Gesundheitswirtschaft

Barmer GEK und AOK Nord sammeln Fitness-Daten der Mitglieder

Die Barmer GEK und die AOK Nord sind mit mobilen Apps auf der Jagd nach den Fitness-Daten ihrer Mitglieder. Die Analyse der Fitness-Tracker spart langfristig Geld: Je mehr Versicherte ihre Daten preisgeben, desto präziser wird die Risikoanalyse der Krankenkassen.

Krankenkassen freuen sich über Mitglieder, die ihnen die Analyse der Gesundheitsdaten abnehmen. (Foto: Flickr/ Vernon Chan/CC BY 2.0)

Krankenkassen freuen sich über Mitglieder, die ihnen die Analyse der Gesundheitsdaten abnehmen. (Foto: Flickr/ Vernon Chan/CC BY 2.0)

Fitness Tracker sind derzeit die beliebtesten tragbaren, internetfähigen Geräte – auch Wearables genannt. Krankenversicherer profitieren noch mehr als ihre Träger durch die elektronischen Datensammler. Digitale Fitness-Tracking-Programme können für die Versicherer neue Kunden akquirieren oder bestehende Kunden durch Bonusprogramme binden. Big Data-Analysen ermöglichen zudem, Gesundheitskosten zu sparen, ergibt eine Analyse der Managementberatung Mücke, Sturm & Company.

Die gesetzlichen Krankenversicherer Barmer GEK und die AOK Nordost verfügen über Programme, welche Schritte per In-App-Tracking aufzeichnen. Auch die Schwenninger Krankenkasse ist an den Gesundheitsdaten ihrer Mitglieder interessiert.

Während die AOK Nordost einen „health score“ ermittelt und keine Belohnungen anbietet, ist die FIT2GO-App der Barmer GEK mit dem eigenen Bonusprogramm verknüpft. Das Barmer GEK Bonusprogramm umfasst weitere Aktivitäten wie Vorsorgeuntersuchungen oder Mitgliedschaften im Fitnessstudio, welche jedoch klassisch per Stempel und Unterschrift gesammelt werden müssen. Versicherte der Barmer GEK können mit der App für regelmäßige Bewegung Punkte sammeln. Jedoch werden diese nur ein Mal pro Jahr gutgeschrieben.

Die Wearables verraten den Kassen wertvolle Informationen über den Gesundheitszustand der Patienten. Blutdruck, Herzfrequenz und Puls sind wertvolle Vitalwerte, die der Krankenkasse bei der Analyse ihrer Versicherten helfen können. Versicherer können daraus ableiten, wie oft ein Mitglied Sport treibt, wie er sich ernährt und wie er sich um seine Gesundheit bemüht.

Die Krankenkassen entwickeln Anreizsysteme für ihre Mitglieder. Das können Werbegeschenke, Rabatte oder Prämien sein, im Tausch gegen gute Vitalwerte oder die Übermittlung des Bewegungsprofils. Mittelfristig können Kassen auf der Grundlage der gewonnenen Kundendaten die interne Risikoberechnung verbessern. Grundlage dafür sind Statistiken, die belegen, dass Menschen mit viel Bewegung, einer guten Ernährung und regelmäßigen Arztbesuchen auch gesünder sind.

Das beste Fitness-Tracking-Programm im Vergleich ist das der US-amerikanischen Krankenversicherung Oscar. Das innovative amerikanische Startup-Unternehmen ist bekannt für seinen Innovationsgrad und seine Kundenorientierung. Oscar ist das einzige Programm mit einer mobilen Registrierung und einem kostenlosen Fitness-Tracker für alle Mitglieder. Wird ein monatliches Ziel erreicht, so können Mitglieder sich über einen Amazon-Gutschein im Wert von 20 Dollar freuen. Die Messung von Aktivitäten ist derzeit lediglich auf Schritte begrenzt.

Discovery Vitality gehört zum südafrikanischen Versicherer Discovery Health und ist das zweitbeste Fitness-Tracking-Programm. Es existiert bereits seit 1997 und hat Franchisepartner in den USA, China, Australien und Europa. Unterstützt werden nicht nur Aktivitätsdaten aus Fitness-Trackern, sondern auch viele andere Parameter wie Ernährung, Gesundheitschecks und Nikotinentzug. Basierend auf dem Punktestatus können Mitglieder aus einer großen Vielzahl an Prämien und Rabatten wählen und so beispielsweise auch Flugmeilen erhalten. Allerdings wird für das Programm eine monatliche Gebühr von den Mitgliedern verlangt, es gibt keine kostenlosen Fitness-Tracker und der Prozess beinhaltet verschiedene physische Karten. Will man beispielsweise Rabatte beim Einkauf von ausgewiesenen Lebensmitteln erhalten, so benötigt man auch die Treuekarte des jeweiligen Einzelhändlers.

Langfristig können die Krankenversicherungen mit Hilfe von Digital-Fitness-Tracking-Programmen die Gesundheitskosten senken und eine stärkere Kundenbindung erreichen. Discovery Vitality hat nachgewiesen, dass gesündere und aktivere Mitglieder zu signifikanten Einsparungen bei den Gesundheitskosten führen. So nehmen 85 Prozent der Mitglieder von Discovery Vitality an präventiven Gesundheitsmaßnahmen teil. Mit dem Discovery Health Operating Model, welches neben dem Vitality weitere Maßnahmen umfasst, konnten im vergangenen Jahr 2014 insgesamt 10 Prozent der Gesundheitsausgaben gesenkt werden.

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