Gesundheitswirtschaft

Gesundheitswirtschaft hinkt bei Digitalisierung hinterher

Die digitale Transformation im Mittelstand ist oft nicht Chefsache. Zahlreiche Branchen, allen voran die deutsche Gesundheitswirtschaft, hinken bei der Digitalisierung hinterher. Die strategische Relevanz von Informationstechnologie wird unterschätzt.

Nur in jedem dritten Unternehmen sind die Chefs auch verantwortlich für den digialen Wandel. (Foto: Intersearch Executive Consultants)

Nur in jedem dritten Unternehmen sind die Chefs auch verantwortlich für den digialen Wandel. (Foto: Intersearch Executive Consultants)

Im Handel und in der Gesundheitswirtschaft ist die Digitalisierung erst in sieben von zehn Unternehmen fortgeschritten. „Vor allem im Handel ist die unterdurchschnittliche Umsetzung besorgniserregend, denn diese Branche ist vom digitalen Wandel existenziell betroffen“, sagt Julia Böge, Client Partnerin der Personalberatung InterSearch Executive Consultants.

81 Prozent der deutschen Mittelständler geben an, dass die digitale Transformation in ihrem Unternehmen überwiegend umgesetzt ist. 28 Prozent der Firmen haben ihr Kerngeschäft vollständig auf digitale Prozesse umgestellt. Doch in weniger als der Hälfte der Unternehmen steht das Thema Digitalisierung auf der Agenda der obersten Führungsebene.

Beim Thema digitale Transformation sind Deutschlands Mittelständler nach eigener Einschätzung weit fortgeschritten: Vier von fünf der befragten Topmanager geben an, dass ihre Kerngeschäftsprozesse schon überwiegend digital ablaufen. Dies sind Ergebnisse der Studie „Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ der Personalberatung InterSearch Executive Consultants, für die 400 Topmanager aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt wurden.

Nicht alle Unternehmen sind strategisch vorgegangen. Eine Agenda für die digitale Transformation existiert nur in 60 Prozent der Unternehmen. Der Grund: In vielen Unternehmen übernimmt die oberste Führungsriege keine Verantwortung für das Thema. Stattdessen wird es beim CIO oder auch dem IT-Bereichsleiter verankert, der die Umsetzung ohne Steuerung der Unternehmensleitung vorantreibt. Fast drei Viertel der Unternehmen investieren in neue IT-Plattformen für eine weitere Digitalisierung (72 Prozent).

„Das Thema wird häufig auf die IT-Ebene reduziert“, sagt Böge. „Dabei betrifft die digitale Transformation alle Strukturen und Prozesse im Unternehmen – und diese zukunftsfähig zu machen, ist Chefsache.“

ITK-Branchen am weitesten fortgeschritten – Handel und Gesundheitswirtschaft haben Nachholbedarf. Große Unterschiede bei der Umsetzung der digitalen Transformation bestehen zwischen den Branchen. Vorreiter sind die Internet-Wirtschaft und die IT- und Telekommunikationsindustrie. Dort haben 98 Prozent der Firmen ihre Kerngeschäftsprozesse digitalisiert, vollständig umgestellt hat allerdings erst die Hälfte. Im Finanzdienstleistungssegment sowie im Maschinen- und Anlagenbau trifft dies auf jeweils 86 Prozent zu, wobei erst genannte Branche deutlich häufiger komplett digitalisiert ist (37 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent).

Um die Digitalisierung im Unternehmen strategisch weiter voranzutreiben, sollten die Mittelständler bei der Besetzung von Führungspositionen darauf achten, dass entsprechende Kompetenzen vorhanden sind. „Mittelstandsmanager sollten nicht nur IT-Fachkenntnisse mitbringen, sondern innovationsfördernde Führungskompetenzen wie zum Beispiel die Begeisterungsfähigkeit für digitale Konzepte, auch über das aktuelle Geschäftsmodell hinaus, oder grundlegende Veränderungsbereitschaft“, so Böge.

Trotz eines Eigenkapitalpolsters auf Rekordniveau zögert der deutsche Mittelstand mit Investitionen. Vor allem wegen der anhaltend großen Unsicherheit durch die internationalen Krisen und die Konjunktur-Schwäche in der Euro-Zone hielten sich die Firmen mit Ausgaben zurück, teilte der Sparkassenverband DSGV zu seiner jährlichen Studie mit. „Niedrige Zinsen und immer mehr billiges Geld können allein keinen Investitionsaufschwung bewirken“, sagte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon und bekräftigte seine Kritik an der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

„Der deutsche Mittelstand ist hervorragend kapitalisiert“, betonte Fahrenschon. Das Verhältnis der eigenen Finanzmittel am Gesamtkapital sei 2013 auf 22,3 Prozent gestiegen, nach knapp 20 Prozent im Jahr davor. Auch 2014 dürfte die Eigenkapitalquote dem DSGV zufolge weiter gestiegen sein.

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