hinaus gefördert werden kann.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Pro Generika, Markus Leyck Dieken, gab dem Standort Deutschland grundsätzliche gute Noten. Hervorragend ausgebildete Fachkräfte, eine gute Infrastruktur sowie ein dichtes Netz an Universitäten würden dafür sorgen, dass an den Produktions- und Forschungsstandorten in Deutschland trotz höherer Lohnkosten ausgesprochen effizient gearbeitet werde. Unter anderem deshalb habe unser Land bei den innovativen Biosimilars heute immer noch die Pole-Position inne. Diese sei aber nicht in Stein gemeißelt, betonte der Geschäftsführer von Teva ratiopharm. 
Vor kurzem wurde das erste Biosimilar aus Südkorea in Europa zugelassen. Ein Biosimilar ist ein Nachahmerprodukt eines Biopharmazeutikums, beispielsweise einem biotechnologisch erzeugten Protein, das nach Ablauf der Patentzeit des Originalwirkstoffs zugelassen wird.

Das sei ein „Glockenschlag“ und zeige auf, dass man auch auf diesem Feld in Asien rasend schnell dazu lerne. Daher sieht Leyck Dieken gerade hier Ansatzpunkte für den Pharmadialog, denn in diesem hoch innovativen Bereich der Biotechnologie sei die räumliche Verknüpfung von Produktions- und Forschungskompetenz unverzichtbar. Bei internationalen Unternehmen gelte für die Standorte in den jeweiligen Ländern zudem ein erheblicher Wettbewerb um Investitionen. „Da spricht es nicht nur für Deutschland, dass zum Beispiel einige Biosimilars hier auch nach einigen Jahren aufgrund ungelöster Marktzugangsbarrieren immer noch nur einen kleinen Marktanteil von nur acht Prozent haben.“

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe setze zu Recht auf Qualität und Sicherheit der Versorgung. Diese können aber langfristig nur dann gewährleistet werden, wenn eine Vielzahl von Produkten auch in Deutschland entwickelt und produziert werden. „Gute Arbeitsplätze, höchste Qualität und Versorgungssicherheit in Deutschland sind politische Schätze, die Generika- und Biosimilarunternehmen in den Pharmadialog einbringen“, so Leyck Dieken. Für deren Erhaltung sei es an der Zeit, die richtigen Signale in der Standortpolitik zu setzen.

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