Pflege

Mindestlohn treibt Kosten für Pflegebedürftige in die Höhe

Pflegebedürftige und deren Angehörige müssen künftig mehr für Pflegeheimen dazu bezahlen. Der Mindestlohn treibt die Personalkosten der Einrichtungen nach oben. Die Zuzahlungen für Pflegeplätze steigen um bis zu 72 Euro pro Monat.

Angehörige von Pflegebedürftigen müssen sich auf steigende Kosten einstellen. (Foto: Flickr/Michael Panse/CC BY-ND 2.0)

Angehörige von Pflegebedürftigen müssen sich auf steigende Kosten einstellen. (Foto: Flickr/Michael Panse/CC BY-ND 2.0)

Der Mindestlohn treibt die Kosten in der Pflege stark nach oben. Das äußert sich in einem Anstieg der Heimkosten für Pflegebedürftige. Der Verband der privaten Krankenkasse (PKV) hat in einer aktuellen Berechnung einen starken Anstieg bei den Zahlungen des Eigenanteils an den Heimkosten festgestellt. Demnach sind 2015 die monatlichen Eigenanteile bei den Pflegeplätzen zwischen 37 und 72 Euro, je nach Bundesland und Pflegestufe, angestiegen.

Der Eigenanteil ist vom Pflegebedürftigen selbst zu zahlen. Verfügt er nicht über die entsprechenden Finanzmittel, müssen enge Familienangehörige wie Kinder oder aber das Sozialamt über den Posten ,,Hilfe zur Pflege“ einspringen. Kinder können die Kosten außerdem steuerlich als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Dazu gehören auch die Aufwendungen für eine Servicepauschale wie beispielsweise eine Notrufbereitschaft, berichtet die FAZ. Voraussetzung für die Geltendmachung ist mindestens die Pflegestufe I oder eine Krankheit als Grund für den Aufenthalt im Heim. Wenn der Pflegebedürftige seinen Haushalt aufgelöst hat, reduziert der Fiskus die Heimkosten um eine Haushaltsersparnis. Die Pauschale betrug für das vergangene Jahr 8.354 Euro.

„Durch die Erhöhung des Mindestlohns für Pflegehilfskräfte am 1. Januar 2015 auf derzeit 9,40 Euro im Westen und 8,65 Euro im Osten sowie durch das gleichzeitige Inkrafttreten des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro für alle Dienstleistungsbereiche in Pflegeeinrichtungen steigen die gesamten Personalkosten in der Pflege überproportional stark an“, sagt Thomas Greiner, der Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege. Diese Personalkosten werden in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Schon heute ist für viele Betroffene ein Pflegeplatz aus eigener Kraft kaum mehr bezahlbar.

Der gesetzliche Mindestlohn gelte für alle gewerblichen Mitarbeiter in Küche, Reinigung oder in den Hausmeisterdiensten von Pflegeeinrichtungen, so Greiner. Kosten für Betreuung und Versorgung in einer stationären Einrichtung würden teurer. Die Pflegeeinrichtungen müssen die Kosten an die Pflegebedürftigen und deren Familien weiterreichen.

„Während Familien, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, zumindest finanziell von einer höheren Pflegestufe profitieren, bedeutet sie für die Kinder von Heimbewohnern meist das Gegenteil“, schreibt Martin Fröhlich in einem Kommentar für die Neue Westfälische Zeitung. Spätestens bei Pflegestufe III stoße manche Familie an ihre Belastungsgrenze. Zwar gebe es den monatlichen Selbstbehalt von 1.400 Euro pro Person sowie etliche abzugsfähige Kosten wie Kreditzinsen, Mieten und anderes. Doch viele Haushalte ächzen angesichts der Kosten, die oft über Jahre hinweg zu zahlen sind.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung will aus drei Pflegestufen fünf machen und die Zuzahlungen für Angehörige vereinheitlichen, so dass die hohe Belastung der Pflege in Heimen für die Angehörigen tragbarer wird.

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