Ernährung

Nahrung aus Insekten: EU regelt Zukunfts-Markt

Wenn es nach der EU geht, wird das Hungerproblem in der Welt mit dem Verzehr von Insekten gelöst. Neue Richtlinien regeln die Rechte und Hygienevorschriften von Insektenmehl – dem neuen Grundnahrungsmittel für die dritte Welt. Auch in Europa sollen die neuen Proteinriegel auf den Markt kommen.

Sind die Insekten erst einmal zu Mehl verarbeitet, lassen sich auch Delikatessen daraus herstellen.  (Foto: Flickr/ labormikro/CC BY-SA 2.0)

Sind die Insekten erst einmal zu Mehl verarbeitet, lassen sich auch Delikatessen daraus herstellen. (Foto: Flickr/ labormikro/CC BY-SA 2.0)

Der Markt für Nahrungsmittel aus Insekten wächst. Nun hat die EU ein Regelwerk verfasst, um die Rechte der sechsbeinigen Tiere und die Hygiene-Standards für die zahlreichen Insekten-Farmen zu vereinheitlichen.

Der Markt für Nahrungsmittel aus Insekten wächst. Nun hat das erste EU-Land ein Regelwerk verfasst, um die Rechte der sechsbeinigen Tiere  und die Hygiene-Standards für die zahlreichen neu-gegründeten Insekten-Farmen zu vereinheitlichen. Vor allem fein zu Mehl vermahlen, halten Insekten als Proteinquelle Einzug in europäische Speisepläne.

Die UN Lebensmittel-Behörde FAO hat schon 2013 die Menschen in aller Welt aufgerufen, ihren Hunger durch den Verzehr von Insekten zu stillen. Noch im gleichen Jahr hat die Europäische Union ein Millionen-Projekt namens Proteinsect mitfinanziert, das Insekten als Proteinquelle erschließen sollte. Die Kosten für die EU-Steuerzahler beliefen sich auf knapp 3 Millionen Euro.

Die Entwicklung von insektenbasierten Nahrungsmitteln ist in Europa inzwischen so weit fortgeschritten, dass ein Regelwerk her musste. Mittlerweile gibt so viele Firmen, die Insekten verkaufen, dass die Unternehmen von einem regelrechten Trend sprechen. Die Industrie wird auf einen Wert von 230 Millionen Pfund geschätzt, so das Fachmagazin New Nutrition Business.

Insbesondere das Projekt Insect Europe hat das Ziel, der weltweit führende Produzent von Insektennahrung zu werden. Durch die Methode, die Tiere zu feinem mehr zu vermahlen und daraus etwa Protein-Riegel zu formen, will das Unternehmen den Ekel der Europäer vor den Sechsbeinern ausschalten und so die Akzeptanz erhöhen. Weltweit essen bereits zwei Milliarden Menschen regelmäßig Insekten. Tatsächlich bieten Supermärkte in den Niederlanden und Belgien bereits Insektennahrung an, Luxemburg hingegen hat die Insektenkost vorübergehend verboten bis einheitliche EU-weite Richtlinien gefunden werden.

Solche Richtlinien hat die Agentur für die Sicherheit der Nahrungskette FASFC in Belgien nun erstmalig in der EU festgelegt. Die Standards für die Hygiene und Aufzucht der Tiere sollen die Akzeptanz für die Nahrung weiter erhöhen.

Dieie FAO ruft Konsumenten in aller Welt in einem neuen Bericht dazu auf, Insekten zu essen. Das Konzept stammt von Menschen, die es wissen müssen: Professoren aus Princeton, Harvard und dem MIT haben sich die Welt aus ihren Forschungs-Laboratorien einmal näher angesehen und kommen zu dem Schluss, dass das Hungerproblem mit dem Verzehr von Insekten mit einem Schlag gelöst werden könne.

Wespen, Käfer und andere Insekten fliegen nach Ansicht der UN ungenutzt durch die Gegend und sollten als das Nahrungsmittel der Zukunft betrachtet werden. Dazu empfiehlt der Bericht den Aufbau von Insekten-Farmen: „Insekten gibt es überall und sie vermehren sich rasch. Sie haben hohe Wachstumsraten, sind gute Futterverwerter und schaden der Umwelt nicht.“

Die Insekten enthielten, so die Forscher, wertvolle Proteine, Mineralien und Fett. Sie seien das ideale Lebensmittel speziell für unterernährte Kinder. Ein weiterer Vorteil: Insekten müssten nicht gefüttert werden. Das heißt, sie fliegen den Menschen geradezu in den Mund, ohne dass der Mensch dafür etwas tun müsste.

Allerdings ist der UN bewusst, dass es beim einen oder anderen menschlichen Erdenbürger noch gewisse Vorbehalte gegen die Wespe zum Frühstück, die Mücke zur Brotzeit oder den gebratenen Regenwurm zum Mittagessen geben könnte. Daher schlagt die FAO vor, des „Status der Insekten anzuheben“. Insekten sollten daher in Kochrezepte aufgenommen werden und sich künftig auch auf den Speisekarten von Restaurants finden.

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, da sich die Ernährungs-Situation weltweit verschärft, weil bürokratische Strukturen, geldgierige Konzerne und die Zerstörung der landwirtschaftlichen Flächen durch Monokulturen das bisherige Ernährungs-System nachhaltig gefährden.

Die UN verweist darauf, dass Insekten im Wald leben. Davon gäbe es weltweit genug. In Südafrika seien gewisse Kriechtiere gesuchte Delikatessen. Der Bericht erinnert an die Zeit der französischen Revolution, als Marie Antoinette dem hungernden Pöbel empfahl, Kuchen zu essen, wenn es denn nicht genug Brot gäbe. Die UN-Herrscher rufen der Weltbevölkerung zu: „Wenn es kein Brot und keinen Kuchen mehr gibt – so esst eben Würmer!“

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