Erziehung

Zu viel Internet macht Jugendliche einsam

Jugendliche, die mehr als sechs Stunden online sind, können schlechter soziale Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen. Zudem belegt eine Studie, dass übermäßiger Konsum von Online-Spielen und Pornografie die soziale Ausgrenzung begünstigt.

Jugendliche kommunizieren auch über Online-Games wie dem Spiel World of Warcraft. (Foto: Flickr/Jeremy Keith/CC BY 2.0)

Jugendliche kommunizieren auch über Online-Games wie dem Spiel World of Warcraft. (Foto: Flickr/Jeremy Keith/CC BY 2.0)

Isoliert, unkommunikativ oder gereizt – laut einer aktuellen Studie der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsmedizin Mainz beeinflusst intensiver Konsum von Onlinespielen und -sexangeboten die Bindungsfähigkeit von Jugendlichen. Sind sie über sechs Stunden täglich online, egal ob über Mobiltelefon oder Computer, fällt es Jugendlichen schwerer, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen.

Viele Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Kind in einem Teufelskreis aus Internetsucht und Einsamkeit landet. Dabei muss unterschieden werden zwischen wirklicher Internetsucht und Online-Kommunikation, die tatsächlich auch soziale Kontakte schaffen kann. Nur weil Jugendliche allein im abgedunkelten Zimmer hocken, Tag und Nacht vor dem Computer sitzen und nie Besuch bekommen, heißt das nicht, dass sie nicht mit anderen Menschen kommunizieren.

Soziale Netzwerke wie Facebook sind eine beliebte Kommunikationsplattform. Auch das umstrittene Online-Spiel World of Warcraft kann mit mehreren Spielern im Team gespielt werden. Bei den Fans enstehen unter Umständen Gemeinschaften, die auch in Treffen außerhalb der virtuellen Welt münden können.

Ein Forscherteam um Manfred Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsmedizin Mainz, untersucht die Frage, ob echte Beziehungen zwischen sozialen Netzwerken wie Facebook und Onlinespielen wie World of Warcraft verloren gehen. Dazu befragten sie rund 2.400 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in Rheinland-Pfalz.

„Jugendliche, die häufig Angebote von Onlinespielen und –Sexportalen nutzen, haben eine schlechtere Bindung zu ihren Freunden. Das heißt, sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden nicht so sehr und fühlen sich von anderen stärker entfremdet. All diese Faktoren begünstigen letztlich die soziale Ausgrenzung“, sagt Beutel.

Digitale soziale Netzwerke seien hingegen förderlich für die Beziehung und Bindung zu Gleichaltrigen. Allerdings könnten sie zu einem suchtartigen Gebrauch führen, welcher wiederrum die Bindung zu Gleichaltrigen negativ beeinflusst.

3,4 Prozent der befragten Jugendlichen nutzen das Internet suchtartig. Das bedeutet: Sie sind mehr als sechs Stunden täglich online, haben keine Kontrolle mehr über Onlinezeiten, geben ihre Interessen auf und erleiden schädliche persönliche, familiäre oder schulische Konsequenzen aufgrund der vielen Zeit vor dem Computer oder am Handy. 13,8 Prozent zeigen zwar keinen suchtartigen, aber dennoch einen exzessiven und „ausufernden“ Gebrauch. Mädchen und Jungen sind davon gleichermaßen betroffen.

Im Hinblick darauf, mit welchen Inhalten sie sich online beschäftigen, unterschieden sich Mädchen und Jungen allerdings: Mädchen nutzen das Internet häufiger für den sozialen Austausch, zur Recherche und zum Online-Shopping, Jungen verbringen mehr Zeit mit Onlinespielen. Professor Beutel, der in seiner Klinik in der Ambulanz für Spielsucht auch betroffene Jugendliche und Eltern behandelt, stellt zudem fest: „Sozial unsichere oder gehemmte Jugendliche wenden sich eher Online-Aktivitäten zu, die weniger Kontakt und Austausch erfordern.“ Seine Empfehlung lautet deswegen: „Eltern und Lehrern haben die Aufgabe, Jugendliche sowohl in der Entwicklung ihrer Mediennutzung zu begleiten als auch ihren sozialen Umgang zu beachten.“

In Dänemark läuft derzeit eine Debatte, ob Pornografie im Unterricht gezeigt werden soll. Ein Wissenschaftler befürwortet dies. Durch das Abspielen von Pornografie in der Schule soll Jugendlichen der Umgang mit Sexualität in Zeiten des Internets beigebracht werden. Am Beispiel einer Diskussion im Klassenraum über die Funktionsweise der Porno-Industrie könnten die Jugendlichen zu „bewussten und kritischen Konsumenten“ erzogen werden, berichtet der Guardian. Viele Heranwachsende hätten das Problem, nicht zwischen Pornographie und der Realität sexueller Beziehungen unterscheiden zu können, so das Argument von Christian Graugaard von der Aalborg University.

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