Forschung

Neue Kontaktlinse vergrößert Objekte beim Blinzeln

Kontaktlinsenträger können mit einem Augenzwinkern Objekte um das Dreifache vergrößern und auch wieder verkleinern. Die Technik wurde für das Militär entwickelt und soll nun Menschen mit Sehbehinderungen helfen.

Kontaktlinsen entwickeln sich von einer bloßen Sehhilfe zu einer Erweiterung der Sinne. (Foto: Flick/ wetwebwork/CC BY-SA 2.0)

Kontaktlinsen entwickeln sich von einer bloßen Sehhilfe zu einer Erweiterung der Sinne. (Foto: Flick/ wetwebwork/CC BY-SA 2.0)

Schweizer Forscher haben eine neue Kontaktlinse getestet, die Objekte um das Dreifache vergrößern kann, wenn ihr Träger einmal blinzelt. Eric Tremblay von der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne (EPFL) hat den Prototyp auf einer Messe in Kalifornien vorgestellt. Bislang konnten fünf Personen die Linse testen. Die Vergrößerung erfolgt mit einem Blinzeln des rechten Auges und wird genauso mit dem linken Auge deaktiviert.

Das Projekt wird vom US-Militär finanziert. Ursprünglich sollte die Technologie Soldaten mit einer „bionischen Optik“ ausstatten, berichtet der Business Insider. Doch die Entwicklung gibt Menschen mit einem eingeschränkten Sehfeld Hoffnung. Die Linsen helfen vor allem gegen Makuladegeneration. Darunter wird eine Gruppe von Erkrankungen der Netzhaut des Auges zusammengefasst, die die Macula lutea (Gelber Fleck) betreffen. Bestandteil dieses Areals ist der Punkt des schärfsten Sehens, dessen unterschiedliche Zellen einem allmählichen Funktionsverlust erliegen. In vielen Fällen kann das zu einem Nachlassen der Sehschärfe und sogar zu hochgradiger Sehbehinderung und Blindheit führen.

Die Folgen von Augenerkrankungen belasten die deutsche Volkswirtschaft mit bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr. In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen an der altersbedingten Netzhauterkrankung, dadurch entstehen Kosten pro Jahr von entwa 600 Millionen Euro. Etwa 500 000 bis 600 000 Diabetiker haben Augenschäden, eine sogenannte diabetische Retinopathie. Der Austausch der Augenlinse beim grauen Star, der Katarakt. ist mit 600 000 bis 800 000 Operationen der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt. Und etwa ein Viertel der Bevölkerung trägt wegen Kurz- oder Weitsichtigkeit eine Brille.

Deswegen ist die Weiterentwicklung von Kontaktlinsen auch von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Die Linsen der Schweizer Forscher sind 1,55 Millimeter dick und enthalten sehr dünne Teleskope, die Objekte um den Faktor 2,8 vergrößern können. „Kleine Spiegel im Inneren reflektieren das einfallende Licht und vergrößern so die Wahrnehmung des Objektes“, sagen die Forscher in einer Stellungnahme. „Es ist so, als würde man durch ein winziges Fernglas schauen.“

In ihrer jetzigen Form können die Linsen nur 30 Minuten lang getragen werden, weil sie keinen Sauerstoff an das Auge lassen. Doch das soll sich mit der Weiterentwicklung der Technologie ändern.

Die Technik bei Kontaktlinsen hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Diese haben mehrere Brennpunkte oder stellen sich – ähnlich der natürlichen Linse – auf das Sehen in unterschiedlichen Weiten ein und gleichen so mehrere Sehfehler gleichzeitig aus. Darüber hinaus gibt es Mini-Linsen, die die Alterssichtigkeit korrigieren: Diese „Cornealen Inlays“, winzige Linsen von zwei Millimetern Durchmesser, werden dauerhaft in die Hornhaut eingesetzt, verbessern die Nahsicht und können zum Teil die Lesebrille ersetzen.

Wenn es nach dem US-Start-up Innovega geht, könnten die zukünftigen Kontaktlinsen dem Träger bald übernatürliche Sehkräfte verleihen. Das Sehbehilfssystem besteht aus Kontaktlinsen und Augengläsern. Die Linsen ermöglichen einen verbesserten Fokus. Der Träger kann sowohl viel näher als auch viel weiter scharf sehen als mit dem natürlichen Auge. So ist es mit der Linse möglich, einen Finger so dicht vor das Auge zu halten, dass sich selbst die feinsten Fingerabdrücke erkennen lassen. Die Augengläser haben Mikroprozessoren eingebaut, die Bilder von Apps oder anderen Medien direkt auf die Glasoberfläche projizieren. Mit den Kontaktlinsen lassen sich dann diese Bilder, die direkt vor das Auge produziert werden, betrachten.

Mit der Technik von Innovega soll es möglich sein, die kleinen Vier-Zoll Smartphone-Displays für das Auge in 36-Zoll-Bildschirme zu verwandeln. „Es ist wie auf einen riesigen Flatscreen zu blicken, und dabei viel mehr zu sehen“, meint ein Sprecher von Innovega im Gespräch mit dem US-amerikanischen Technologiemagazin Magazin Mashable. Das Unternehmen will vor allem Google Glass den Kampf ansagen. Das vom Internetgiganten entwickelte Produkt beinhaltet einen am Kopf getragenen Miniaturcomputer, der auf einem Brillenrahmen montiert ist und Informationen in das Sichtfeld des Users einblendet. „Google Glass ist ungefähr so, als hätte man sein Smartphone etwa 60 Zentimeter weit vor sich. Das iOptik-System hat eine sechsmal bessere Auflösung und produziert 20-fach größere Bilder.“ Die nicht unbescheidene Vision des Unternehmens ist, dass ihre oder eine ähnliche Technologie eines Tages einmal die Smartphones als mobiles Interface ablösen wird.

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