Transplantation

Zahl der Herz-Transplantationen wird um 30 Prozent steigen

Mediziner können künftig Herzen wiederverwenden, die längst aufgehört haben zu schlagen. So kann die Zahl der Spenderorgane um 30 Prozent gesteigert werden. Mit einer neuen Methode wird das Organ lange nach der Entnahme wiederbelebt. Eine Konservierungsflüssigkeit verdoppelt dabei das Zeitfenster für eine Transplantation von vier auf acht Stunden.

Neues Leben mit wiederbelebten Herzen: Die neue Konservierungsmethode macht ein Drittel mehr Herz-Transplantationen möglich. (Foto: Flickr/Serce na dłoni/CC BY 2.0)

Neues Leben mit wiederbelebten Herzen: Die neue Konservierungsmethode macht ein Drittel mehr Herz-Transplantationen möglich. (Foto: Flickr/Serce na dłoni/CC BY 2.0)

Bis zu 30 Prozent mehr Herzen sollen in Zukunft transplantiert werden können. 30 Prozent mehr an Operationen, die bis jetzt nicht möglich waren. Zwei australische Herzkranke erhielten Berichten der Website IFLScience zufolge bei Transplantationen in Sidney bereits Spenderherzen, die bis vor kurzem nicht hätten genutzt werden können. Beide Herzen hatten schon mindestens 20 Minuten nicht mehr geschlagen und konnten dennoch erfolgreich den Spendern entnommen, wiederbelebt und ihren neuen Besitzern eingesetzt werden.

Beide Patienten litten an Herzversagen. Das erste Herz erhielt Michelle Gribilar – eine 57 Jahre alte Frau aus Sydney. „Ich unterschrieb einfach die Papiere, weil es mir immer schlechter ging, und ich dachte, ich werde wohl sterben“, berichtet die Empfängerin des ersten so konservierten Spenderherzens. Dem zweiten Patienten, Jan Damen, wurde wenig später ebenfalls ein neues Herz transplantiert.

Bis zu diesem großen Transplantations-Erfolg konnten nur Spenderherzen von hirntoten Patienten transplantiert werden. Stellt sich beispielsweise bei einem Komapatienten jegliche Hirnaktivität ein, wird der Kreislauf zunächst mit lebenserhaltenden Maßnahmen aufrechterhalten. Der Hirntod muss dann von zwei unabhängigen Ärzte festgestellt werden.

Danach erst wird der Patient für tot erklärt und alle lebenserhaltenden Maßnahmen dürfen unterlassen werden. Litt der Tote nicht an einer das Herz betreffenden Krankheit, so kann ihm zuvor sein noch schlagendes Herz entnommen werden, um es einem Herzkranken einzupflanzen.

Mit der neuen Methode können Spenderherzen wiederbelebt werden, die, etwa nach einem Atemstillstand, aufhörten zu schlagen. Erst fünf Minuten, nachdem jegliche Herzaktivität endet, darf der Patient für tot erklärt werden. Das Herz bleibt hier bereits wegen des Sauerstoffmangels stehen, müsste also sofort wieder durchblutet werden, damit es wieder funktionieren kann.

Bei sinkender Körpertemperatur verliert das Herz so sehr schnell seine Funktionsfähigkeit. Um einem Organspender das Herz zu entnehmen, benötigen Ärzte in der Regel 15 bis 30 Minuten. Das Herz erhält so also mindestens 20 Minuten lang keinen Sauerstoff. Das Team in Sydney entwickelte jedoch innerhalb von 12 Jahren eine Spezialflüssigkeit und eine Apparatur, mit der Herzen wiederbelebt werden können.

„Wir können das Herz entnehmen und es in einen Kasten legen, in dem wir es mit einem Blutkreislauf verbinden, der es mit Sauerstoff versorgt. Langsam fängt das Herz wieder an zu schlagen und wir halten es warm und können es in diesem Kasten transportieren. Außerdem geben wir eine spezielle Flüssigkeit zur Konservierung dazu, die das Herz resistenter gegen Sauerstoffmangel macht. Zusammen ermöglichen diese Faktoren die Transplantation eines Herzens, das bereits klinisch tot war. Vorher war das nicht möglich“, erklärt Bob Graham, der Geschäftsführer des Victor Chang Institutes und Leiter des Forscherteams im Rahmen eines Interviews mit dem australischen Rundfunksender ABC.

Graham zufolge seien sowohl die Instrumente zur Wiederbelebung als auch die Konservierungsflüssigkeit wichtig. Ohne eins von beiden, sei das, was das Team geschafft habe, nicht möglich gewesen. Bisher wussten auch die operierenden Ärzte nicht, ob im Einzelfall das Herz im Empfänger wieder funktionieren würde. Mithilfe des Kastens wäre man sich der Funktion sicher, da das Schlagen des Herzens zu beobachten sei.

Mithilfe dieser neuen Forschungsergebnisse können nicht nur mehr Herzen gespendet werden, da mehr Patienten ein potenzielles Spenderherz in sich tragen. In manchen Ländern, wie beispielsweise Japan, ermöglicht die Methode überhaupt erst die Entnahme eines Spenderherzens, da hier das Fehlen jeglicher Hirnaktivität nicht als Todesart anerkannt wird.

Darüber hinaus verdopple die Konservierungsflüssigkeit das Zeitfenster, das die operierenden Ärzte haben, von circa vier auf etwa acht Stunden. Somit können Spenderherzen auch deutlich längere Transportwege zum Empfänger zurücklegen und damit viel häufiger dahin gelangen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

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