Gesundheitswirtschaft

Wirtschaftsforscher: Rettungshubschrauber machen 200 Klinik-Schließungen möglich

Durch die Anschaffung neuer Rettungshubschrauber könnten 200 verlustschreibende Kliniken in Deutschland geschlossen werden. Wirtschaftsforscher rechneten aus, dass die mobile Notfallversorgung durch die Hubschrauber 500 Millionen Euro günstiger ist, als die insolvenzgefährdeten Kliniken in Deutschland zu erhalten.

Innerhalb von 12 Minuten muss jeder Bürger Zugang zur Notfallversorgung haben. (Foto: Flickr/Harald Henkel/CC BY-ND 2.0)

Innerhalb von 12 Minuten muss jeder Bürger Zugang zur Notfallversorgung haben. (Foto: Flickr/Harald Henkel/CC BY-ND 2.0)

In Deutschland können 200 verlustschreibende Kliniken geschlossen werden, ohne dass dies die Versorgungssicherheit gefährden würde. Die Schließung der Standorte könne durch neue Rettungshubschrauber kompensiert werden, die die Notfallversorgung gewährleisten soll. Zu dem Schluss kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, wie das Ärzteblatt berichtet.

Die Schließung der Kliniken wäre dem RWI zufolge 500 Millionen Euro günstiger als dessen Weiterbetrieb. 150 öffentliche Kliniken sowie 80 freigemeinnützige und 10 private Kliniken sind akut insolvenzgefährdet. Um diese Häuser zu erhalten, müssten pro Jahr 675 Millionen Euro für Verluste aufgebracht werden. Zusätzlich bedarf es noch an jährlichen Investitionsausgaben in Höhe von 865 Millionen Euro.

Das RWI rechnet vor, dass von den 240 insolvenzgefährdeten Kliniken nur 30 erhalten werden müssten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Versorgungssicherheit bleibe dann bestehen, wenn die Fahrtzeit zum nächsten Haus der Grundversorgung 30 Minuten nicht überschreitet. Ein Maximalversorger muss in 60 Minuten und eine Notfallversorgung innerhalb von 12 Minuten erreichbar sein.

Durch die Schließung der Kliniken wird zwar die Versorgungssicherheit ausgedünnt. Dafür soll aber die Mobilität erhöht werden: Das RWI schlägt daher vor, 30 neue Rettungshubschrauber in die Rechnung einzukalkulieren, um die Notfallversorgung sicherzustellen. Die Kosten dafür betragen 790 Millionen Euro. Sie ließen sich fast vollständig durch die nicht mehr zu zahlenden Verluste und Investitionen der zu schließenden Kliniken finanzieren.

Die Versorgungssicherheit in Deutschland wäre gewährleistet und Kosten würden gespart. Allerdings sähe die Notfallversorgung in den Regionen ohne Krankenhaus dann anders aus. Die Logistik für den Krankenhaustransport durch die Luft – in Form von Start- und Landeplätzen – müsste verbessert werden. Außerdem würde eine Schließung von derart vielen Kliniken die Fahrtzeit zum Krankenhaus in betroffenen Regionen fast verdoppeln, teilt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit.

Kommentare

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  1. Und wie kommen dann die Patienten wieder nach Hause? Wurde das evtl. auch mit einkalkuliert? Welcher Mehrbedarf an qualifizierten und unqualifizierten Krankentransporte entsteht dadurch? Ein großer Anteil der Patienten die in die Krankenhäuser kommen sind nämlich alt und und können die Rückfahrt nicht per PKW, Bus oder Bahn antreten. Das heisst mehr Transporte, längere Fahrzeiten, also mehr Fahrzeuge in der Vorhaltung. Wie soll das in Regionen klappen die mit Mehrzweckfahrzeuge arbeiten (keine Trennung zwischen Rettungswagen und Krankentransportwagen).

  2. Ein guter Aprilscherz, leider verspätet … ach, ist keiner?

    Nur mal so nebenbei

    – was ist bei Nebel, starkem Regen, Sturm oder schlicht in der Nacht, da ist nix mit RTH fliegen und Außenlandung
    – was ist bei Flächenlagen mit zahlreichen Verletzungen wie z.B. Blitzeis mit unzähligen Knochenbrüchen, da sind die Regelrettungsdienste schon jetzt überfordert und das Ganze dann mit 30 lächerlichen Hubschraubern.
    – was ist bei Ausfall eines dieser Super-Krankenhäuser, an denen dann ganze Regionen hängen.

    Da hat das RWI in seiner Wirtschaftlichkeitsberechnung leider nur den xx-% Regelfall betrachtet. Aber nächstes Mal.

    Dumm nur, das Opfer sind wir. Als Du und ich.

    Wann lernen diese Theoretiker endlich, das menschliche Gesundheit kein zu optimierendes Wirtschaftsgut ist.

    Das RWI schliessen, sofort!

  3. Kleine Krankenhäuser sollen schließen und gegen RTH ausgetauscht werden. Was soll das? Denken diese so genannten Wissenschaftler nur in Zahlen, fern ab von der Realität? Krankenhäuser auf dem Land dienen nicht nur der Aktversorgung von Verletzten und plötzlich erkrankten Menschen. Nehmen wir das Beispiel eines Patienten, dessen Blasendauerkatheters verstopft ist und ein neuer gelegt werden muss. Eigentlich eine Sache, die man vor Ort hinbekommt. Dann gibt es aber auch die Problemfälle, die gar nicht so selten sind, und nur von erfahrenen Ärzten oder Pflegekräften einen neuen Katheter gelegt bekommen können. Und dazu soll der Patient 100km geflogen werden? Mir würden noch hunderte solcher kleinen Beispiele einfallen, bei denen die Relationen nicht mehr stimmen. Kommt noch das Problem RTH. Die Kiste fliegt wetterabhängig und die meisten leider auch lichtabhängig. Was also passiert, wenn es nebelig oder Nacht ist? Und in den Herbst- und Wintermonaten kommt das extrem häufig vor! Wo leben diese Wissenschaftler, dass sie dieses Phänomen nicht kennen? Ach so, ja klar, ihr Schreibtisch ist ja immer beleuchtet – ich vergaß, sorry! Erst letzten Winter habe ich es erlebt, dass ein Patient mit Hirnblutung aus einer strukturschwachen Region nicht in ein Zentrum geflogen werden konnte. Also packte man ihn in den RTW und fuhr zwei Stunden (120 Minuten!!!!) durchs Ländle, um in der Zielklinik einen hirntoten Patienten abzuliefern. Ihre Zeitrechnung von 30 Minuten ist unrealistisch – schon jetzt! Patienten werden in behäbigen KTWs oder RTWs gefahren, nicht im Porsche. Ich bin oft als Notarzt in ländlichen Regionen unterwegs. Transportzeiten von 30 Minuten sind oft kaum zu schaffen, wenn mal nicht die „Landklinik“ um die Ecke herum anfahren kann. Und Sind Sie, meine verehrten Experten, schon mal eine Stunde lang in einem RTW gefahren worden? Offensichtlich nicht. Krankenhäuser sind ein sehr wichtiger Faktor für die Region, egal welche. Strukturschwache Regionen ohne adäquate Krankenversorgung sterben aus. Kaum noch einer will dort leben, wo es kein Krankenhaus, keine Kita, kein Supermarkt etc. gibt.