Wirtschaft

Vorsorge notwendig: Zivilisationskrankheiten gefährden Gesundheitssystem

Die Menschen werden immer älter und haben so einen längeren Anspruch auf ärztliche Behandlung, aber auch ein höheres Risiko, an einer langjährigen Krankheit zu erkranken. Das belastet das Gesundheitssystem. Frühzeitige Investitionen in vorbeugende Maßnahmen sind vonnöten und senken die Kosten langfristig.

Umfassende Vorbeugung hilft den Menschen und der Wirtschaft. Möglichkeiten der Entspannung und anderweitige Therapien sind ebenso wichtig wie eine richtige Ernährung oder finanzierte Kurse etc. (Foto: Flickr/Manie Joyce/CC BY 2.0)

Umfassende Vorbeugung hilft den Menschen und der Wirtschaft. Möglichkeiten der Entspannung und anderweitige Therapien sind ebenso wichtig wie eine richtige Ernährung oder finanzierte Kurse etc. (Foto: Flickr/Manie Joyce/CC BY 2.0)

Die vorzeitige Investition von öffentlichen Geldern in die Gesundheit der Bevölkerung macht noch immer einen zu kleinen Teil des Gesundheitssystems aus. Es herrscht ein Widerstreben zwischen dem frühzeitigen Investieren öffentlicher Gelder und möglicherweise erst viel später sichtbaren positiven Folgen der Vorbeugung. Doch die Investition lohnt sich, wie der Bericht „Healthy Live Years: Investments that pay off“ vom World Economic Forum und der Managementberatung Bain & Company deutlich macht.

„Zivilisationskrankheiten sind eine der Hauptbedrohungen nachhaltigen Wirtschaftswachstums“, so die Autoren der Studie. Die Kosten für Behandlungen von Krankheiten in den OECD-Ländern sind in den vergangenen 50 Jahren jährlich durchschnittlich um zwei Prozent gestiegen. Nimmt man den damit einhergehenden Ausfall von Arbeitskräften oder das steigende Armutsrisiko kranker Menschen liegen die Kosten für das Gesundheitssystem noch viel höher.

So belasten allein die Herz-Kreislauferkrankungen das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 37,4 Milliarden Euro, so der Bericht. „Die Kosten der Gesundheitssysteme laufen aus dem Ruder.“ Dabei spielt auch die Demographie eine Rolle. Durchschnittlich werden die Menschen in Deutschland immer älter. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko, an einer der sogenannten Volkskrankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Bluthochdruck etc. zu erkranken.

Nicht-übertragbare Krankheiten wie chronische Erkrankungen sind teuer: für die Krankenkassen, den Staat, aber auch für die Wirtschaft. Das bestätigt auch Andreas Tautz von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM): „Allein für fünf Krankheitsarten – Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Krebs-, chronische Atemwegs- und psychische Erkrankungen – prognostiziert das Weltwirtschaftsforum bis 2030 eintretende volkswirtschaftliche Verluste in Höhe von 47 Billionen US-Dollar.“ In Europa würden die sozioökonomischen Kosten allein für Depression auf 92 Billionen Euro beziffert.

Zumindest bei einigen dieser Zivilisationskrankheiten kann vorbeugend bereits etwas von den Regierungen und Krankenkassen unternommen werden. Häufig spielt bei den Zivilisationskrankheiten nämlich auch die Lebensweise eine entscheidende Rolle.

„Richten Volkswirtschaften ihre Aufmerksamkeit auf die Gesundheitsvorsorge statt auf die bloße Behandlung von Krankheiten, erreichen sie deutlich bessere Renditen auf ihr eingesetztes Kapital“, so der Bericht. „Ein theoretisches Beispiel: In einem Land von der Größe Moldawiens würde ein gemeinsam mit der Weltbank finanziertes Programm zur Bluthochdruckkontrolle bis 2030 rund 73 Millionen US-Dollar kosten, gleichzeitig läge der prognostizierte volkswirtschaftliche Nutzen bei 210 Millionen US-Dollar. Ein reales Beispiel ist die Mangelernährung von Kindern auf den Philippinen. Hier ist die Regierung eine öffentlich-private Partnerschaft mit Nestlé eingegangen, um die Bevölkerung gezielt mit angereicherten Cerealien und Milchprodukten zu versorgen, die der Staat bezuschusst. Die Kosten dafür belaufen sich auf zwölf Millionen US-Dollar. Der volkswirtschaftliche Nutzen ist mit 25 Millionen US-Dollar mehr als doppelt so hoch.“

Wie spärlich eine vorbeugende Gesundheitspolitik jedoch bisher umgesetzt wurde, zeigen die konkreten Zahlen: Der OECD zufolge beliefen sich die Ausgaben für öffentliche Gesundheit und Vorsorge im Jahr 2010 in den EU-24-Staaten nur auf 2,9 Prozent der gesamten Kosten im Gesundheitsbereich.

„Die Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung dient nicht nur der individuellen Lebensqualität, sondern auch der ökonomischen Stabilisierung unseres Gesundheitswesens“, so Tautz von der DGAUM. Und sie „ist darüber hinaus unverzichtbar für eine Begrenzung der durch chronische Krankheiten verursachten volkswirtschaftlichen Verluste“.

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