Gesundheitswirtschaft

Krankenhäuser können beim Material bis zu 14 Prozent sparen

Der Kostendruck in Krankenhäusern kann durch Einsparungen bei den Materialkosten um bis zu 14 Prozent gesenkt werden. Je größer die Klinik, desto höher ist die Kostensteigerung pro Bett. Private Kliniken sind beim Material deutlich sparsamer als öffentliche Häuser.

Öffentliche Kliniken haben steigende Bestände, während private Kliniken ihre Bestandsposition deutlich senken konnten. (Grafik: Inveto)

Öffentliche Kliniken haben steigende Bestände, während private Kliniken ihre Bestandsposition deutlich senken konnten. (Grafik: Inveto)

Die Lage in Deutschlands Krankenhäusern ist ernst. Einer Studie zufolge ist jede sechste Klinik von der Pleite bedroht. Über die Hälfte aller Klinken schreibt rote Zahlen. Die Kosten der Kliniken sind in den vergangenen 13 Jahren um über 40 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür sind die hohen Sachkosten, zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft Inverto. Gemeint sind Verbandmaterial, OP-Besteck und Desinfektionsmittel sowie die Stromversorgung, Büromaterialien und Versicherungsprämien. Die Kosten für Personal sind in dem Zeitraum um 31 Prozent gestiegen.

Betroffen sind vor allem Kliniken mit mehr als 1.000 Betten. Je größter die Klinik, desto größer der Materialaufwand. Privat geführte Kliniken haben eine deutlich geringere Kostensteigerung pro Bett als öffentliche Kliniken. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Arbeitsbelastung seit Umstellung auf Fallpauschalen in 2003, ist es schwierig Personalkosten durch Personaleinsparungen zu senken.

Inverto rechnet damit, dass sich bei den Sach- und Materialkosten am meisten Sparpotenzial ergibt. Kliniken sollen Beschaffungskosten reduzieren und Prozesse optimieren. Trotz aller Fortschritte bei der Nutzung von Einkaufsgemeinschaften wird das Potential aber noch nicht ausgeschöpft. Laut Studie schätzen Einkaufsverantwortliche, dass sich bei 51 Prozent der Sachbedarfe noch Einsparungen in Höhe von 5 bis 9 Prozent realisieren lassen. Bei 34 Prozent der Investitionsgüter und Wirtschaftsbedarfe gehen sie sogar von Einsparungen in Höhe von 10 bis 14 Prozent aus.

Kosten deutscher Krankenhäuser ohne Steuern und Zinsen in Milliarden Euro. (Grafik: Inverto)

Kosten deutscher Krankenhäuser ohne Steuern und Zinsen in Milliarden Euro. (Grafik: Inverto)

Große Kliniken läuft derzeit ein Strukturwandel hin zur Transformation zu Klinikzentren. Der Begriff Zentrum berechtigt zum Erhalt neuer Finanzmittel vom Bund, wenn die Zentren bestimmte Behandlungen wie zum Beispiel bei Brust- und Darmkrebs anbieten. Am „qualitätsorientierten Umbau“ der Krankenhauslandschaft führt kein Weg vorbei, sagt Gesundheitsökonom und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports 2015, Jürgen Wasem. Er bezeichnet ihn als das „wichtigste gesundheitspolitische Vorhaben dieser Legislaturperiode“. Doch die Qualität in den sogenannten Zentren müsse gemessen werden, damit ein Mehrwert erkannt werden könne.

Klinikentscheider blicken pessimistisch in die Zukunft: Sie gehen davon aus, dass viele Herausforderungen in den nächsten zwölf Monaten schwieriger zu bewältigen sein werden als heute. Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Forsa 100 Geschäftsführer und Direktoren deutscher Kliniken.

Für die Berechnung des Notstandsindex in der Forsa-Studie werden die Klinikmanager zu den drei Oberthemen Leistungsqualität, Wirtschaftlichkeit und personelle Aufstellung befragt. Sie geben zunächst Auskunft über die derzeitige Lage und anschließend dazu, wie sich die Situation ihres Hauses aus ihrer Sicht zukünftig entwickeln wird. Auf dieser Basis wird für jedes der drei Themen ein Indexwert ermittelt, der im positiven oder negativen Bereich liegen kann. Die Studie soll künftig regelmäßig durchgeführt werden, so dass sich langfristige Trends am Notstandsindex ablesen lassen.

Aktuell sind die Klinikentscheider besonders pessimistisch, was die Wirtschaftlichkeit ihrer Häuser angeht. Der Indexwert beträgt für diesen Bereich -5,6. Bezogen auf die personelle Aufstellung ist die Einschätzung der Befragten kaum besser, hier liegt der Saldo bei -4,9. Lediglich beim Thema Leistungsqualität ergibt sich mit 3,7 ein positiver Wert. Zusammen genommen liegt der Notstandsindex damit bei -2,2.

Das mit Abstand gravierendste Problem ist der hohe Kostendruck: Schon jetzt sieht sich jedes fünfte Krankenhaus kaum in der Lage, diesen zu bewältigen. Zwei Drittel der Entscheider sind sich außerdem einig, dass dieses Problem in Zukunft noch zunehmen wird. Nur fünf Prozent gehen von einer Entspannung aus. Am größten ist der Anteil der Pessimisten bei den Managern öffentlicher Krankenhäuser: 78 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass sich der Kostendruck in Zukunft verschärfen wird. Bei den Privatkliniken sind es mit 53 Prozent dagegen deutlich weniger.

Ein zweiter Faktor, der sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt: 45 Prozent der Krankenhausleiter sind der Meinung, dass sich die Auslastung der Kapazitäten negativ entwickeln wird, nur 15 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung in ihrer Einrichtung aus. Besonders betroffen hiervon sehen sich Kliniken freigemeinnütziger Träger (50 Prozent).

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