Arzneimittel

CDU: Medikamente mit Zusatznutzen dürfen mehr Kosten

Gesundheitspolitiker Jens Spahn (CDU) fordert die Krankenkassen im Preisstreit für Medikamente zur Mäßigung auf. Pharmakonzerne dürften hohe Preise für Medikamente verlangen, wenn diese einen Zusatznutzen bieten würden. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Medikamente, die nicht mehr gegen günstigere Präparate ausgetauscht werden dürfen.

Die CDU spricht sich für höhere Preise bei Medikamenten mit Zusatznutzen aus. Im Konflikt mit Pharmakonzernen über die Preise für neue Arzneimittel warnt der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn die Krankenkassen vor Übertreibungen. Der seit vier Jahren geltende Verhandlungsprozess für Arzneimittelpreise in Deutschland sei grundsätzlich richtig. „Aber wir müssen aufpassen, dass das Pendel nicht zu weit in eine Richtung ausschlägt“, sagte Spahn dem Wirtschaftsmagazin Capital. „Arzneimittel mit einem echten Zusatznutzen dürfen durchaus auch mehr kosten als die bisherigen Therapien – bei großem Fortschritt auch deutlich mehr.“

Die Warnung des CDU-Politikers kommt wenige Tage nach dem vorläufigen Scheitern der Preisverhandlungen für das neue Hepatitis-C-Präparat Sovaldi. Für eine Therapie mit dem Medikament verlangt der US-Hersteller Gilead bislang zwischen 60.000 und 120.000 Euro. Anders als früher sind die meisten Hepatitis-C-Patienten anschließend aber geheilt. Mit diesem Erfolg und den wegfallenden Folgebehandlungen begründet Gilead den enorm hohen Preis, der weltweit Debatten über die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems ausgelöst hat.

Ab einem Abgabepreis von 1.200 Euro je Packung ist die Marge des Großhandels gesetzlich gekappt, was bedeutet, dass selbst für extrem teure Arzneimittel der Aufschlag auf diesem Niveau gedeckelt ist. Für ein Arzneimittel mit dem Preis von 5.000 Euro beträgt die Marge nur noch 0,77 Prozent. Als Die Hepatitis C-Therapie mit einem neuen Medikament der Firma Gilead ist sehr teuer: Eine Monatspackung kostet etwa 20.000 Euro, und die Therapie dauert einige Monate.

Pharmagroßhändler leben von preisabhängigen Spannen. Sie finanzieren die Abgabe günstiger Arzneimittel mit dem Vertrieb teurer Arzneimittel gegen. Doch dieses System gerät durch das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) ins Wanken.

Die Spanne des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln hat im Jahr 2014 im Mittel 4,67 Prozent betragen. Dieser Wert ist weit entfernt von dem im Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) ursprünglich festgesetzten Wert von 6,32 Prozent. Das Institut für Handelsforschung (IFH), Köln, stellt dazu in seiner Jahresauswertung fest, dass Grund für den Spannenverfall im System der Spannenberechnung liegt. Die ursprüngliche Annahme des Gesetzgebers, dass durch eine Stärkung des Generikamarktes die Anzahl abzugebender Packungen zunehme, was mit einem Preisverfall einhergehen sollte, hat sich nicht bewahrheitet. Dahingegen fand eine unerwartete Zunahme der Abgabe von hochpreisigen Arzneimitteln statt, wie sie in diesem Ausmaß in der Vergangenheit nicht zu beobachten war. In dem Preissegment von 1.200 bis 4.000 Euro stieg 2014 der Umsatz um 25 Prozent (Absatz 19%), im Preissegment über 4.000 Euro sogar um über 36% (Absatz 16%).

Ein derart hoher Spannenverfall stellt eine wirtschaftliche Belastung dar, teilt der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels mit. Nahezu 82 Prozent des Umsatzes bestreiten die Mitgliedsunternehmen des PHAGRO im rezeptpflichtigen Bereich. Durch Rationalisierungen und Kosteneinsparungen sei das nicht aufzufangen. Die über 16.000 Beschäftigten im pharmazeutischen Großhandel empfänden deshalb eine spürbare Nervosität.

Spahn sagte, ein modernes Gesundheitssystem sei auf die Forschungserfolge der Industrie angewiesen. Wenn ein neues Medikament die Lebenserwartung der Patienten im Schnitt um drei Monate verlängere, „dann bedeutet das, dass auch ein Patient dabei ist, der vielleicht drei Jahre länger lebt. Da müssen wir uns fragen, wie viel ist das am Ende wert?“

Andererseits wächst auch die Liste jener Arzneimittel, die nicht mehr gegen kostengünstigere wirkstoffgleiche Präparate ausgetauscht werden dürfen, wächst: Mittlerweise sind sieben Wirkstoffe von der „Aut-idem-Regelung“ ausgeschlossen, berichtet die Apotheken Umschau. Das stärkt die Pharmakonzerne gegen die Generikahersteller. Ein Arzt erlaubt dem Apotheker durch das Anbringen der Wörter „aut idem“ auf einem Rezept, ein anderes als das namentlich verordnete, aber wirkstoffgleiches Arzneimittel abzugeben. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, bei denen bereits kleine Abweichungen im Blutspiegel die Wirkung verändern können. Betroffen sind drei Mittel gegen Herzschwäche, das Antiepileptikum Phenytoin, die Immunsuppressiva Tacrolimus und Ciclosporin sowie das Schilddrüsenhormon Levothyroxin-Natrium.

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  1. Etwas zu hohe Dosis an %-Salat!
    Was ist mit den 16.000 Beschäftigten? Ist das internationaler Standard? Wo stehen die an sich schon immer hohen deutschen Preise von Medikamenten heute?
    Und Herr Spahn, der macht hier nur den Eindruck, Herrn Bahr alsbald einmal folgen zu wollen…