Impfen

Impfpflicht gegen Masern ist bei Erwachsenen kontraproduktiv

Die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern könnte Erwachsene dazu veranlassen, ihre ablehnende Haltung gegen Impfungen zu verstärken. Eltern müssen für ihre Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule meist einen Impfnachweis vorweisen. In Berlin haben sich in den vergangenen Wochen mehr 600 Menschen mit Masern infiziert.

Wer sich nicht impfen lassen möchte, kann nicht dazu gezwungen werden. (Foto: Flickr/Dennis Skley/CC BY-ND 2.0)

Wer sich nicht impfen lassen möchte, kann nicht dazu gezwungen werden. (Foto: Flickr/Dennis Skley/CC BY-ND 2.0)

Die Zahl der Maserninfektionen in Berlin ist in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Ein 18 Monate altes Baby ist an der Krankheit gestorben. Doch für eine Impfpflicht gibt es wenig Rückhalt. Das ist in Europa nicht ungewöhnlich. Nur in der Hälfte aller EU-Länder gibt es eine Impfpflicht, in Deutschland, Österreich und Spanien gibt es nur Impfempfehlungen. Zu den Ländern mit Impfpflicht gehören, Polen, Ungarn, Tschechien, Italien und Frankreich.

In Deutschland gab es zwischen 1949 und 1975 einen allgemeinen Impfzwang, um die Pocken auszurotten. Noch bis in die Achtziger Jahre galt eine Pockenimpfung als obligatorisch. In der DDR waren Impfungen gegen Pocken, Tetanus, Diphtherie, Tuberkulose und Polio verpflichtend.

Seit den fünfziger Jahren gibt es die Debatte über die Rechtmäßigkeit einer Impfpflicht. Ein Argument dagegen ist das Grundgesetzt, Artikel 2. Darin steht, dass jeder Mensch, das „Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat“. Ein Zwang von Nadel und Impfstoff würde gegen dieses Recht verstoßen, es sei denn es gibt weitere Gesetze, die dieses Recht einschränken. Ein solches Gesetz könnte also im Kontext einer konkreten Bedrohung der Bevölkerung beschlossen werden, berichtet das Ärzteblatt.

Im Fall der Masern liegt das Problem bei den Erwachsenen. Die Krankheit verläuft bei ihnen am schlimmsten. Wenn der Staat eine Impfpflicht einführt, muss er auch einen Verstoß gegen die Pflicht überprüfen. Mögliche Sanktionen wären Geldstrafen oder im schlimmsten Fall eine Ordnungshaft.

Soldaten und medizinisches Personal müssen sich bereits impfen lassen. In manchen KiTas werden Kleinkinder nicht aufgenommen, wenn die Eltern nicht einen entsprechenden Impfnachweis vorzeigen können.

Der Bundesärztekammer geht das nicht weit genug. Sie fordert die Einführung einer Impfpflicht. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), an Leidel, hält eine Pflicht für „kontraproduktiv“. Außerdem könne der Staat auch durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse und durch ein konzertiertes politisches Vorgehen die Impfbeteiligung erhöhen.

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