Therapie

Befragung von Krebspatienten enthüllt Nachholbedarf bei Therapie

Die Bedürfnisse von Krebspatienten fließen nicht ausreichend in die aktuellen Therapien ein. Einer Befragung zufolge brechen Patienten gern das Tabu: Sie wollen über ihre Krankheit sprechen und erwarten mehr Akzeptanz und Zuwendung von der Gesellschaft.

Bei einer Befragung von Krebspatienten kommen interessante Aspekte der Behandlung ans Tageslicht. (Foto: Flickr/ g.pleger/CC BY-SA 2.0)

Bei einer Befragung von Krebspatienten kommen interessante Aspekte der Behandlung ans Tageslicht. (Foto: Flickr/ g.pleger/CC BY-SA 2.0)

Krebs ist ein Tabu-Thema. Doch viele Krebspatienten möchten über sich und ihre Situation sprechen. Das gilt nicht nur für das private Umfeld, in dem die Erkrankung immer noch häufig totgeschwiegen wird, sondern auch für professionelle Befragungen durch die Marktforschung. Dies ergab eine Studie des Marktforschungs-Instituts Harris Interactive AG. Dazu wurden 100 Personen befragt, bei denen schon einmal Krebs diagnostiziert wurde oder die sich zum Zeitpunkt der Befragung noch in Behandlung befanden.

„Unternehmen glauben häufig, dass Marktforschungsstudien mit Krebspatienten nicht möglich seien, weil es zu wenig Interviewpartner gebe, die gerne auf ihre Fragen antworten“, erklärt Edith Franczok, Associate Director der Harris Interactive AG. „Aus unserer Erfahrung können wir das nicht bestätigen. In unserer Krebspatientenstudie haben wir im Gegenteil überraschend viel positives Feedback erhalten.“ Wichtig sei, dass die Befragung sichtbar im Interesse der Patienten durchgeführt werde. Das bedeutet zum einen, dass die Ergebnisse eingesetzt werden, um besser an die tatsächlichen Bedürfnisse angepassten Service anzubieten, und zum anderen, dass wirklich auf die schwierige Situation und die Gefühle der Patienten über eine sensible Befragung eingegangen wird.

Die Reaktionen der Patienten waren durchgängig positiv: „Ein wichtiges Thema, zu dem man eigentlich nie gefragt wird“, sagte einer der Teilnehmer. „Ich finde es gut, dass man sich mit dem Thema befasst, da es sehr viele Menschen betrifft“, so ein weiterer. Der Redebedarf ist hoch. Das Umfeld des Patienten sei ein wesentlicher Bestandteil, der häufig vollkommen außer Acht gelassen werde.

Die Studie ergab unter anderem, dass Krebspatienten ein hohes Informationsbedürfnis haben. Fast 60 Prozent der Befragten suchten im Internet Informationen über ihre Erkrankung. Meist stiegen sie über Google in das Thema ein, um dann auf offizielle Internetseiten wie beispielsweise krebshilfe.de zu kommen. Auch Internet-Foren werden häufig besucht, vor allem um Informationen über Erfahrungen und Behandlungen auszutauschen. „Pharmaunternehmen können diesem Bedürfnis auf vielfache Weise entgegen kommen“, erläutert Franczok. „Gefragt sind insbesondere klar verständliche Informationen im Internet, aber auch Patienten-Hotlines sowie Flyer und Broschüren, die bei Ärzten, Apothekern und an öffentlichen Stellen ausliegen.“ Informationen dieser Art könnten auch die Allgemeinheit für das Thema sensibilisieren. So äußerten Patienten in der Studie: „In Erinnerung geblieben ist mir eher das Unverständnis einiger Menschen in meinem damaligen Umfeld.“

Unmittelbar nach Erhalt der Diagnose befinden sich viele Patienten in einer Art Schock-Zustand. Sie empfinden häufig Angst, Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit. Von ihren Ärzten erwarten sie Offenheit und Informationen zu Therapiemöglichkeiten, ersten Schritten, Heilungsaussichten sowie zu Folgen der Erkrankung. Die Ärzte erfüllen die Erwartungen überwiegend kompetent, offen, ehrlich und sachlich. Doch immerhin ein Sechstel der Befragten vermisst Einfühlsamkeit, Ermutigung und Verständnis. Ein Patient etwa äußerte „Man fühlt sich den Ärzten ausgeliefert. Die fehlende psychologische Betreuung merke ich heute noch.“

Etwa 15 Prozent fühlen sich schlecht beraten. Sie hatten sich mehr Informationen über Therapiemöglichkeiten und mehr Zeit vom Arzt erhofft. „Vor allem Patienten, die alleine sind, brauchen in dieser Situation auch seelische Unterstützung“, erklärt Franczok. So fragte ein Patient: „Was tut ein Single ohne Familie? Dieses Thema wird nie betrachtet.“ Sinnvoll sei es, wenn psychologisch geschulte Begleitpersonen bereitgestellt werden könnten. Außerdem täten Beratungsstellen not, die über Hilfeleistungen informieren, so Franczok. Ein Patientenkommentar in der Studie lautete: „Meine Kinder waren noch verflixt klein. An diesem Punkt hätte ich Unterstützung gebraucht, aber dafür fühlt sich niemand zuständig.“

Auch nach der Therapie sind Krebspatienten häufig im Alltag stark eingeschränkt durch die Erkrankung und durch die Nebenwirkung der Behandlung. Sie leiden unter Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafproblemen und Übelkeit. Häufig kommen Haarausfall, Appetitlosigkeit und Verlust der Libido hinzu. 27 Prozent der Befragten fühlten sich nach der Therapie depressiv. Von Pharmafirmen werden insbesondere Hotlines für Patienten gefordert sowie mehr Informationen über das Medikament. In der Studie wurde außerdem der Wunsch nach ambulanten Maßnahmen zur Genesung laut wie Entspannungsangebote oder Kuren, nicht nur in speziellen Krebskliniken.

„Eine weiter intensivierte Aufklärungsarbeit zum Thema Krebs, insbesondere zur Vorsorge, könnte noch mehr Menschen animieren, sich regelmäßig untersuchen zu lassen“, gibt Franczok zu bedenken. „Außerdem benötigen Krebspatienten dringend ehrliche Informationen über mögliche Therapien. Hier sind auch Pharmaunternehmen gefordert, in den direkten Dialog zu treten.“

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